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Mein Oberkochen 29.4.2021

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Kaschkes Terminkalender

Kaschkes Terminkalender lässt jetzt auch eigene Aktivitäten zu 16 Der Terminkalender ist nicht mehr ganz so eng getaktet wie früher und vor allem nicht mehr so fremdbestimmt, sondern lässt Raum für viele eigene Aktivitäten: Der frühere Zeiss-Vorstandsvorsitzende Michael Kaschke ist seit zwei Jahren im (Un-) Ruhestand und damit nicht mehr verantwortlich für Wohl und Wehe eines weltweit agierenden Konzerns und seiner weit über 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jetzt kann er sich zusätzlich vielen Feldern widmen, für die in seiner aktiven Zeit oft zu wenig Zeit blieb, vor allem im Bereich Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung. Hier sieht er einen tiefen inneren Zusammenhang, keines geht ohne die anderen. Eine ehrenvolle Berufung an die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, hat ihn erreicht und er ist seit 2019 Vorsitzender des Aufsichtsrats des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), wo er auch seit 2009 als Professur Vorlesungen zur Medizintechnik hält. Darüber hinaus schreibt Kaschke an zwei Büchern. Eine Menge Projekte also nach wie vor. „Das bringe ich gut zusammen“, erzählt er, „ich halte mir aber auch bestimmte Zeiten frei, in denen ich dann allenfalls per Mobiltelefon erreichbar bin.“ Denn auch gemeinsame Abenteuerreisen mit der Ehefrau und die Familie sollen zu ihrem Recht kommen, zumal Kaschkes erst kürzlich zum dritten Mal Großeltern geworden sind. In Oberkochen sind sie Anfang der 90er- Jahre sesshaft geworden, als der damals junge Wissenschaftler als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Entwicklungsleiter Operationsmikroskope zur Firma Zeiss gekommen ist. Oberkochen ist nach wie vor der Ort, wo er sich wohlfühlt und von dem aus er seine vielen Aktivitäten startet. An der Wiege gesungen war es ihm aber nicht, dass er einmal den größten Teil seines Lebens in Schwaben verbringen würde. In Greiz, woher seine Mutter stammt, hat Kaschke das Licht der Welt erblickt. Aber landschaftlich eindeutig zu verorten ist er nicht. Sein Vater war Sudetendeutscher, aufgewachsen ist der junge Kaschke im sächsischen Dresden, Physik studiert und promoviert hat er in Jena – aber dort nie für Zeiss gearbeitet. Dann wechselte er als junger Wissenschaftler an das Max-Born-

die direkte Verantwortung für die Medizintechnik, die Augenoptik und die Forschung, 2002 auch für Finanzen. In der Zeit der Finanzkrise war er für zwei Jahre zusätzlich Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Carl Zeiss Meditec AG in Jena, die er 2002 selbst an die Börse geführt hatte. 2011 folgte er dann Dr. Dieter Kurz als Vorstandschef der gesamten Zeiss-Gruppe. Professor Dr. Michael Kaschke: Nach seiner Zeit im Vorstand und als Vorstandschef bei Zeiss hat er immer noch einen gut gefüllten Terminkalender. Institut in Berlin. Nach der Wende stand ihm die Welt offen und er ging mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern der 90er-Jahre geriet das Unternehmen bekanntlich in eine schwere existenzielle Krise. für zwei Jahre an das international bekannte und renommierte Forschungsinstitut der Firma IBM nach New York, wo sich damals auch einige Nobelpreisträger die Türklinke in die Hand gaben. Dass er sich an der Universität auch mit Anglistik und Amerikanistik beschäftigt hatte und die englische Sprache beherrschte, kam Kaschke dabei sehr zugute. Kaschke erzählt: „Da hatte ich sowohl in der DDR als auch bei IBM eine gute Schule hinter mir. Bei Schwierigkeiten zu improvisieren und kreativ zu denken, hatte ich gelernt und so habe ich damals bei Zeiss auch öffentliche Mittel für Forschung an Land gezogen und z.B. Gastwissenschaftler mit eigenen Mitteln den USA geholt.“ Wie lange er bei Zeiss bleiben wollte, darauf Doch die USA sollten nur ein Gastspiel sein, denn die Familie wollte zurück nach Deutschland, nicht zuletzt deswegen, weil die Kinder dort eingeschult werden sollten. Als Wissenschaftler hatte sich Kaschke nicht festgelegt. „Ich wollte immer die Verbindungen zu den Wissenschaften halten.“ In Oberkochen zum Chef der Forschung zu werden, hielt er durchaus für hatte Kaschke einiges möglich, aber Vorstand vorzuweisen, jetzt wollte oder gar Vorstandschef er zu einem Unternehmen, das einerseits die Forschung und Entwicklung groß schrieb, darauf fußend aber auch innovative Produkte schuf. So kam er, auch auf Empfehlung eines seiner Professoren, zur Firma Zeiss. Das Unternehmen war damals nicht das Ziel. Es ging aber Stufe um Stufe voran: Geschäftsbereichsleiter Geodäsie, Geschäftsbereichsleiter Chirurgische Geräte und dann Unternehmensbereichsleiter Medizintechnik. unterstützte seine Führungskräfte bei der Wohnungssuche und so kam es auf Grund eines passenden Angebots, dass die Familie nach Oberkochen zog. 1995 trat mit Dr. Peter Grassmann ein Mann an die Spitze des schwächelnden Optik- und Elektronikkonzerns, der neuen Wind in das Unternehmen brachte Was Kaschke damals in den fernen USA nicht einschätzen konnte, war, wie es wirtschaftlich um Zeiss bestellt war. Mitte und den Turnaround schaffte. Als Grassmann 2000 ausschied, rückte Kaschke in den Vorstand auf. Dort übernahm er Modern, global und dynamisch habe er das Unternehmen aufstellen wollen, und das sei ihm auch im Großen und Ganzen einigermaßen gelungen, sagt Kaschke im Rückblick in aller Bescheidenheit. Vier Meilensteine nennt er: Zeiss habe bei der EUV-Halbleitertechnik allen Schwierigkeiten zum Trotz durchgehalten, es sei gelungen, die Carl Zeiss Meditec zu einem führenden Medizintechnik-Unternehmen in Deutschland zu machen, das im M-Dax notiert ist, und Carl Zeiss Vision zu einem starken internationalen Marken-Anbieter zu formen. Seine Dynamik beziehe Zeiss zu einem großen Teil auch aus dem starken Wachstum auf dem asiatischen Markt, den Kaschke mit hohem persönlichem Engagement entwickelte. Über 40 Prozent des Umsatzes der Medizintechnik beispielsweise werden in China erwirtschaftet. Russland dagegen spielt bei Zeiss dagegen eine eher untergeordnete Rolle, unter anderem auch, weil viele Produkte seit langen unter Export-Beschränkungen fielen. Für Kaschke ist das Kapitel Zeiss als Manager definitiv abgeschlossen. Was auch immer der neue Vorstand entscheidet und wie auch immer das Unternehmen sich entwickelt, von ihm komme dazu kein Sterbenswörtchen, versichert er. Wenngleich er natürlich als Privatier und Wissenschaftler vor allem die Medizintechnik und die Technologie mit großem Interesse beobachtet. Sein eigentliches Augenmerk aber gilt nun anderen Aufgaben. Um sich ihnen widmen zu können, habe er seine Vorstandstätigkeit 2020 nach 28 Jahren bei Zeiss im Alter von 63 Jahren beendet. „Ich wollte wieder stärker zurück in Richtung Wissenschaft und das nicht zu spät, sondern zu einem Zeitpunkt, an dem ich noch einen frischen 17