Aufrufe
vor 5 Monaten

Rottum Bote 16.06.2021

  • Text
  • Ochsenhausen
  • Norbert
  • Juni
  • Biberach
  • Haus
  • Heiligen
  • Stadt
  • Rottum
  • Menschen
  • Alexander
  • Bote

Rottum

Rottum Bote ROTTAL Mittwoch, 16. Juni 2021 Von Katrin Bölstler ● ROT AN DER ROT-ELLWANGEN - Binnen Minuten war alles verloren. Der Starkregen, der in der Nacht von Montag auf Dienstag über manchen Ortschaften im Landkreis Biberach niederging, hat Existenzen zerstört. Häuser sind unbewohnbar, Autos zerstört, Garagen demoliert. Manche Betroffenen hatten Glück im Unglück und es lief „nur“ der Keller voll. Doch manche Betroffene wissen auch vier Tage danach noch nicht, ob sie noch ein Zuhause haben. So wie die niederländische Familie van Dijk, die erst vor drei Jahren aus Holland in den Roter Teilort Ellwangen gezogen ist. Am Freitagvormittag scheint die Sonne in Ellwangen. Es ist warm, sommerlich. Kinder spielen auf dem Pausenhof vor der neu umgebauten Schule. Doch der Schein trügt. Denn es ist erst vier Tage her, da flossen über diesen Schulhof Wassermassen, die man sich kaum vorstellen kann. Innerhalb von Minuten bildete sich ein Strom, der alles mit sich riss. So beschreiben es Anwohner, die das Unwetter miterlebt haben. Das Wasser, erzählen sie, sei von allen Seiten gekommen. Auf der Biberacher Straße, die direkt durch den Ort führt, vereinten sich die einzelnen Ströme zu einem. Am schlimmsten hat es die Bewohner in der Straße Am Ellbach getroffen. Und das ist auch noch Tage später sichtbar. Am Straßenrand stehen große Container, aufgestellt von der Gemeinde. Vor jedem Haus stehen Menschen, sie spritzen schlammbedeckte Gegenstände ab, tragen kaputte Möbel aus den Häusern. Eine junge Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wohnt relativ weit vorn in der Straße. Ihrer Familie gehört das Haus, in dem sie lebt. Noch immer kann sie kaum fassen, was da eigentlich geschehen ist. „Das Wasser stand sogar im Erdgeschoss so hoch“, sagt sie und zeigt dabei auf einen nassen Streifen, der sich auf Kniehöhe im Inneren des Hauses befindet. Das Wasser sei in jener Nacht so schnell gestiegen, dass ihnen keine Wahl geblieben sei, als das Haus fluchtartig zu verlassen. Etwas zu retten, sei unmöglich gewesen. Das Auto: kaputt. Alles, was sich im Kellergeschoss befunden hatte: kaputt. Der Öltank: ausgelaufen und kaputt. Gott sei Dank habe Nichts ist mehr, wie es war Manche Familien aus Ellwangen haben bei dem Starkregenereignis alles verloren So sah es am ersten Tag im Erdgeschoss der Familie van Dijk aus. Der Schlamm steht noch knöchelhoch. FOTO: PRIVAT die Familie eine Elementarversicherung, die wenigstens die Schäden am Haus begleichen werde. Seit heute sei auch eine Spezialfirma da, die das Kellergeschoss reinige. Doch alles andere, was kaputtgegangen sei, dafür müsse die Familie selbst aufkommen. „Wir sind unglaublich dankbar dafür, dass wir in den ersten Tagen so viel Unterstützung aus dem gesamten Dorf und auch von der Ortsvorsteherin und der Bürgermeisterin erhalten haben“, betont sie. Der Zusammenhalt im Ort sei unglaublich. Ein paar Häuser weiter. Auch dieser Familienvater möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Vier Tage nach dem Unglück, sagte er, überwiege bei ihm die Dankbarkeit. Dafür, dass bei ihm „nur“ das Kellergeschoss, die Garagen und die Einfahrt geflutet wurden. Zwar sind beide Autos und das Motorrad kaputt sowie alles, was sich in den Kellerräumen befand. „Aber es sind alle noch am Leben“, sagt er und schaut dabei automatisch zu dem Haus gegenüber, in dem einer seiner Nachbarn, der dort in einer Einliegerwohnung lebte, in der Unglücksnacht umgekommen ist. Wie das passieren konnte, darüber will hier heute keiner sprechen. Zu tief sitzt noch der Schock, zu groß ist die Trauer. Allen ist klar, es hätte jeden treffen können. Keiner, der es nicht miterlebt hätte, könne sich vorstellen, mit was für einer Gewalt die Wassermassen binnen Sekunden in die Häuser geschossen seien, erklären alle Befragten unisono. Dass Regen, sonst so harmlos in Oberschwaben, so eine zerstörerische Wut entwickeln könne, das hatte von ihnen noch keiner am eigenen Leib erlebt. Mit am schlimmsten hat es die Familie van Dijk getroffen. Timur van Dijk stapft am Freitag in Gummistiefeln um sein Haus und versucht zu retten, was noch zu retten ist. Sein Haus liegt direkt in der Mitte der Straße, die Wassermassen trafen sein Grundstück mit voller Wucht. Der Holländer ist erst vor drei Jahren aus seiner Heimat in das idyllische Dorf gezogen. Fassungslos berichtet er von jener Nacht, die sein Leben verändert hat. „Das Wasser In dieser Einliegerwohnung ertrank der 64 Jahre alte Mann. FOTO: KATRIN BÖLSTLER kam von allen Seiten. Ich habe noch versucht, Dinge aus dem Keller zu retten, doch als die Fenster dem Druck nachgaben und barsten, musste ich mich mit einem Sprung ins Erdgeschoss retten. Es hat nicht viel gefehlt und ich wäre auch ertrunken.“ Obwohl die Feuerwehr den Keller bereits ausgepumpt hat, steht der Schlamm dort immer noch knöcheltief. Es ist dunkel, es gibt keinen Strom. Die Ölheizung ist explodiert, es stinkt und der Schlamm klebt sogar an den Kellerdecken. Timur van Dijk führt durch die einzelnen Räume und ringt dabei sichtbar um Fassung. „Hier habe ich erst vor Kurzem selbst eine Sauna gebaut“, sagt er und zeigt auf die noch erkennbare, wenn auch völlig zerstörte Kabine. „Und hier war mein Musikzimmer“, zeigt er auf das nächste Zimmer, in dem noch ein Bandplakat zu erkennen ist. Was sich sonst noch in diesem Raum befunden hat, lässt sich nicht mehr erkennen. Der Schlamm und das Wasser haben alle Spuren getilgt. Eine mit Schlamm verkrustete Gitarre steht am Treppeneingang. Mehr ist nicht mehr übrig. Wie es ihm gelungen ist, seine Hühner aus dem Stall im Garten noch zu retten, kann er selbst nicht erklären. „Ich bin nach hinten, rein und habe sie mir geschnappt“, schildert er die Aktion und zuckt mit den Schultern. Auf die Frage, ob die Familie eine Hausratsversicherung habe, schüttelt er nur schweigend den Kopf. „Wir wissen im Moment überhaupt nicht, wie es weitergehen soll. Es ist alles kaputt. Vom Rasenmäher bis hin zum Kühlschrank“, ergänzt seine Frau Katharina. Vor dem Haus versuchen Helfer und der Besitzer des Hauses, etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Der junge Mann hat das Haus von seinem Großvater geerbt und studiert in Hamburg. „Im Moment habe ich eigentlich Prüfungen, aber als ich gehört habe, was passiert ist, bin ich sofort hergefahren,“, sagt er. Eine erste Gutachterin von der Versicherung sei heute früh da gewesen. „Doch ihre Aufgabe war es nur festzustellen, ob der Schaden unter oder über 100 000 Euro liegt“, erklärt er. Und das sei aus seiner Sicht ziemlich eindeutig. Das Haus ist so stark beschädigt, dass im Moment nicht klar sei, ob es noch zu retten ist. Vielleicht muss es abgerissen werden.

Rottum Bote ROTTAL Mittwoch, 16. Juni 2021 Impulsgeber: Wie Biberachs OB den Heiligen Norbert sieht Rot an der Rot feiert Ordensgründer Norbert – Predigt hält der Oberbürgermeister Norbert Zeidler Von Karin Kobsa ● Norbert Zeidler brachte eine von seinem Vater schnitzte Heiligenfigur seines Namenspatrons mit. FOTO: KARIN KOBSA ROT AN DER ROT - Der Prämonstratenserorden feiert in diesem Jahr 900-jähriges Jubiläum. An den Ordensgründer, den Heiligen Norbert, ist in der Seelsorge Rot-Iller an dessen Namenstag, am 6. Juni, erinnert worden. Mit dabei waren elf geladene Norberts aus der ganzen Seelsorgeeinheit – und der wohl bekannteste Norbert aus dem Landkreis, Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler. Dieser hatte noch einen besonderen Ehrengast mitgebracht, den er später in seiner Predigt genauer vorstellte. Die Spuren des Heiligen Norbert und seines Prämonstratenserordens lassen sich auch heute noch in der Seelsorgeeinheit entdecken, Darstellungen des Heiligen finden sich am Hochaltar, am Chorgestühl, auf dem Kelch und der Monstranz auf dem Altar der Klosterkirche in Rot an der Rot. Das Kloster war im Jahr 1126 eines der ersten Prämonstratenserklöster in Oberschwaben. Später waren die Norbertus-Schwestern lange Jahre im Jugendhaus „St. Norbert“ im Einsatz. Seit 2019 wirkt erstmals wieder ein Prämonstratenser in der Seelsorge: Pater Johannes-Baptist Schmid vom Kloster Roggenburg. Er ist leitender Pfarrer und lebt zwei Tage in der Woche im Kloster Roggenburg. So lebt er genau das, was den Prämonstratenserorden kennzeichnet und was ausschlaggebend war für seine Entscheidung, der Gemeinschaft beizutreten: „Ich bin Prämonstratenser geworden, weil ich das Ideal des Ordens attraktiv finde“, sagte er. „Wir führen ein Klosterleben und dienen damit Gott und sind dennoch in der Welt präsent und für die Menschen da. Das Jubiläumsmotto bringt das gut zum Ausdruck: Gemeinsam. Mit Gott. Bei den Menschen.“ Pater Johannes wies mit Blick auf die Situation der heutigen Kirche und das Rücktrittsangebot von Kardinal Reinhard Marx darauf hin, dass auch heute vieles im Umbruch und schwierig sei, so wie vor 900 Jahren. Der Heilige Norbert habe den Klerus reformieren wollen mit dem Ziel, dass Priester in Gemeinschaft leben, so Pater Johannes. Darauf ging auch Oberbürgermeister Norbert Zeidler in seiner Predigt-Ansprache ein. Dafür hatte er seinen Ehrengast mitgebracht: eine Holzfigur des Heiligen als Bischof und Ordensgründer, die Zeidlers Vater Norbert selbst geschnitzt hatte. An ihr zeigte der Biberacher OB auf, inwiefern auch heute noch das Leben des Heiligen für uns Hilfestellung geben kann. Dabei hob er drei Besonderheiten des Heiligen hervor: Authentizität, Impulsgeber und Menschennähe. Auch wenn er mit seinen Reformvorschlägen bei manchen auf Widerstand gestoßen sei, sei der Heilige Norbert bei seiner Haltung geblieben. Doch sei er auch zur Selbstkritik bereit gewesen. Norbert habe sich neuen Aufgaben und Herausforderungen gestellt. Sein Leben sei gekennzeichnet von Umbrüchen und Neuanfängen – „und genau das macht Norbert so menschlich“, sagte Zeidler, der hervorhob, dass heute mehr denn je Menschen gebraucht werden, „denen man abnimmt, was sie sagen oder tun“. Zeidler beschrieb den Heiligen Norbert als einen, der das weltliche und geistliche Leben kannte – und beide wieder näher zueinander bringen wollte durch seine Reformvorschläge und die Gründung seines Ordens. Er war Impulsgeber eines neuen Ordens, der sich auf das Ursprüngliche, die Urkirche der Apostel, beruft. Er war einer, der die Nähe der Menschen suchte, statt sich zurückzuziehen. Damit fand er schnell Anhänger und konnte vielerorts neue Orden gründen oder umwandeln. „Das macht Norbert zu einem idealen Vorbild oder Patron für Menschen, die in Verantwortung stehen“, sagte Zeidler. „Denn sehr häufig besteht deren Rolle gerade darin, Visionen zu entwickeln, Menschen für Ideen zu begeistern und mitzunehmen – manchmal auch gegen Widerstände.“ Die Erinnerungen an den Heiligen Norbert seien aktueller denn je, zeigte sich Zeidler sicher. Denn „authentisch sein, Impulsgeber, nah bei den Mitmenschen – das wünscht man jedem seiner Mitmenschen, das darf man aber vor allem den Institutionen Staat und Kirche wünschen“, sagte er. „Ich bin sehr dankbar, den Namen eines Heiligen tragen zu dürfen, der in dieser Region große Spuren hinterlassen hat und dessen Leben und Handeln mir Leit- und Vorbild sind“, so Zeidler, der am Ende seiner Predigt-Ansprache von allen Beifall erhielt. Der Festgottesdienst endete mit dem Norbertlied, bevor jeder Norbert noch ein Namenstagsgeschenk erhielt, das an den Heiligen erinnert wie das Jubiläumsbier 1121 und für Kinder das Norbertsbüchlein. ANZEIGEN Kraftfahrzeugmarkt KFZ−Ankauf Kaufe Wohnmobile + Wohnwagen. 0 39 44/3 61 60, www.wm-aw.de Fa. Fasanenweg 21 · 88410 Bad Wurzach KInDeRARmUt wOhNt nEbEnAn Immobilien Mitmachen statt Wegschauen. Alle Informationen zu den Projekten auf www.mach-dich-stark.net Spendenkonto: IBAN: DE 45 60120500 000 5787005 Stichwort: NEBENAN schwäbische.de/kleinanzeigen