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Biberach kommunal 16.03.2022

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Biberach kommunal

BIBERACH KOMMUNAL Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Biberach | Mit den Teilorten Mettenberg, Ringschnait, Rißegg und Stafflangen Die Corona-Pandemie hat die Innenstädte schwer in Mitleidenschaft gezogen. Findet das Leben nach Corona nur noch in der Onlinewelt statt? Ganz sicher nicht! Der Mensch will mehr als digitalen Konsum und dieses „Mehr“ soll die Biberacher Innenstadt auch zukünftig bieten können. Deshalb hat die Stadt unter Federführung des Amtes für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung das Büro „Stadt + Handel“ beauftragt, ein neues Innenstadtkonzept zu erstellen. Ein Impulsvortrag des Büros aus Dortmund vor Vertretern von Stadt und Gemeinderat, Einzelhandel und Gastronomen von IHK, Vereinen und interessierten Bürgerinnen und Bürgern in der Gigelberghalle zeigte Trends auf, was sich im Einkaufs- und Aufenthaltsverhalten der Besucher verändert hat und gab Beispiele für neue Angebotsformen. Man wolle „Appetit machen auf eine Innenstadt der Zukunft“ und dabei möglichst viele Leute in einen offenen Prozess einbinden, Wünsche und Bedürfnisse der Bürgerschaft sammeln, sagte Erster Bürgermeister Ralf Miller in seiner kurzen Einführung. „Eine lebendige Innenstadt ist kein Selbstläufer“, so Miller, das habe die Corona-Pandemie eindrücklich vor Augen geführt. Begleitend zur Studie werden auch verschiedene Testfamilien die Innenstadt auf Herz und Nieren prüfen und über ihre Erfahrungen und Eindrücke berichten. Parallel wird eine Online befragung durchgeführt. Bereits Anfang April geht es mit einem Innenstadtspaziergang weiter, bei dem verschiedene Innenstadtakteure ihr Wissen vor Ort einbringen können. Des Weiteren ist ein Workshop geplant, an dem sich unterschiedliche Teilnehmer aktiv beteiligen können. Auf eine Frage aus dem Auditorium, ob dieser Kreis der am Workshop Beteiligen bereits geschlossen sei, hieß es nein, wer sich beteiligen möchte, solle sich an die Stadt wenden. Wer von dem Impulsvortrag bereits konkrete Vorschläge für die Stadt Biberach erwartet hatte, wurde enttäuscht. Das sei gar nicht das Wesen eines Impulsvortrages, betonte Jens Nußbaum vom Büro „Stadt + Handel“. Hier gehe es darum, Grundsätzliches darzustellen vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen und absehbarer Herausforderungen. Man habe bisher den Status Quo der Stadt erhoben und werde daraus Empfehlungen ableiten, sagte sein Kollege Fabian Schubert. Man wolle die „DNA der Stadt“ herausfinden, indem man kleinteilig einzelne Quartiere untersuche und dabei Stärken und Schwächen herausarbeite. Gespräche mit Handel und Bürgern seien hier zwingend und die Diskussionsergebnisse würden in die Studie einfließen. Deshalb gebe es eine „Task Force“, die das im Detail leisten soll. Jens Nußbaum ging anhand von Beispielen aus ganz Deutschland auf aktuelle Trends ein. Wertewandel, demografischer Wandel, stärkere Individualisierung, Onlineaffinität und Sharing-Angebote bestimmten immer stärker das Verhalten der Bürgerschaft. „Besitzen ist nicht mehr so wichtig! Das Nutzen ist wichtiger“, sagte er. Dieser Wandel führe zu einem Wandel im Einkaufsverhalten. Stichwort: Erlebniseinkauf. Die Häufigkeit des Besuches nehme ab, dafür wolle man sich länger in der Stadt aufhalten; hier sei zum Beispiel eine attraktive Außengastronomie wesentlich. Es gehe um eine Inszenierung des öffentlichen Raumes, um Stadtraumqualitäten. Hier sehe er für Biberach noch Nachholbedarf. Auch neue Angebotsformen seien wichtig, spezialisierte Sortimente – nicht mehr das klassische Warenhaus, das alles, aber nichts Spezielles vorhalte. „Die Frage nach den Zielgruppen ist heute entscheidend“, so Nußbaum. Eine Buchhandlung müsse heute mehr bieten als nur Buchverkäufe, Restaurants müssten sich einen Mehrwert überlegen für ihre Gäste. „Die Leute suchen das Besondere“, die Innenstadt müsse ein Nr. 10 | 16. März 2022 Auftaktveranstaltung für ein neues Innenstadtkonzept Appetit machen auf eine lebendige Innenstadt „Eine lebendige Innenstadt ist kein Selbstläufer“, sagte Erster Bürgermeister Ralf Miller bei der Auftaktveranstaltung für ein neues Innenstadtkonzept, das habe die Corona-Pandemie eindrücklich vor Augen geführt. Foto: BIKO Ort der Überraschung sein, es brauche ungewöhnliche Konzepte, zumindest zeitweise, saisonal. Nußbaum nannte die Schlagworte Regionalität, Diversität, Multifunktionalität und eine gute Erreichbarkeit. Letztere mache sich allerdings nicht nur an der Zahl der Parkplätze fest; ein klar sichtbares, leicht verständliches Leitsystem sei hier wichtiger. Eine lebendige Innenstadt sei mehr als Einzelhandel, betonte Nußbaum. Es sei eine Verflechtung von Handel, Arbeit, Wohnen, Alltag, Erlebnis und Identität. Auf die Frage, ob die momentan weiterhin unklare Corona-Lage und der Ukrainekrieg das Ergebnis der Studie verfälschen könnten, verneinte Schubert. Wenn überhaupt, dann in Nuancen. Die Ergebnisse der Studie seien grundsätzlicher Natur. „Sie müssen sich jetzt Gedanken über die Zukunft machen und die Chance nutzen“, sagte der Marketingexperte. Biberach sei vergleichsweise noch recht gut aufgestellt. Aber es gelte: Der Anpassungsfähigste überlebt.