Aufrufe
vor 1 Jahr

SCHLICHEM HEUBERG BLICK 18.03.2020

  • Text
  • Wehingen
  • Telefon
  • Gosheim
  • Veranstaltungen
  • Kinder
  • Deilingen
  • Jugendliche
  • Bubsheim
  • Region
  • Egesheim
  • Schlichem
  • Heuberg
  • Www.bitzilla.de

Nummer 5 | Mittwoch 18.

Nummer 5 | Mittwoch 18. März 2020 Egesheim 8 Egesheim/Stuttgart. Die ältesten Spuren der »Egesheimer« Geschichte sind nicht in Klosterarchiven zu finden, sondern im Nusplinger Plattenkalk mit seinen Fossilien aus der Jura-Zeit vor rund 157 Millionen bis 152 Millionen Jahren. Frank Czilwa hat mit dem Paläontologen Günter Schweigert vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart gesprochen, Leiter der Arbeitsgruppe »Nusplinger Plattenkalk«. Am 14. Mai 2009 entdeckte er im Nusplinger Plattenkalk die bisher »Einzigartiger erdgeschichtlicher Schatz« älteste Feder der Welt. Sie ist älter als der Archaeopteryx von Solnhofen. Herr Schweigert, welche Bedeutung hat der Plattenkalk von Egesheim und Nusplingen für die Paläontologie – die Wissenschaft von den Lebewesen und Lebewelten der geologischen Vergangenheit –, auch in weltweitem Maßstab? Nun ja, es gibt speziell in Süddeutschland – nicht nur in Nusplingen und Egesheim, sondern auch im Fränkischen Jura bei Solnhofen und Eichstätt – Plattenkalke, die uns quasi ein Fenster in die Jurazeit öffnen, und wo Lebewesen überliefert sind, die sonst nirgendwo gefunden worden sind. Aber es gibt kein zweites Fundgebiet, das in den vergangenen Jahren so ausführlich wissenschaftlich erforscht wurde. Bei Solnhofen und Eichstätt gibt es viele kommerzielle Steinbrüche, aus denen Fossilien entnommen werden, aber da geht der ganze Kontext und der Fundzusammenhang verloren. Bei unseren wissenschaftlichen Grabungen bleiben dagegen solche Details erhalten. So haben wir im Nusplinger Plattenkalk zirka 450 verschiedene Arten feststellen können. Gibt es auch Arten, die nur im Egesheimer Steinbruch vorkommen? Ja, es gibt tatsächlich ein paar Sachen, die so bisher nur im Egesheimer Steinbruch gefunden wurden. Zum Beispiel ein zirka 70 Zentimeter langer Hai, von dem vorher nur Zähne bekannt waren. Aber in Egesheim wurde das einzige komplette Exemplar gefunden. Oder das Spurenfossil eines wurmartigen Organismus, der ganz komische Muster hinterlassen hat, die es so nur im Nusplinger Plattenkalk gibt und die wir zuerst im Egesheimer Steinbruch entdeckt haben. Deshalb hat die Art in ihrem wissenschaftlichen Namen heute auch den Bestandteil »egesheimense«. Und was sind die am häufigsten gefundenen Arten? Die häufigsten Arten sind auch hier Ammoniten, in der Regel allerdings plattgedrückt. Aber auch hier spielt der Egesheimer Steinbruch eine gewisse Rolle, denn hier wurde ein halb-plastisch erhaltenes Exemplar gefunden. Anhand dieser Art, die ursprünglich bei Ulm gefunden wurde, ist es mir dann gelungen, den Nusplinger Plattenkalk genau zu datieren. Wie sind die Fossilien des Nusplinger Plattenkalks entstanden? Man muss sich das vorstellen wie eine Lagune, die dadurch entstanden ist, dass es im damaligen Meer Riffe aus Kieselschwämmen gegeben hat, und dazwischen tiefere Gewässer, also eine Struktur wie ein Atoll. Und dann muss es dazu gekommen sein, dass sich der Meeresspiegel abgesenkt hat oder – was auf das Gleiche herauskommt – das Ganze irgendwie angehoben wurde, so dass aus den Riffen Inseln wurden. Darin gab es zirka 80 bis 100 Meter tiefe Gewässer, die aber vom Wind nur schwach umgewälzt wurden, so dass unten in der Lagune Sauerstoffarmut herrschte. Und alles, was im Meer starb und zu Boden gesunken ist, blieb darin gut erhalten. Wie ist eigentlich der Nusplinger Plattenkalk als Fossilienfundstätte entdeckt worden? Für den Nusplinger Plattenkalk generell gilt, dass er im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde. Damals gab es in Tübingen einen Professor namens Quenstedt [Friedrich August Quenstedt, 1809 bis 1889; die Redaktion], ein Paläontologe, unter dessen Zuhörern nicht nur Geologen waren, sondern auch Mediziner. Einer davon wurde Arzt in Nusplingen. Und der hat beobachtet, wie ein Bauer Kalkplatten abgebaut hat, um damit seine Scheune auszulegen. Er hat im Abraum einige Platten gespalten und darin gleich Fossilien entdeckt. Professor Quenstedt hat Günter Schweigert im Steinbruch Nusplingen Foto: Naturkundemuseum Stuttgart Eine doppelte Urzeit-Garnele aus dem Egesheimer Steinbruch (Bild links). In Egesheim wurde das einzig vollständige Exemplar der Haiart Sphenondus macer gefunden (Bild rechts). Fotos: Günter Schweigert festgestellt, dass diese Platten ganz ähnlich waren wie in Solnhofen und vermutet, dass bei Nusplingen noch viele weitere Fossilien zu finden sein müssten. Später hat man dann begonnen, die Kalkplatten für Lithografien a bzubauen und dabei tatsächlich viele Fossilien gefunden. Die Voraussage von Quenstedt hat sich also bestätigt. Wird auch in diesem Jahr im Nusplinger Plattenkalk gegraben? Ja, auch in diesem Jahr wird es wieder Ausgrabungen geben. Dafür müssen wir erst eine dicke Kalksteinlage entfernen, und dazu wird ein Bagger benötigt. Es hängt auch von der Witterung ab, wann der Bagger eingesetzt werden kann, aber vielleicht werden wir im kleineren Rahmen Anfang April wieder graben können. Sie haben den Lehrpfad »Im Reich der Meerengel« und seine Schautafeln mit konzipiert. Was ist das pädagogische Konzept dahinter, was wollen Sie den Besuchern nahebringen? Ich will eigentlich den Leuten zeigen, was für ein einzigartiger erdgeschichtlicher Schatz dort zu finden ist, und dass dieser schützenswert ist. Auf dem Klopfplatz können die Besucher auch selbst aktiv werden und nach Fossilien suchen, und gleichzeitig werden so auch die Besucher gelenkt, damit sie nicht an der eigentlichen Grabungsstätte nach Fossilien suchen, was natürlich nicht gestattet ist. Und die Natur dort oben ist einfach großartig. Die Ruhe, die man dort genießen kann, ist einzigartig – wenn wir nicht gerade klopfen.

Nummer 5 | Mittwoch 18. März 2020 Reichenbach 9 D ie Feuerwehr bildet sich stets weiter Kleine Wehr hat 13 Aktive und sechs Jugendliche – Leistungsabzeichen in Bronze abgelegt Von Volkmar Hoffmann Reichenbach. Die Reichenbacher Feuerwehr, eine kleine Einsatzabteilung, die technisch als auch mit ihrer Ausbildung gut aufgestellt ist, hatte im vergangenen Jahr mit ihren 13 Mitgliedern fünf kleinere Einsätze zu verzeichnen. Dies berichtete Kommandant Benjamin Fritsch in der Jahreshauptversammlung. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden zwölf Übungen, drei Sonderübungen, eine Herbstübung und eine gemeinsame Alarmübung mit den Wehinger Kameraden d urchgeführt. Außerdem haben sich die Reichenbacher Feuerwehrleute stetig für eine ordentliche Arbeit weitergebildet. Der Probenbesuch lag bei 84 Prozent, so informierte der Kommandant Benjamin Fritsch im Beisein von Bürgermeister Hans Marquart, den Gemeinderäten und Kreisbrandmeister Andreas Narr. Der große Dienstplan beinhaltete erstmals nach langer Zeit die Abnahme des Leistungsabzeichens in Bronze, die in Tuttlingen für eine reine Reichenbacher Löschgruppe stattfand. Ebenso nahm eine Löschgruppe am Seminar für Einsatztaktik am Atemschutzzentrum teil. Hervorgehoben hat der Kommandant den Motorsägenlehrgang, der im Zeichen der Die Geehrten und Beförderten der Feuerwehr Reichenbach zusammen mit Kreisbrandmeister Andreas Narr und Bürgermeister Hans Marquart. Foto: Hoffmann Kreisausbildung des Landkreises im Ort stattfand. Respekt zollte er für die Kameraden Felix und Tobi, die mit ihrer schweren Atemschutzausrüstung die Herausforderung beim »Towerrun« mit 1390 Stufen und 232 Höhenmeter stellten. Neben dem Feuerwehrdienst gab es auch jede Menge Arbeit bei Veranstaltungen. Abschließend bedankte sich Fritsch bei der Gemeinde für die Unterstützung sowie für die Kostenübernahme für drei LKW-Führerscheine und die unkomplizierte Beschaffung des neuen Transporters, der mit dem Bauhof gemeinsam genutzt wird. Schriftführer Tobias Huber berichtete über die große Feuerwehrübung auf dem Truppenübungsplatz Heuberg in Stetten a.k. M. Die geprüften Finanzzahlen übermittelte der Kassierer Sven Kohlen. Alle Themen der Feuerwehr wurden bei 19 Proben der sechsköpfigen Jugendgruppe abgearbeitet, erzählte Jugendwart Luca Marquart. Sie seien aufmerksam mit Freude und Spaß dabei gewesen, sei es bei der Besichtigung der Leitstelle oder beim angesagten Grillfest. Höhepunkt sei jedoch die Teilnahme beim Kreisjugendfeuerwehrpokal gewesen. Die Jugend sei ein wichtiger Pfeiler der Reichenbacher Abteilung. Sie freuen sich heute schon auf die Teilnahme beim Kreisjugendwanderpokal am 20. Juni und auf das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager, das am 10. Juli in Tuttlingen beginnt. Bürgermeister Hans Marquart erbat die Entlastung und dankte für den besonders respektvollen Dienst in der Gemeinde. Für das kommende Jahr wird die große Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbands in Reichenbach durchgeführt. Bei den Wahlen wurde der Kommandant Benjamin Fritsch wiedergewählt. Neu sein Stellvertreter: Felix Quarleiter. Neu gewählt wurden auch als Schriftführer: Tobias Huber, Kassierer: Dietmar Scheck, Kassenprüfer: Sven Kohlen, Jugendwart: Luca Marquart, stellvertretende Jugendwarte: Tobias Huber und Elias Betz. Neues Ausschussmitglied ist Patrick Hermle. Feuerwehr und Bauhof teilen sich neuen Transporter Die Reichenbacher Feuerwehr erhielt pünktlich zu ihrer Jahreshauptversammlung das bestellte Transporterfahrzeug MAN TGE. Es soll gemeinsam für den Feuerwehrbedarf aber auch für den örtlichen Bauhof genutzt werden. Bürgermeister Hans Marquart übergab im Hof des Feuerwehrmagazins das neue Fahrzeug an den Kommandanten und die Mitglieder der Feuerwehr im Beisein des Kreisbrandmeisters Andreas Narr und des Gemeinderats. Foto: Hoffmann