Aufrufe
vor 1 Jahr

Wir Abtsgünder 20.03.2020

  • Text
  • Kinder
  • Wohngemeinschaft
  • Schlipf
  • Gemeinde
  • Schwester
  • Helga
  • Wolfgang
  • Ehrenamt
  • Kruger
  • Gemeinsam
  • Www.bitzilla.de

DER ZANKEN Der

DER ZANKEN Der Landgasthof „Zum Zanken“ in seiner ganzen Pracht. Das Bild entstand bei einer Ballonfahrt im Jahr 2015. Der „Zanken“ liegt direkt an der Bundesstraße 19. TEXT: ANSGAR KÖNIG/FOTOS: ANSGAR KÖNIG, DIETER MÄURER, PRIVAT Ein ganz besonderes Eckchen: der «Zanken» Der Landgasthof an der B19 gehört zwar zu Hüttlingen, liegt aber mittendrin zwischen den Ortschaften Aalen, Hüttlingen und Abtsgmünd So mancher ist schon – vielleicht auf dem Weg kocherabwärts – auf der vielbefahrenen Bundesstraße 19 daran vorbeigerauscht und hat sich im Vorbeifahren Gedanken darüber gemacht, warum der Landgasthof Zanken diesen so urigen Namen trägt. Und vielleicht hat der Autofahrer sich auch gefragt: Wo hört denn Hüttlingen auf und wo fängt Abtsgmünd an? Oder gehört der „Zanken“ gar zur Großen Kreisstadt Aalen, deren Ausläufer genau an dieser Stelle auch ins malerische Kochertal hineinragen? Wer, wenn nicht Inhaber Wilhelm Mäurer könnte da für Aufklärung sorgen. Mäurer, der neben dem Landgasthof auch noch die Metzgerei Mäurer in Abtsgmünd betreibt, ist auf den Besuch des Redakteurs von „Wir Abtsgmünder“ bestens vorbereitet. Zum einen hat er eine Festschrift zur Hand, die die Historie des „Zanken“ umfassend erläutert, zum anderen hat er Auszüge aus der „Beschreibung des Oberamts Aalen“ und noch weitere historische Dokumente auf dem Tisch des Gastraums liegen. Die Oberamtsbeschreibung stammt aus dem Jahr 1854, und allein der Umstand, dass der „Zanken“ hier bereits mit einem eigenen Absatz erwähnt ist, zeigt, wie alt und auch wie wichtig der Landgasthof für dieses „Dreiländereck“ im Kochertal ist. Doch zunächst zum Namen. Eingefleischte Schwaben liegen vielleicht nicht falsch, wenn sie annehmen, dass sich der „Zanken“ irgendwie so anhört wie der Körperteil, den Hochdeutsche als „Nase“, Spaßvögel als „Gesichtserker“ und der Schwabe eben als „Zenga“ bezeichnet. Denn der „Zanken“ und mit ihm die Höfe Ober- und Untersiegenbühl sind eine Exklave, die in ihren geografischen Umrissen ein bisschen an eine Nase erinnert. Der Ortsteil gehört verwaltungsmäßig zu Hüttlingen, ist aber flächenmäßig nicht mit der Gemarkung der Gemeinde Hüttlingen verbunden. „Wir sind wie eine Insel“, erklärt Mäurer, „und die scheint von ihrer Form her an eine Nase zu erinnern.“ Eine andere Erklärung wäre der Zank, der Streit. Autor Michael Greiner verfolgte in einer Veröffentlichung „Zwischen Härtsfeld und Virngrund“ folgende Mutmaßung: Viele seien der Meinung, der Name weise auf ein besonderes Handwerkszeug der damaligen Bergwerksknappen hin. Der Volks- mund dagegen sei anderer Ansicht: Der Name bedeute „Hier ist der Platz zum Zanken“, zum Streiten oder zum Händeln also. In der Tat sei an diesem Platz früher viel gezankt worden, deshalb sei die ehemalige „Brückleswirtschaft“ in „Zum Zanken“ umbenannt worden. Die Bewohner aus dem benachbarten Fachsenfeld und aus Himmlingsweiler, die vom Hausiererhandel lebten, seien hier oft eingekehrt, wobei gezecht, gesungen und eben auch gezankt worden sei, schreibt Greiner. Zumal das Wirtshaus auf der Grenze der Hoheitsgebiete der Barone von Adelmannsfelden und derer von Woellwarth liege. Die Lage als Exklave schlug und schlägt sich durchaus im alltäglichen Leben nieder. „Alles, was mit Ämtern zu tun hat, Wahlen, Urkunden und so weiter, dafür müssen wir nach Hüttlingen. Postalisch und telefonisch gehören zu Abtsgmünd, dort sind wir auch in die Schule gegangen. Und als evangelische Christen war bis 2001 die Kirchengemeinde Fachsenfeld für uns zuständig, mittlerweile gehören wir zur Abtsgmünder Gemeinde“, erklärt Mäurer. Nach Hüttlingen sind’s vier, nach Abtsgmünd nur zwei 22 Eine alte Luftaufnahme. 23