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Radkriterium-Verkaufsoffener Sonntag Wangen_2019

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Radkriterium-Verkaufsoffener Sonntag Wangen_2019

86. internationales

86. internationales Rad-Kriterium 10 Vorsitzender Christian Rieg: Der Tradition verpflichtet, für Neues offen Zum 86. Mal veranstaltet die Wangener Rad-Union am 15. September ihr Radsport- Highlight und damit auch das älteste Radkriterium in Deutschland. Rad-Union-Vorsitzender Christian Rieg spricht im Interview mit Susi Weber über Historie, Tradition, Neuerungen, den unglaublichen Einsatz seiner Vereinsmitglieder und Gönner, durch den der Eintrittspreis in Höhe von fünf Euro auch in diesem Jahr auf dem Niveau der Vorjahre gehalten werden kann. Herr Rieg, 1929 wurde das erste Wangener Radkriterium abgehalten. 90 Jahre später feiert die Rad-Union ihre 86. Veranstaltung. Glauben Sie, dass die Urväter schon damals gedacht haben, dass sich das Kriterium zu einem solchen Dauerbrenner entwickeln wird? Nein, sicherlich nicht. Das Radkriterium stand schon nach der Premiere 1929 auf der Kippe, da die erste Veranstaltung mit einem Defizit in Höhe von 70 Mark abgeschlossen hatte. Aber der damalige Vorsitzende Josef Würzer setzte sich durch und es gab schon 1931 eine Neuauflage. Mit Ausnahme der Kriegsjahre 1943 bis 1945 wurde es seither immer abgehalten. Ich denke, darauf kann der Verein sicherlich stolz sein. Wodurch weiß man, dass das Wangener Kriterium das älteste in Deutschland ist? Radrennen als solches gab es natürlich schon deutlich früher. Kriterien aber sind sozusagen eine „Schweizer Spezialität“. Auch Wangener Fahrer zog es in den Zeiten vor 1929 über die Grenze zur Teilnahme an Kriterien. Dadurch entstand im Verein die Idee, diese ganz besondere Disziplin und Art des Radsports auch hier zu veranstalten. Am 4. August 1929 war es schließlich soweit. Natürlich haben sich die Räder und die Technik verändert. Es stehen heute auch keine 10000 Zuschauer mehr am Streckenrand. Im Grunde genommen aber hat doch das Radkriterium immer noch sehr viel von seinen Anfängen, oder? Das ist richtig. Wir sind sogar nach 15 Jahren Vakanz und Wanderschaft 1977 wieder auf die Traditionsstrecke zurückgekehrt, auf der das Kriterium immer noch stattfindet. Wir fühlen uns der Tradition verpflichtet, sehen ein Kriterium auch als ein sportliches Ereignis, nicht als großes Spektakel oder als Show. Das heißt aber nicht, dass wir Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen sind. Wir haben in den mehr als hundert Jahren aber auch viel Neues gemacht, ausprobiert, sind auch an anderen Dingen dran. Ein Beispiel ist unsere seit einigen Jahren bestehende Mountainbike-Abteilung. Ein Beispiel ist aber auch unser Vorprogramm zum Hauptrennen des Kriteriums, wie vergangenes Jahr das Sprint- Spektakel Keirin, das es auch 2019 wieder geben wird. Möglich ist eine solche Veranstaltung wie das Kriterium nur durch den Einsatz sehr vieler Helfer… Ja, und nur dadurch können wir das überhaupt stemmen. Mit 460 Mitglie- dern ist die Rad- Union ein eher kleinerer Verein. Rund 60 Leute sind, zwei Wochen nach unserer personalintensivsten Veranstaltung, der Barockstraße, beim Kriterium im Einsatz. Ehrenamtlich und ohne Entlohnung. Viele unserer Helfer sind seit vielen Jahren, ja Jahrzehnten, mit dabei. Das ist, glaube ich, eine Besonderheit der Rad-Union. Wichtig sind aber auch unsere Geldgeber, die rund ein Drittel des Radkriteriums finanzieren. Anders wäre es nicht möglich. Denn mit unseren Veranstaltungen Barockstraße und Radkriterium schaffen wir einen Großteil unseres Etats, aus dem heraus wir auch den Nachwuchs fördern. Letzteres ist unser oberstes Ziel. Denn Nachwuchs ist unsere Zukunft. Der Eintrittspreis Der Eintrittspreis mit Programm beläuft sich auf fünf Euro für Erwachsene. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sind frei. Eintrittsgelder und der Erlös aus dem Verzehr kommen vollständig der Nachwuchsarbeit der Rad- Union zu Gute. Wissenswertes – Das Wangener Radkriterium in seiner heutigen Form umfasst 80 Runden und 92 Kilometer. – Es beinhaltet acht Wertungen, die nach jeweils zehn Runden durchgeführt werden. Die Wertungsrunden werden jeweils mit einem Glockenschlag eingeläutet. – Für die drei Erstplatzierten gibt es dabei in den ersten sieben Wertungen fünf, drei und zwei Punkte. Der Viertplatzierte erhält einen Punkt. – Bei der achten und letzten Wertung in der Schlussrunde wird doppelt gepunktet, also: zehn, sechs, vier und zwei Punkte. – Der Punktehöchste ist Sieger des Wangener Radkriteriums – mit Ausnahme der Sonderregelung, dass eine Überrundung mehr zählt als der Punktestand. – Zwischen den Wertungsrunden werden Prämienrunden ausgerufen, bei denen die Fahrer Sach- oder Geldpreise gewinnen können. Sie werden mit einer Sirene angekündigt. Rad-Union-Vorsitzender Christian Rieg spricht im Interview über Historie, Tradition und Neuerungen des Wangener Radkriteriums. FOTO: NIC

11 Verkaufsoffener Sonntag, 15.09.2019 Wangen Ohne den Einsatz Vieler wären Veranstaltungen wie das Rennen nicht denkbar Beim Wangener Radkriterium hat jeder Helfer seinen Platz und seine Aufgabe. Stellvertretend für viele andere seien Irene Schmid, aber auch Meckatzer Löwenbräu als Gönner genannt. Beide nennt Rad-Union-Vorsitzender Christian Rieg „unverzichtbar“. Beide haben ihre ganz besondere Beziehung zur Wangener Rad-Union. Auch Vorjahressieger Jonas Schmeiser wurde bei Irene Schmid (Mitte) und Renate Wagner vorstellig: Vorm Rennen heißt es erst einmal, die Lizenz abzugeben und eine Startnummer zu holen. WANGEN – 1977 hat Irene Schmid ihren – damals selbst noch radsportaktiven – Beppo kennengelernt. Ein Jahr später läuteten die Hochzeitsglocken. „Mit ihm habe ich die Rad-Union gleich mitgeheiratet“, erzählt Irene Schmid: „Er hat mich gleich in den Verein mit reingezogen.“ Seit mehr als 40 Jahren ist Irene Schmid Mitglied des Vereins. Seit mehr als 40 Jahren hat die Mutter zweier Kinder auch diverse Aufgaben. Von Else Beck, der Frau des einstigen Vorsitzenden Peter Beck, hat Irene Schmid ihre auch heute noch währende Tätigkeit beim Radkriterium „geerbt“: „Als meine Kinder noch klein waren, habe ich ihr bei der Startnummernausgabe und den Ergebnislisten geholfen. Ende der 80er-Jahre hieß es dann: Du machst das jetzt.“ Seither, erläutert Irene Schmid, habe sich durch und mit der Digitalisierung vieles vereinfacht: „Früher habe ich die Ergebnislisten noch mit der Schreibmaschine geschrieben. Wenn da was falsch war, konnte man alles nochmals abtippen.“ Seit Mitte der 90er-Jahre lässt sich dies dank Computerprogrammen vermeiden. Heute nimmt Schmid „nur noch“ die Lizenzen entgegen, gibt die Startnummern aus: „Das Kampfgericht gibt die Ergebnisse ein, die Listen schreiben sich praktisch von selbst.“ Trotzdem hat Schmid auch nach dem Rennen noch zu tun, bringt die Resultate ins Rathaus, wo die Fahrer nicht nur verköstigt werden, sondern auch ihr Geld abholen. Auch außerhalb des Kriteriums ist Irene Schmid mit Arbeit gut eingedeckt – sei es beim Vierländer-Schülercup in Niederwangen, bei den Stadtmeisterschaften, bei der Barockstraße oder beim Helferfest, wo Ehemann Beppo Unterstützung beim Grillen benötigt oder auch der eine oder andere Kuchen gebacken werden muss. Darüber hinaus ist die 64-Jährige im Bereich Touristik auch immer noch sehr rege: Rund 3000 bis 4000 Kilometer bringt sie regelmäßig auf den Tacho. Was ihr an und bei der Rad- Union so gefällt? „Wir sind eine supergroße Familie, in der alle zusammenhalten. Das ist einfach toll.“ Toll findet auch Axel Göhr, Vertriebsleiter von Meckatzer Löwenbräu das, was die Rad-Union Wangen auf die Beine stellt. „Wir sind seit 26 Jahren Sponsor der Rad-Union und unterstützen sehr gerne einen Verein, der sich mit so viel persönlichem Engagement der Beteiligten gegen die finanziell weitaus besser gestellten Vereine behaupten muss“, sagt Göhr. Obwohl Meckatzer im Bereich des Sport-Sponsorings laut Göhr eher zurückhaltend ist, passe die Rad-Union sehr gut zu der Brauerei in der bayrischen Nachbarschaft. Die Unterstützung beschränkt sich nicht „nur“ auf Geld, sondern wird auch in Sachleistungen wie Preise oder Pokale sichtbar. Beim Radkriterium werden Wägen zur Absperrung und Mitarbeiter gestellt, die bei Bedarf auch jederzeit nachordern, sollten Getränke oder Bänke fehlen. Auch über das Jahr hinweg unterstützt Meckatzer unter anderem das neue Rad-Union-Vereinsheim, lädt beispielsweise die Bundesliga- Fahrer ein. „Wir sind im regelmäßigen Austausch mit Christian Rieg und Rad-Union Geschäftsführer Fritz Frehner“, erzählt Axel Göhr, der auch seit sieben Jahren in Wangen lebt: „Als Neu-Wangemer liegt mir der Verein sehr am Herzen. Ab und zu treffe ich mich mit den Verantwortlichen auch ganz privat auf ein Bierchen.“ Göhr verschweigt nicht, dass ihm imponiert, was die Rad-Union alles leistet: „Es ist eine großartige Leistung des Vereins, eine Veranstaltung wie das Rad- Kriterium, aber auch die Oberschwäbische Barockstraße oder anderes, jährlich auf die Beine zu stellen.“ Das Kompliment gibt Christian Rieg gerne zurück: „Ohne Geldgeber wie Meckatzer hätten wir keine Planungssicherheit, die für uns elementar bedeutend ist. Besonders wichtig und schön für uns ist auch die lange Zeit der Zusammenarbeit und die Nachhaltigkeit.“ (swe) Für die Meckatzer-Mitarbeiter Peter (links) und Hartmut Pietraß (rechts) ist das Wangener Radkriterium weit mehr als Arbeitsplatz: Beide sind große Radsport-Fans und seit Jahren mit dabei. Sie kümmern sich auch um Deko und genießen den Tag nahe an der Rennstrecke. FOTOS: SUSI WEBER