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Rottum Bote 28.10.2020

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Rottum Bote

Jeden Mittwoch in 14.000 Haushalten Mittwoch, 28. Oktober 2020 ANZEIGE Das lesen Sie heute ● Ministranten sammeln 3864 kg Äpfel OCHSENHAUSEN/ERLENMOOS (sz) - Die Ministranten aus Ochsenhausen haben kürzlich in ihren Gruppenstunden Äpfel aus dem Gemeindehausgarten und weiteren privaten Gärten gesammelt. Die spontane Idee entstand in einer Leiterrunde, so Sophia Ziesel, eine der drei Oberministranten, und dann waren die Gruppenleiter und die Kinder nicht mehr zu bremsen. Seite 3 Kein kostenloses Amtsblatt für alle OCHSENHAUSEN - Das Mitteilungsblatt der Stadt Ochsenhausen, der „Ochsenhauser Anzeiger“, ist auch künftig im Abonnement erhältlich und wird nicht kostenlos an alle Haushalte verteilt. Mit dieser Entscheidung lehnte der Gemeinderat diese Woche einen Antrag der Pro-Ox-Fraktion ab. Inwiefern sich die Fraktionen in Zukunft im Amtsblatt äußern können, wurde noch nicht entschieden. Seite 4 22 Helfer bei Biotoppflege ERLENMOOS (sz) - Im Butzenholz haben sich am vergangenen Wochenende nicht nur Mitglieder des Gartenbauvereins Erlenmoos, sondern viele Naturliebhaber aus nah und fern getroffen, um die halbjährliche Biotoppflege durchzuführen. Diese fand, auch wegen der Hygienemaßnahmen, in einem besonderen Rahmen statt. Seite 6 Liebe Leserinnen, liebe Leser, gerne drucken wir Ihre eingereichten Beiträge ab. Beachten Sie bitte, dass der Redaktionsschluss für redaktionelle Beiträge immer freitags um 18 Uhr ist, da der Rottum Bote am Montag in den Druck geht. Später eingehende Beiträge können für die aktuelle Ausgabe leider nicht mehr berücksichtigt werden. Die Wochenzeitung der Schwäbischen Zeitung für Ochsenhausen, Illertal und Umgebung Ochsenhauser Madonna kehrt zurück 500 Jahre alte Figur wurde konserviert und repariert – Welche neuen Erkenntnisse es gibt Von Tobias Rehm ● OCHSENHAUSEN - Sie entstand um das Jahr 1500 herum in der Kunstwerkstatt von Niklaus Weckmann in Ulm und gehört zu den ältesten Skulpturen in der Ochsenhauser Basilika St. Georg: die spätgotische Madonna. Fast eineinhalb Jahre lang war sie beim Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen, wurde konserviert, repariert und wissenschaftlich untersucht. Vergangenen Freitag kehrte die Madonna in die Basilika zurück. Am Sonntag wurde das Marienbild neu eingesegnet. Knapp eineinhalb Jahre lang stand in der Basilika St. Georg ein Platzhalter mit einer Fotografie der Madonna am rechten Chorbogenpfeiler. Am Freitag nahm nun das Original wieder seinen Platz ein. Jochen Ansel vom Landesamt für Denkmalpflege und Anna Egeler, Studentin am Institut für Konservierungswissenschaften an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, waren aus Esslingen angereist, um die Madonna zurückzubringen. Dick eingepackt und in Folie geschlagen schoben sie die 1,28 Meter hohe Weckmann- Madonna in Richtung Altarbereich. Dort packten Ansel und Egeler sie vorsichtig aus und stellten die spätgotische Marienfigur auf ihren Sockel. Ein wenig weiter weg von der Wand als zuvor, etwas freistehender, besser sichtbar. „Sehr schön“, kommentiert ein zufriedener Dekan Sigmund F. J. Schänzle das Ergebnis der Konservierung. Diese sei durchaus notwendig gewesen, wie Jochen Ansel vom Landesamt für Denkmalpflege unterstreicht. „Wir haben festgestellt, dass doch einiges zu machen ist“, blickt Ansel auf das vergangene Jahr zurück, als die Skulptur bei den Vorbereitungen zur Erhebung von Jochen Ansel (v. l.), Anna Egeler und Dekan Sigmund Schänzle mit der Ochsenhauser Madonna, die am Freitag wieder ihren Platz eigenommen hat. FOTO: TOBIAS REHM St. Georg zur Basilika aufgefallen war. Unter anderem sei die Farbe abgeblättert und die Oberfläche verschmutzt gewesen: „Es gab markante schadhafte Stellen.“ Daraufhin nahm sich nach der Zustimmung der Kirchengemeinde und der Unteren Denkmalschutzbehörde Studentin Anna Egeler der Madonna im Rahmen einer Projektarbeit an. Neben der Konservierung – die letzte liegt wohl mehr als 50 Jahre zurück – stand auch die wissenschaftliche Arbeit im Fokus, betont Jochen Ansel: „Der Erkenntnisgewinn geht deshalb weit über die reine Konservierung hinaus.“ Anna Egeler hat all dies in einer dicken Mappe zusammengefasst, neben historischen Bildern sind auch aktuelle computertomografische Aufnahmen enthalten. Diese hätten beispielsweise ergeben, dass die Madonna im Laufe der Jahrhunderte „mehrfach farblich überarbeitet“ worden sei. „Sie wurde mindestens sechs Mal seit ihrer Entstehung übermalt“, weiß Egeler. Dass die einzelnen Schichten noch erhalten seien und einzeln nachvollzogen werden könnten, sei besonders und eher ungewöhnlich. Dadurch lebe aber „die Geschichte am Objekt“. Weitere Erkenntnisse der Forschungsarbeit sind, dass eine Hand zwischen 1926 und 1936 ausgebessert wurde und es im Laufe der Jahre „diverse Farbänderungen“ gab. „Der Mantel war lange blau anstatt golden“, sagt Anna Egeler. Und das Lendentuch des Jesuskinds habe es ursprünglich gar nicht gegeben: „Das wurde nachträglich ergänzt.“ Auch bei der aktuellen Konservierung wurde etwas hinzugefügt: der teilweise fehlende Finger an des Jesuskinds linker Hand. Wie viele Skulpturen es aus der Weckmann-Werkstatt (Egeler: „Er ist bekannt für seine produktionsreiche Werkstatt“) rund 500 Jahre später noch gibt, lässt sich nicht beziffern. Jochen Ansel schätzt, dass vielleicht ein Fünftel des Erbes die Zeit überdauert hat. Darunter ist eine Madonna, die der Ochsenhauser sehr ähnelt und rund 400 Jahre in der St.-Ulrich-Kirche in Baustetten gestanden hatte. Zwischenzeitlich gelangte sie in Privatbesitz, doch seit 2016 ist sie im Eigentum des Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW). Im Fall der Ochsenhauser Madonna zeigt sich Jochen Ansel froh und zufrieden, dass alles geklappt hat und die Muttergottes wieder an ihrem Platz ist. Für alle Beteiligten sei das Projekt ein Erfolg gewesen, das Erscheinungsbild der Madonna ein deutlich besseres als zuvor. Wann die nächste Konservierung notwendig wird, hängt laut Ansel vor allem von den äußeren Einflüssen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Eins scheint aber gewiss: Die Madonna wird auch dies wie alles andere in den vergangenen 500 Jahren mit stoischer Miene zur Kenntnis nehmen.