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Wir Abtsgünder 08.04.2022

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Geschnitten, gezerrt,

Geschnitten, gezerrt, gebunden: Fertig ist der Hexenbesen. Was braucht’s zu einem guten Besenbinder? Anton Balle, 67 Jahre jung und aus Pommertsweiler, muss nicht lange nachdenken: „Fingerfertigkeit und ein gewisses Auge fürs Material“, fasst er zusammen. Und ein bisschen Erfahrung, fügen wir hinzu. Denn das Binden von Birkenbesen ist eine alte Handwerkskunst. Anton Balle hat sie von seinem Vater Alois gelernt. Walpurgisnacht!“) brauchen Besen – und Anton Balle konnte helfen. Aber nicht nur Hexen kaufen hier gerne ein. Immer wieder kommen Anfragen, das Interesse sei groß, auch wenn Anton Balle auf Werbung verzichtet: „Es ist schließlich nur ein Hobby“, und nicht das einzige. Balle, gelernter Mechaniker, drechselt auch gerne, doch das soll hier nicht das Thema sein. Anton Balle bietet dreierlei Besen an: ganz kleine zu Dekorationszwecken (etwa 50 Zentimeter mit Stiel), mittlere für Kinder (je nach Größe des Kindes knapp einen Meter groß) und die großen Besen, mit denen man richtig kehren kann. Sie sind mit Stumpf und Stiel gut 1,70 Meter groß. Klassische Besenbinder sind mittlerweile rar: „Früher gab‘s es mal einen in Au- sein. Die Zweige für den „Vorführbesen“ hat er vor 14 Tagen aus dem Wald geholt. Sie sind ideal. „So ein Besen hält dann locker zehn, 15 oder gar 20 Jahre.“ Dann geht’s ans eigentliche Binden. Hier verwendet Balle geschmeidige Weidenruten. Die Rute wird mittenrein ins Bündel gesteckt und mit kräftigen Bewegungen um das Bündel gewickelt. Der einzige Arbeitsgang, beim dem wirklich Kraft notwendig ist. Mit einem Schraubenzieher hilft Anton Balle nach, um die Ruten quasi um das Bündel zu Knoten. Es dürfen keine Knicke entstehen, sonst ist die Rute hin. Die Rutenwindungen verkeilen sich ineinander und halten stabil zusammen. Kunststoffschnüre wären hier nicht geeignet, sie rutschen durch. Das alles zwei-, drei-, bei größeren Besen viermal: Fertig ist das Produkt. „Und jetzt kommt der Frisör“, erklärt Anton Balle lachend den nächsten Arbeitsschritt. Überstehende Büschel werden mit der Gartenschere entfernt. „Junge Birken eignen sich besser als alte, sie sind nicht so zottelig, nicht so strubbelig.“ Also gleichmäßiger, nicht so verastet. Als nächste Übung wird der Besen an der oberen Seite bündig gesägt, bevor mit dem „Anstoßen“ der vorerst letzte Schritt ansteht: Der gespitzte Stil – aus Birke oder Fichte – wird auf stabilem Untergrund in den Besen gerammt. „Wenn alles gut vorbereitet ist, ist so ein Besen in zehn Minuten fertig.“ Fertig? Halt, der letzte Arbeitsschritt fehlt noch: raus auf die Straße und kehren. Mindestens 20 Jahre lang. • Dabei ist das Binden von Besen aus Reisig, Birken und Weiden eine ganz zeitgemäße Angelegenheit. Das Material stammt durchweg aus der Natur und aus der Region, kostet nichts, Abfall gibt’s keinen. Das alles mag ein Grund sein, dass in der Landwirtschaft über Jahrhunderte hinweg auf selbst gebundene Besen gesetzt wurde. Aktuell möchte man noch hinzufügen: CO2-neutral in Produktion und Anwendung. „Früher gab es in der Landwirtschaft nur solche Besen“, blickt Anton Balle in der Geschichte zurück, „das war Winterarbeit.“ Sein Vater sei zum Besenbinden immer in den Stall gegangen, „da war’s warm“, fügt er schmunzelnd an. Tagelang, so denkt er an seinen im Jahr 2000 verstorbenen Vater zurück, habe sein Vater an den Besen gearbeitet, etwa 20 bis 30 Stück pro Winter produziert. Da hat Sohn Anton sich natürlich so einiges abgekuckt. Noch heute haben drei kleine Besen, die Alois Balle für seine Enkel hergestellt hat, einen Ehrenplatz in Anton Balles Werkstatt und Garage: „Die sind 25 Jahre alt, die halte ich in Ehren.“ So hat Anton Balle das Handwerk übernommen. Nach einigen Jahren Pause seien schließlich die Rottalhexen, die Faschingsgruppe aus Pommertsweiler, auf ihn zugekommen. Klar, Hexen („Heia, ernheim, von den habe ich auch einiges gelernt.“ Die kleinsten Exemplare, die zum Beispiel zur Tischdekoration dienen, sind auch die einzigen, bei denen nicht nur natürliche Rohstoffe verwendet werden. Die Weidenruten, die sonst dazu verwendet werden, um die Reisigbündel zu binden, sind hier ungeeignet. So eng lassen sie sich nicht wickeln. Bei den größeren Besen hingegen ist der Draht ungeeignet. Teile könnten sich bei der Arbeit lösen und in die Tiermägen gelangen. Ein Gang zum Tierarzt – das mag der Bauer nicht. Doch nun zur eigentlichen Herstellung: Jacke aus, Arbeitskittel an. Anton Balle hat für den Besucher des Ortsmagazins „Wir Abtsgmünder“ in seiner Garage schon alles vorbereitet. Auf einem improvisierten Werktisch werden zunächst von der Größe her passende Reisigzweige Lieber grob zugeschnitten gleich und richtig gestapelt. „Abfall gut als gibt’s hier keinen: Was ich wegschneide später wird geschreddert nachbessern. und landet im Frühjahr im Garten“, erklärt Balle. Das A und O: „Die Ob Sie Birken neu bauen dürfen oder nicht sanieren im Saft stehen.“ - die Wahl Sonst der richtigen Wärmedämmung spielt eine entscheidende droht Wurmbefall, Rolle. der Mit „Wuara“, einer sagt puren Balle. ® Dämmung treffen Sie die richtige Entscheidung. Sie dürfen Für aber sich. auch Für nicht Ihre Familie. zu trocken Und für die Umwelt. Neue Bauherren-Broschüre Gleich anfordern! 14 www.lieber-puren.com 15