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Biberach kommunal 23.03.2022

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Biberach kommunal

BIBERACH KOMMUNAL Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Biberach | Mit den Teilorten Mettenberg, Ringschnait, Rißegg und Stafflangen Wie soll die Innenstadt der Zukunft aussehen? Was braucht die Biberacher Innenstadt, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Welche Rolle spielt der öffentliche Raum für Einwohner, Besucher und Gäste? Solch zentrale Fragen sollen in einer breit angelegten öffentlichen Diskussion beantwortet werden. „Platz für alle“ heißt dieser von der Stadtverwaltung angestoßene Prozess, der acht Wochen lang dauert und dessen Ergebnisse dem Gemeinderat als Grundlage dienen für weitere Entscheidungen der Innenstadtplanung. Rund 70 Personen waren jüngst in die Gigelberghalle zur Auftaktveranstaltung gekommen, die eines deutlich machte: Die Erwartungen an die Innenstadt sind vielfältig und teilweise konträr. Aber genau deshalb hat sich die Verwaltung für dieses basisdemokratische Vorgehen entschieden. Den Prozess begleitet die Freiburger Agentur suedlicht, die die Ist-Situation in Innenstädten analysiert, zentrale Fragestellungen erarbeitet und daraus eine Strategie entwickelt. In seinem Impulsvortrag erklärte Baubürgermeister Christian Kuhlmann, es gehe darum, ein Profil für die Innenstadt zu entwickeln. Mit der Corona- Pandemie sei vorschnell der Tod der Innenstädte ausgerufen worden, Corona sei allerdings ein Trendbeschleuniger zu einem ohnehin stattfindenden Strukturwandel, der da heiße: Es lebe die Erlebnisstadt! Die Anforderungen an eine Innenstadt hätten sich geändert, sagte Kuhlmann. Zwar sei der Einzelhandel nach wie vor die zentrale Säule, insgesamt aber seien andere Faktoren fast ebenso wichtig: das historische Erbe der Stadt, Neubauten von hoher Qualität, der Wochenmarkt, Dienstleistungen, Wohnen, Kulturangebote, die Gastronomie, und hier im Besonderen Außengastronomie. Die Innenstadt werde heute zunehmend als Aufenthaltsort gesehen, als Spielort. Wenn 36 Prozent der öffentlichen Flächen der Innenstadt Fahrbahnen und Parkflächen seien und nur zwei Prozent Grün- und Spielflächen, dann stimme etwas nicht, so Kuhlmann. Deshalb müsse man den öffentlichen Raum attraktiver gestalten und das Herz dieses Raumes sei der Marktplatz, dessen Nutzungen sich im Lauf der Zeit verändert hätten. Im Fokus der Diskussion stehe zum Beispiel der westliche Marktplatz und die damit verbundene Frage: Soll er autofrei gestaltet werden oder nicht. Die Innenstadt müsse optimal erreichbar sein, aber für jeden – für Auto-, Bus- und Radfahrer genauso wie für Fußgänger. „Da muss mehr passieren“, sagte Kuhlmann – auch im Sinne der Klimaanpassung: Die Innenstadt brauche mehr Wasser und mehr Grün. Nr. 11 | 23. März 2022 Auftaktveranstaltung zu einer breit angelegten Diskussion über „Platz für alle“ Mehr Wasser, mehr Grün – mehr Erlebnis Historisch wertvolle Bausubstanz, Einzelhandel, Markt: zentrale Säulen einer lebendigen, lebenswerten Innenstadt. Foto: BIKO Neues, Kreatives wagen Um die vielfältigen Ansprüche und Erwartungen an eine funktionierende, lebendige Innenstadt vor Augen zu führen, äußerten sich acht Frauen und Männer aus sehr verschiedenen Blickwinkeln. Für das Familienbündnis wünschte sich Lucia Authaler, Neues, Kreatives zu wagen, etwa Patenschaften für grüne Inseln in der Stadt oder für eine kurze Zeit Rollrasen auszulegen. In der Innenstadt gehe es vor allem um die Aspekte Zeithaben, Wohlfühlen und Genießen – auch für Kinder. Für Anika Butz, die am Marktplatz wohnt, ist der Platz Lebensraum, Vorgarten, Ort für Begegnungen und Ort, an dem die Kinder spielen. Sie wünscht sich mehr grüne Akzente statt Parkplätze. „Sind die 20 Parkplätze auf dem Marktplatz wirklich notwendig“, fragte sie. Ihre Antwort: Die Verkehrsberuhigung am oberen Marktplatz sei der größte Hebel für Ruhe und Entspannung. Das sieht der Einzelhändler Gustav Eisinger anders: Gerade die 20 Parkplätze am westlichen Marktplatz seien zwingend nötig, um den kurzfristigen Bedarf gut zu bedienen bei den Bäckern, Metzgern, Apothekern etwa. Diese Grundfrequenz zu erhalten, sei die zentrale Aufgabe der Zukunft. „Es darf auch mehr Grün sein“, sagte Eisinger, Bäume, Sitzmöglichkeiten. „Aber eine schöne Gestaltung allein reicht nicht aus.“ Peter Grunwald, der eine Café-Rösterei in der Stadt betreibt, sagte, die Zukunft der Stadt müsse grün und nachhaltig sein, die Plätze sichtbar und einladend. In diesem Zusammenhang würde er begrüßen, wenn man die Öffnungszeiten der Gastronomie im Außenbereich vor allem an Wochenenden verlängerte. Außerdem dürfe man nicht nur den Marktplatz in den Blick nehmen, man müsse auch die Randlagen berücksichtigen. EBM Ralf Miller als Vertreter der Stadtverwaltung sagte, Biberach sei ein Mittelzentrum, das Infrastruktur auch für das Umland vorhalte: mehr an Handel, Ärzten, Dienstleistungen, Schulen. Diese Angebote der Stadt würden von außen gut angenommen. Die Angebotsvielfalt sei aber auch ein Mehrwert für die Bürger und Bürgerinnen der Stadt. Was die Mobilitätswende betrifft, gehe die Stadt voran, man dürfe das Auto im ländlichen Raum aber nicht verteufeln. Jan Riebe, der für die Jugend sprach, sagte, in Biberach hätten die jungen Leute keinen Platz in der Stadt. Fortsetzung auf Seite 2