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Rottum Bote 15.07.2020

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Rottum Bote OCHSENHAUSEN Mittwoch, 15. Juli 2020 Von Tobias Rehm ● OCHSENHAUSEN - Keine Konzerte, keine Kurse, keine Schulungen: Die Landesakademie für die musizierende Jugend in Ochsenhausen war seit dem 16. März Corona-bedingt geschlossen. Am Freitag machte die Akademie einen ersten Schritt zurück in die Normalität. Drei Tage lang wurde eine Schulung für Jugendliche als Betreuer von Freizeiten und Klassenfahrten angeboten. Am Sonntag fand im Bibliothekssaal zudem wieder ein Konzert statt. Akademiedirektor Prof. Dr. Klaus K. Weigele geht aber davon aus, dass man frühestens in einem halben bis dreiviertel Jahr wieder von einem Normalbetrieb sprechen kann. „Es ist schon eine gewisse Vorfreude da, wenn wir Schritt für Schritt wieder unseren Betrieb aufnehmen können“, sagt Weigele. Schließlich liegen hinter der Landesakademie ungewohnte Monate der Ruhe und Stille. All jene, die die Räume der ehemaligen Benediktinerabtei normalerweise mit Leben füllen, fehlten. Nach fast vier Monaten Pause probten der Kinderchor und der Jugendchor der Landesakademie vor zwei Wochen erstmals wieder, vergangenen Freitag kamen nun die ersten Gäste. 15 Teilnehmer, die sich für die pädagogische Begleitung von Musikfreizeiten und Probetagen weiterbilden. OCHSENHAUSEN (sz) - Die Mitglieder des Sportvereins Ochsenhausen haben sich im Sportheim Ochsenhausen zur jährlichen Hauptversammlung getroffen. Neben Rechenschaftsberichten stand die Wahl eines neuen Vorstandes auf der Tagesordnung. Wie der Verein berichtet, setzt sich der neue Vorstand beim SV Ochsenhausen wie folgt zusammen: Zum ersten Vorsitzenden wurde Uwe Bamberger gewählt, zum zweiten Vorsitzenden Maximilian Ammann. Kassierer wurde Tobias Noeske, Schriftführerin Kathrin Schwarz, Jugendvertreterin Silke Bayer, Frauenvertreterin Anna Freisinger, Beisitzer Alois Bauer sowie die jeweiligen Abteilungsleiter. Die bisherige Vorsitzende Ulrike Rautenstrauch berichtete in ihrem Rechenschaftsbericht von fünf Ausschusssitzun- Landesakademie nimmt Betrieb wieder auf Mit einem Kurs und einem Konzert werden erste Schritte Richtung Normalität gemacht Singen mit Mindestabstand: Der Kinderchor Singsalasing probt seit zwei Wochen wieder in der Landesakademie in Ochsenhausen. FOTO: LANDESAKADEMIE Allein diese Gruppengröße verdeutlicht die besonderen Umstände. Normalerweise ist man an der Akademie Gruppen mit bis zu 70 oder 80 Personen gewohnt, 180 Teilnehmer können gleichzeitig vor Ort sein: „Zur Zeit natürlich undenkbar“, sagt Direktor Weigele. Kurse mit bis zu zehn, 15 oder auch mal 20 Personen seien momentan unter Einhaltung der Vorschriften und Standards möglich. So versuche man sich langsam wieder an eine Art Alltag in der Akademie heranzutasten. Dieser Schritt sei aber nur durch intensive Vorbereitung in den vergangenen Wochen möglich. Denn die Hygieneund Abstandsregeln wirkten sich nicht nur bei den Proben sondern auch auf den Übernachtungs- und den Essensbetrieb aus, erklärt Klaus K. Weigele: „Wir müssen unseren Betrieb komplett umstellen.“ Das erste Konzert nach der Corona-Pause, ein Violinabend, gab es am Sonntag mit Ida Bieler (Violine) und James Maddox (Klavier) im Bibliothekssaal. Die 80 Plätze waren rasch belegt. In Kooperation mit der Kirchengemeinde finden im Laufe des Monats drei weitere Orgelkonzerte in der Basilika statt. An der Akademie gibt es nach der Schulung am vergangenen Wochenende noch zwei weitere Angebote im Juli: einen Meisterkurs Violine, einen Mitglieder wählen neuen Vorsitzenden Bei der Hauptversammlung des Sportvereins Ochsenhausen fanden Wahlen statt Die neuen Vorstandsmitglieder verabschieden die bisherigen (v. li.): Zweiter Vorsitzender und Abteilungsleiter Floorball Maximilian Ammann, Schriftführerin Kathrin Schwarz, die bisherige Erste Vorsitzende Ulrike Rautenstrauch und der neu gewählte Erste Vorsitzende Uwe Bamberger. FOTO: SV OCHSENHAUSEN Meisterkurs Orgelimprovisation. Die im August geplanten Kurse sind großteils abgesagt. Ab September, wenn die „klassische Fortbildungsarbeit“ wieder aufgenommen werden soll, rechnet Weigele mit einer Auslastung der Landesakademie von „30 bis 40 Prozent“. Denn auf alle schulischen Ensembles muss nach Vorgabe des Kultusministeriums auf jeden Fall bis Ende Januar 2021 verzichtet werden. „Deshalb wird es sicher noch ein halbes oder dreiviertel Jahr dauern, bis wir wieder im Normalbetrieb sind“, sagt Klaus K. Weigele. Mit dem Ende der belegungsfreien Zeit an der Akademie wird auch das Corona-Tagebuch in den sozialen Netzwerken geschlossen. Jeden Tag wurde ein Video hochgeladen – Dozenten und Mitarbeiter machten Klosterführungen, stellten Lieder vor, animierten zum Mitsingen und Nachmachen, gaben Einblicke in Dreharbeiten und vieles mehr. Mehr als 100 Folgen waren so seit Mitte März entstanden. Insgesamt 270 Minuten Videomaterial, das 70 000 Klicks verzeichnete. Ohnehin sei das Fachliche nicht zu kurz gekommen, berichtet Klaus K. Weigele: So wurden im Auftrag des Kultusministeriums zwölf zehnminütige Videos für das Singen in Kindergarten, Grundschule und Sekundarstufe produziert. gen, zahlreichen Veranstaltungen, gestiegenen Mitgliederzahlen sowie der aktuellen Lage im Verein und wie die Corona-Pandemie sie beeinflusst, die auch zur Verschiebung der Versammlung geführt hatte. Rautenstrauch bedankte sich bei den ehrenamtlichen Helfern sowie Annette Rehm für ihre Arbeit als Vereinsmanagerin. Danach folgten die Rechenschaftsberichte aus den Abteilungen. In den Zusammenfassungen der Abteilungsleiter für Fußball, Leichtathletik/Turnen, Badminton, Floorball, Volleyball und Klettern wurde von vielzähligen Aktivitäten und Erfolgen berichtet, aber auch von aktuellen Herausforderungen. Der Kassenbericht erfolgte durch Annette Rehm. Die Kassenprüfer bescheinigten ihr eine einwandfreie und geordnete Kassenführung.

Rottum Bote OCHSENHAUSEN Mittwoch, 15. Juli 2020 Diskussionen um Laborerweiterung in Ochsenhausen Von Sybille Glatz ● OCHSENHAUSEN - Die Erweiterung des Biotechnologie-Unternehmens Labor Dr. Merk löst in Ochsenhausen und Umgebung kontroverse Diskussionen aus. Vor allem Anwohner des geplanten Gewerbegebiets „Untere Wiesen III“ kritisieren den Bebauungsplan und die Bauvorhaben der Firma. An mehreren Häusern in der Dr.- Hans-Liebherr-Straße und „Im Meistergarten“ sieht man Plakate und Banner hängen, die den Stopp des Bebauungsplans fordern. Sowohl Befürworter als auch Gegner des Bebauungsplans äußern in den sozialen Medien ihre Meinung. Wie bereits berichtet, geht es um eine 4,5 Hektar große Fläche am nördlichen Stadtrand von Ochsenhausen. Für dieses Gebiet hat der Ochsenhauser Gemeinderat in einer Sitzung Anfang Mai einen eigenen Bebauungsplan aufgestellt: „Untere Wiesen III“. Der Bebauungsplan ist zum überwiegenden Teil auf die Erweiterungspläne des Labors Dr. Merk zugeschnitten. Die Firma ist in der Straße „Beim Braunland“ seit Längerem ansässig und möchte dort ihren Standort erweitern. Sie stellt unter anderem neuartige Krebsmedikamente her. In der Gemeinderatssitzung stimmten bis auf die Gemeinderäte Armin Vieweger und Franz Wohnhaas (beide Pro- Ox) alle Gemeinderäte für den Plan. Gegen den Bebauungsplan gingen auf dem Rathaus Ochsenhausen bis zum Ablauf der Auslegungsfrist 23 Einwendungen von Bürgern ein. „Stoppt diesen Wahnsinn! Auf Facebook melden sich Befürworter und Gegner zu Wort – Anwohner protestieren mit Plakaten Anwohner des geplanten Gewerbegebiets „Untere Wiesen III“ machen mit Plakaten und Bannern ihren Protest deutlich. FOTO: SYBILLE GLATZ Wir Anwohner wehren uns gegen den Bebauungsplan ,Untere Wiesen III’“, ist auf einem Banner zu lesen. Warum die Anwohner gegen den Bebauungsplan sind, steht darunter: Der Bebauungsplan habe den „Verlust von Wohnqualität“ und einen „Werteverlust unserer Immobilien“ zur Folge. Im Planentwurf ist der Abstand zwischen den Wohnhäusern in der Dr.-Hans-Liebherr-Straße und den geplanten neuen Gebäuden des Labors mit 80 Metern eingezeichnet. In seiner schriftlichen Einwendung gegen den Bebauungsplan gibt Franz Wohnhaas die Maße eines der neuen Bauwerke mit 125 Meter Länge, maximal 150 Meter Breite und bis zu 25 Meter Höhe an. Damit würde der Bau höher als alle anderen Gebäude um ihn herum. „Die Anwohner schauen dann auf eine 125 Meter lange Wand“, sagte Vieweger im Gespräch mit der „Schwäbischen Der Vater der Klöster Zeitung“. Der Gemeinderat wohnt selbst nicht weit entfernt vom geplanten Baugebiet in der Straße „Im Meistergarten“. Weitere Argumente, die aus Sicht der Anwohner gegen die Erweiterung sprechen, sind laut den Protestplakaten die „Zerstörung von Umwelt und Klima“ beziehungsweise die „Zerstörung von Umwelt und Natur“. Ein Plakat fordert, die Schöpfung zu bewahren. Auf dem Gelände, um das es geht, befanden sich vor der Aufstellung des Bebauungsplanes Schrebergärten. In einer schriftlichen Stellungnahme hatte sich Rainer Schick als Vertreter des Landesnaturschutzverbandes gegen den Bebauungsplan ausgesprochen und betont, dass es sich um ein ökologisch wertvolles Gebiet handle. Auf Facebook meldeten sich in der Gruppe „Spotted Ochsenhausen“ neben Kritikern auch Befürworter der Erweiterung zu Wort. Diese sehen in der Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen ein wichtiges Argument, das für das neue Gewerbegebiet spricht. Zudem profitiere die Stadt von den Ge- Der 11. Juli ist der Tag des heiligen Benedikt – Sein Orden wirkte auch in Ochsenhausen Der Heilige Benedikt, hier auf einer Wandmalerei im Kloster Ochsenhausen. FOTO: STAATLICHE SCHLÖSSER U. GÄRTEN OCHSENHAUSEN (sz) - Der heilige Benedikt von Nursia ist der Vater aller abendländischen Klöster. Der 11. Juli ist sein Gedenktag. Der Orden, den er im sechsten Jahrhundert ins Leben rief, besteht heute noch: die Benediktiner. Auf ihn geht das berühmte „Ora et labora“, „Bete und arbeite“ zurück, die Grundregel, die für fast alle klösterlichen Gemeinschaften gilt. Noch heute zeugen eindrucksvolle Klöster vom Wirken des Ordens, den er gegründet hat: darunter das Kloster von Ochsenhausen. „Ora et labora”, „bete und arbeite“: Diese Aufforderung kennen heute noch alle und verbinden sie mit dem Leben in einem Kloster. Die knappe Formulierung ist der Kern der „Regulae Benedicti“, der Ordensregel des Benedikt. 529 verfasste Benedikt sein berühmtes Regelwerk, das Vorbild und Maßstab für alle nachfolgenden Klosterregeln im christlichen Abendland wurde. Das Leben in der Gemeinschaft ist streng geregelt, mit einem festen Tagesablauf von Gebet und Arbeit. Nichts soll die Menschen von Gott ablenken. Der Geist der Benediktiner sorgte im Mittelalter für eine werbesteuereinnahmen. Ein Ausweichen auf das Gewerbegebiet Längenmoos, das Gemeinderat Vieweger vorgeschlagen hatte, wird von Befürwortern aufgrund der hohen Anforderungen an die Arzneimittelproduktion als unwahrscheinlich angesehen. Manch einer vermutete gar, dass die Firma eher ganz aus Ochsenhausen abwandern werde, als dass sie einen zweiten Standort im Längenmoos errichtet. Ein Facebook-Nutzer bezweifelte, dass aus Sicht des Umweltschutzes die ehemaligen Schrebergärten ökologisch wertvoll seien. In seinen Augen seien sie eher „vermüllt“. In manchen Kommentaren wurde der Widerstand gegen den Bebauungsplan grundsätzlich kritisiert. Ein Facebook-Nutzer sprach in diesem Zusammenhang von „Wohlstandsverblödung“. Die Gegner des Bebauungsplans äußerten hingegen Verständnis für die Sicht der Anwohner. Dass die Anwohner viel Geld für ihre Bauplätze bezahlt hätten und nicht in einem Gewerbegebiet wohnen möchten, gab eine Facebook-Nutzerin zu bedenken. Ein weiterer Nutzer bedauerte, dass durch die Neubauten Ochsenhausen seinen Charakter als „schöne schwäbische Stadt mit Barockkloster“ verliere. Ein anderer Nutzer sprach sich aufgrund der zu erwartenden Verkehrsbelastung und der Dimensionen der Gebäude dafür aus, dass die Firma für ihre Erweiterung das Gewerbegebiet Längenmoos nutzt. Kritik wurde auch an der Stadtverwaltung geübt, die die Anwohner nicht vorab über das geplante Bauvorhaben informiert hatte. Im Gegensatz zu den sozialen Medien entstand in der jüngsten Gemeinderatssitzung keine erneute Diskussion um die geplante Erweiterung. Ohne dass das Labor Dr. Merk überhaupt im Rat erwähnt wurde, stimmte das Gremium bei einer Enthaltung für mehrere Änderungen des Flächennutzungsplans, darunter die Änderung, die wegen des Bebauungsplans „Untere Wiesen III“ notwendig ist. Ein Video über das neue Gewerbegebiet und den Protest dagegen findet sich auf www.schwaebische.de/ untere-wiesen-ox. Blüte der Klöster. Zahlreiche Adelige vermachten ihnen ihre Besitztümer. In den Klosterbibliotheken wurde kostbares Wissen gesammelt und bewahrt. Klöster waren Orte der Bildung. In Südwestdeutschland brachte die Reformation des 16. Jahrhunderts für viele Klöster das Ende; und am Beginn des 19. Jahrhundert löste die Säkularisierung die noch verbliebenen Konvente auf. Heute sind die berühmten Klöster in Baden-Württemberg, betreut von den Staatlichen Schlössern und Gärten, Anziehungspunkte für viele Menschen. Die Benediktinerklöster in Oberschwaben sind im Ursprung mittelalterlich, aber präsentieren sich heute als prachtvolle barocke Neubauten, wie Wiblingen oder Ochsenhausen. Hier zeigten die Benediktiner im 17. und 18. Jahrhundert ihren Reichtum und den Einfluss, den sie als Territorialherren errungen hatten. Ochsenhausen zeigt, wie fortschrittlich der Orden am Ende des 18. Jahrhunderts sein konnte: Damals wurde eine Sternwarte in einem Eckturm des Klosters eingerichtet, die bis heute zu besichtigen ist.