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Biberach kommunal 26.10.2022

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Biberach kommunal

BIBERACH KOMMUNAL Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Biberach | Mit den Teilorten Mettenberg, Ringschnait, Rißegg und Stafflangen Ehrenbürgerwürde der Stadt Biberach für Fräulein Sieglinde Vollmer Fräulein Sieglinde Vollmer hat am Montagabend die höchste Auszeichnung der Stadt Biberach verliehen bekommen: die Ehrenbürgerwürde. Der Gemeinderat ehrt damit nach 100 Jahren zum ersten Mal wieder eine herausragende Frau für ihre großartige Lebensleistung. „Sie ehren eine beeindruckende Persönlichkeit und Unternehmerin mit einer tiefen, tatkräftig bezeugten Liebe zu ihrem Unternehmen, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch zu ihrer Heimatstadt Biberach“, sagte Festredner Peter Schneider, der Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, beim Festakt im Technologiezentrum der Firma Vollmer. Nr. 38 | 26. Oktober 2022 „Sie sind bis heute die Galionsfigur Ihrer Firma“ 97 und noch voller Tatendrang: Sieglinde Vollmer hat am Montagabend von Oberbürgermeister Norbert Zeidler (rechts) die Ur-r kunde der Ehrenbürgerwürde überreicht bekommen. Laudator beim Festakt war Peter Schneider. Foto: BIKO Oberbürgermeister Norbert Zeidler, der nach einer längeren krankheitsbedingten Abstinenz erstmals wieder dabei war, sagte in seiner Begrüßung, es sei ihm ein großes Anliegen gewesen, gerade für diesen Abend wieder fit zu sein, weil „die Frau, die uns den Anlass für diesen Abend bietet, mir unheimlich am Herzen liegt!“ Sieglinde Vollmer sei eine der großen Persönlichkeiten in der jüngeren Geschichte Biberachs. Und das in dreifacher Hinsicht: Da sei zum einen die Unternehmerin Sieglinde Vollmer. Sie habe begonnen, sich in ihrem Familien- Unternehmen zu engagieren, als Frauen in einer von Männern dominierten Wirtschaftswelt noch mit vielen Hürden und Vorurteilen zu kämpfen gehabt hätten. Und sie habe durch ihr Lebenswerk eindrucksvoll bewiesen: Klasse, Leistungswillen und Kompetenz setzten sich durch, und zwar ganz ohne Quoten. Für Sieglinde Vollmer sei klar gewesen, dass unternehmerische Verantwortung für Menschen nicht mit Beginn einer kleineren oder größeren Krise ende. Im Gegenteil: Gerade in solche Phasen müsse sie sich besonders bewähren. „Und Ihre Belegschaft hat das selbstverständlich gemerkt: Dass die Chefin ihre Leute kennt, man sich ihr anvertrauen darf und sie dann für den einen oder die andere sorgt! Sie sind, Sie verkörpern das Familienunternehmen Vollmer!“, so der OB. „Biberacher Fräulein-Wunder“ Die zweite Dimension sei die Mäzenin und Stifterin Sieglinde Vollmer, die mustergültig dafür stehe, dass wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können. Die Stadt komme regelmäßig in den Genuss ihrer großzügigen Unterstützung. Und drittens sei da der Mensch Sieglinde Vollmer. „Ich sag’s Ihnen jetzt einfach mal geraderaus“, so der OB: „Liebes Fräulein Vollmer – Sie sind eine großartige Frau, wir alle schätzen Ihren Humor, Ihren Charme und Ihre Liebenswürdigkeit, wir alle ziehen nicht nur heute den Hut vor Ihnen. – Sie sind unser Biberacher ,Fräulein-Wunder‘. Sieglinde Vollmer sei die Frau dieser Stadt und des Landkreises, die wie keine andere Frau zuvor allein unternehmerische Verantwortung übernommen habe: über einen so langen Zeitraum, mit so viel Erfolg und mit einer großen, am Gemeinwohl orientierten Zukunftsentscheidung für die Firma Vollmer, sagte der Festredner Peter Schneider. Der Werdegang zu dieser unternehmerischen Leistung sei alles andere als vorbestimmt gewesen. Als Kind habe Sieglinde Vollmer wenig von der Firma ihres Vaters Heinrich gewusst. Nach Abschluss der Mädchenrealschule in Biberach habe sie auf Wunsch des Vaters Hauswirtschaft gelernt und sei 1942 auf die Handelsschule nach Ulm gegangen. Im Oktober 1942 sei sie dann für ein Jahr in den Arbeitsdienst und nachfolgend Kriegshilfsdienst nach Slowenien verschickt worden. Nach dem Krieg, Mitte der fünfziger Jahre, habe sie die Dolmetscherschule in München im Hauptfach Spanisch absolviert. 1962 sei sie nach dem Tod ihres Vaters schließlich als Exportkauffrau in das Unternehmen Vollmer-Werke eingestiegen. 1964 habe sie neben ihrem Bruder Udo Vollmer die Geschäftsführung übernommen. „22 Jahre führten die Geschwister die Firma“, sagte Peter Schneider. „Es war eine Zeit großen Wachstums. Die Vollmer-Werke wandelten sich zu einem hochtechnisierten und hochproduktiven Industriebetrieb. Neu gewonnene Auslandsmärkte und eine Reihe weltweiter Niederlassungen ließen den Exportanteil auf über 60 Prozent steigen.“ 1987 sei dann ihr Bruder aus dem Unternehmen ausgeschieden und nun habe Sieglinde Vollmer als alleinige Geschäftsführerin die Verantwortung übernommen: „In einem Alter, in dem andere in den Ruhestand gehen, ermöglichte sie als Mehrheitsgesellschafterin und Geschäftsführerin den Fortbestand des Familienunternehmens.“ Sie habe die Lücke geschlossen, die ihr Bruder hinterließ, und sei in die zentrale Rolle der Eigentümerin hineingewachsen. „Sieglinde Vollmer ist bis heute die Galionsfigur der Firma Vollmer“, so Peter Schneider. Sieglinde-Vollmer-Stiftung Sie habe in diesen mehr als drei Jahrzehnten in der Männerwelt des Maschinenbaus bestanden, obwohl sie weder Technikerin, Erfinderin noch Betriebswirtin ist. Sie zeige beeindruckend: „Es kommt auf etwas anderes Entscheidendes für eine solche Erfolgsgeschichte an“, betonte Schneider. Da sei die Prägung durch das Elternhaus, die Werte und der Familiensinn und ihre große Lebenserfahrung. Da sei aber auch immer der Blick über den heimatlichen Horizont hinaus in die Welt. Und immer sei da ein Ringen um den richtigen Weg zum Erhalt des Unternehmens und um wirtschaftlichen Erfolg. „Diese Schule des Lebens prägt mehr als jeder Hochschulabschluss.“ Fortsetzung auf Seite 2