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Rottum Bote 15.07.2020

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Rottum Bote OCHSENHAUSEN Mittwoch, 15. Juli 2020 Auf zum Lauf quer durch Europa: Gemeindereferent Robert Gerner (vierter v. li.) und fünf Ehrenamtliche aus der Seelsorgeeinheit haben die Aktion „Lauf und Ge (h)bet für Europa“ auf die Beine gestellt. FOTO: SYBILLE GLATZ Von Sybille Glatz ● 43 000 Kilometer quer durch Europa Die Seelsorgeeinheit Sankt Benedikt startet am Samstag diese ungewöhnliche Lauf-Aktion OCHSENHAUSEN - Die Corona-Pandemie macht auch vor der katholischen Kirche nicht halt. Gottesdienste können zwar wieder gefeiert werden, aber nur unter Einhaltung von strengen Hygiene- und Sicherheitsauflagen. Auch traditionelle Prozessionen können entweder gar nicht oder nur in kleinerem Rahmen abgehalten werden. „Wir können nicht warten, bis die Menschen wieder in die Kirche kommen. Wir müssen uns überlegen, wie wir zu den Menschen gehen können“, sagt Robert Gerner, Gemeindereferent der Seelsorgeeinheit Sankt Benedikt Ochsenhausen. Im Frühjahr, als der Lockdown begann, hatte er eine Idee. „Ich laufe selbst gern. Beim Joggen kam mir damals der Gedanke: Mensch, ich muss für Europa beten, etwas für Europa tun, damit es nicht auseinanderfällt.“ Diese Idee, Beten und Laufen für Europa zu verbinden, habe immer konkretere Formen angenommen, erzählt Gerner. Aus der Idee wurde schließlich die Aktion „Lauf und Ge(h)bet für Europa“, die am Samstag, 11. Juli, um 18 Uhr startet. Der Startschuss erfolgt nicht zufällig an diesem Tag. „Der 11. Juli ist der Tag des Heiligen Benedikt, des Schutzpatrons Europas“, sagt Gerner. Entsprechend beginnt der Lauf mit einer Andacht an der Statue des Heiligen, die in Ochsenhausen neben der Friedenslinde steht. „Nach der Andacht sind die Gäste auch gleich eingeladen, ein paar Kilometer zu laufen, in kleinen Gruppen oder auch alleine“, sagt Gerner. Deshalb dürfe die Andacht auch in Sportkleidung besucht werden. Acht Wochen lang dauert die Aktion, bei dem die Teilnehmer virtuell durch ganz Europa laufen. 43 000 Kilometer lang ist die Strecke insgesamt „Jeder kann mitmachen, die Geschwindigkeit ist egal. Jeder, der läuft, joggt, wandert oder auch nur mit dem Hund spazieren geht, kann die gelaufenen Kilometer auf der Webseite der Seelsorgeeinheit eintragen“, sagt Gerner. Die Teilnehmer können dort auch Bilder von ihren Läufen hochladen. Eine weitere Möglichkeit teilzunehmen ist die Lauf-App Strava. Dort gibt es eine Gruppe Sankt Benedikt. „Die Kilometer, die die Gruppenmitglieder laufen, fließen automatisch in die Zählung mit ein“, erklärt der Gemeindereferent. Bereits 28 Mitglieder hat die Gruppe. Mit dem Lauf ist auch noch ein guter Zweck verbunden: „Wir haben Sponsoren, die pro gelaufenem Kilometer 10 Cent spenden“, sagt Gerner. Das Geld geht an vier gemeinnützige Projekte. „Das erste Projekt ist die Gerald Asamoah-Stiftung, die kranke Kinder in den unterschiedlichsten Ländern unterstützt“, berichtet Gerner. Weitere Projekte seien der Martinus-Tafelladen in Ochsenhausen und eine Suppenküche in Bulgarien. „Beide Projekte begleite ich seit Längerem“, sagt er. Ein viertes Projekt ist die Stiftung Kinder in Not. „Das ist ein Projekt unseres Dekanats Biberach, das mir sehr am Herzen liegt. Dort werden alltägliche Dinge ermöglicht, welche banal erscheinen, aber für die Kinder wie kleine Wunder wirken, beispielsweise die Bezahlung einer längst abgeschlossenen Schulfreizeit.“ Etwas mehr als die Hälfte des benötigten Geldes haben die Sponsoren schon zugesagt. „Es fehlen noch 2000 Euro, aber ich bin mir sicher, dass noch der eine oder andere etwas spendet. Es können ja auch kleinere Beträge sein“, meint der Gemeindereferent zuversichtlich. Auf der Website kann jeder mitverfolgen, wie weit der Lauf schon gekommen ist. „Dort findet man eine Karte mit den Stationen, die wir nacheinander ablaufen. Wenn wir 600 Kilometer beisammen haben, befinden wir uns bei der Sankt Hedwigs Kathedrale in Berlin, nach weiteren 600 Kilometern sind wir beim Dom zu Viborg in Dänemark und so weiter“, erklärt Gerner. „Die Stationen sind kirchliche, spirituelle Orte.“ Die Gesamtstrecke ist in neun Etappen unterteilt, jede Etappe besteht aus zehn Unterzielen. So kommen in Summe mehr als 90 Stationen zusammen. „Zu jeder Station gibt es Informationen: Videos, Bilder, Texte oder Links“, sagt Gerner. Der Lauf solle auch eine Chance sein, eine Reise durch Europa zu machen, Europa neu zu entdecken und wahrzunehmen. Unter den Stationen sind auch unbekanntere Orte wie der Ort Aglona in Lettland. „Das ist mein persönliches Highlight. Aglona ist ein kleiner Ort mit 1700 Einwohnern und einer wunderschönen Basilika“, sagt Gerner. Hinter der Organisation der Lauf-Aktion steht ein sechsköpfiges Team, das sich aus fünf Ehrenamtlichen aus der Seelsorgeeinheit und Robert Gerner selbst zusammensetzt. Das Team überlegt sich für jede Woche einen geistlichen Impuls, der auf der Webseite und im Ochsenhauser Anzeiger veröffentlicht wird. Neben der spirituellen Seite, dem Beten, und der karitativen Seite, dem Spenden, habe die Aktion auch eine politische Seite, sagt der Gemeindereferent. „Europa bedeutet mir sehr viel. Ich sehe mich nicht nur als Schwaben oder als Deutschen, sondern in erster Linie als Europäer“, betont er. Europa sei eine elementare Gemeinschaft, die unheimlich wichtig sei und angesichts der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen in Zukunft noch wichtiger werde, so Gerner. „Mit dem Lauf möchten wir aufmerksam machen für ein starkes und solidarisches Europa.“ 700 Kilometer müssen die Teilnehmer zurücklegen, um das Ziel in der gesteckten Zeit zu erreichen. „Ich weiß, das ist ambitioniert“, gibt Gerner zu. „Deshalb freuen wir uns über jeden Läufer, egal wo er oder sie wohnt.“ Nach acht Wochen, am 5. September, soll es dann geschafft sein. Endpunkt des Laufs ist Rom. Allerdings wird das Ziel nur virtuell erreicht, tatsächlich wird die Aktion mit einem symbolischen Zieleinlauf und einer Abschlussandacht in Ochsenhausen beendet. Weitere Informationen finden sich unter www.st-benediktochsenhausen.de