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Laupheimer Anzeiger 19.05.2021

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Laupheimer Anzeiger LAUPHEIM Mittwoch, 19. Mai 2021 Hochwasserschutz: Keine Einigung mit Grundstücksbesitzern in Untersulmetingen Stadt berichtet über den aktuellen Sachstand bei der Prävention – Eine Wand aus Beton-Fertigteilen soll die „Insel“ sichern LAUPHEIM (ry) - „Schwierigkeiten“, „Unwägbarkeiten“, „zeitliche Verzögerungen“: Mit all dem kämpft die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen, die vor Hochwasser schützen sollen. An den Zielen werde festgehalten, „auch wenn die Fortschritte klein bleiben“, heißt es in einem diese Woche im Bau- und Umweltausschuss vorgestellten Sachstandsbericht. Wegen des hohen finanziellen Aufwands sei das Ganze aber nur mit Zuschüssen zu stemmen. Rottum: „Insel“ und Parkweg Weil die Kosten für die zunächst vorgesehene Quadersteinmauer von 340 000 auf 490 000 Euro stiegen, suchte die Stadt nach einer anderen Lösung. Jetzt soll auf der Böschungsseite der „Insel“ eine Schutzwand aus Beton-Fertigteilen errichtet werden. Sie werden auf Stahlträgern befestigt, die senkrecht in die Böschung getrieben werden. Ein Radbagger mit Ramme, der auf einer Plattform in der Rottum steht, soll die Arbeiten ausführen; Baubeginn könnte 2022 sein. Die Kosten werden mit 420 000 Euro veranschlagt. Eine staatliche Förderung steht nicht zu erwarten. Hardter Weg in Baustetten Untersuchungen zum Schutz vor Starkregen haben gezeigt, dass auch die Außengebiete östlich der Kreisstraße nach Walpertshofen Auswirkungen auf den Abfluss in Richtung Baustetten haben. „Falls dieser Abfluss nicht im Bereich der Harthöfe zurückgehalten werden kann, ist ein größerer Rückhalteraum am bestehenden Becken ,Schenkenzell’ erforderlich als bisher geplant“, heißt es im Bericht. Für das Einzugsgebiet nördlich des Waldes „Lange Halde“ wird ein großer Rückhalteraum statt mehrerer kleiner Rückhaltebecken empfohlen. Dazu sollen sich Schutzvorkehrungen unmittelbar am Ortseingang gesellen; sie erfordern nach den neuesten Vorgaben des Umweltministeriums eine wasserrechtliche Genehmigung, die Pläne müssen deshalb entsprechend angepasst und ergänzt werden. Davon ausgenommen ist ein Ersatz für den defekten Einlaufschacht auf Höhe des Hauses Hardter Weg 34; die Arbeiten hierfür sollen im Juni beginnen. Das Gesamtkonzept kann laut Verwaltung frühestens im Frühjahr/Sommer 2022 in die Umsetzung gehen. In die mittelfristige Finanzplanung wurden rund 850 000 Euro eingestellt. Riß in Unter-/Obersulmetingen Berechnungen und Simulationen haben ergeben, dass Maßnahmen der am Oberlauf der Riß gelegenen Kommunen den Hochwasserabfluss im Unterlauf nicht wesentlich reduzieren und der Bau mehrerer Retentionsbecken im Oberlauf weitaus teurer käme als einzelne lokale Schutzvorrichtungen in den Gemeinden. Weil die Riß ein „Gewässer erster Ordnung“ ist, liegt die Federführung für den Hochwasserschutz beim Land. Die Stadt Laupheim trägt als „Vorteilsausgleich“ 30 Prozent der Kosten, das sind geschätzt etwa 380 000 Euro. Das Landratsamt Biberach will sich „in nächster Zeit“ zum Fortgang des Verfahrens äußern. Dürnach/Saubach Der Hochwasserschutz an Dürnach und Saubach wurde 2020 per Satzungsänderung in den Wasserverband Rottum aufgenommen. Im Februar hat das Regierungspräsidium die Flussgebietsuntersuchung und die geplanten Beckenstandorte anerkannt. In der nächsten Verbandsversammlung soll das Bauprogramm beschlossen werden; es soll 2022 in Maselheim und Ringschnait starten. Der mittelfristige Finanzierungsanteil der Stadt Laupheim – 4,2 Prozent der Baukosten – wird nach Ausbezahlung der Fördermittel mit rund 100 000 Euro veranschlagt. Schlaibach in Untersulmetingen Die Stadt will ein Hochwasserrückhaltebecken bauen, konnte bisher aber nicht alle dafür benötigten Grundstücke erwerben. Die Eigentümer erhoben im Genehmigungsverfahren Gerade noch trockenen Fußes über den Steg: Wiederholt ist der Pegel des Schlaibachs in Untersulmetingen bedrohlich angestiegen und der Fluss über die Ufer getreten. FOTO: ROLAND RAY Einspruch gegen das Bauvorhaben, das mit Gesamtkosten von 925 000 Euro veranschlagt ist. Weder bei einem Gütetermin noch in einem Erörterungsverfahren durch das Landratsamt konnte eine Einigung erzielt werden. Nach Angaben der Stadt haben die Eigentümer im Nachgang Konditionen für einen Verkauf der Flächen genannt. Die Veräußerungs- und die Überschwemmungsfläche für ein 100-jähriges Hochwasser hätten durch ein Mehrfaches an Ersatzfläche ausgeglichen werden müssen. Konsequenz: „Da die Stadt weder eine passende Ausgleichsfläche besitzt, noch sich auf unverhältnismäßige Konditionen einlassen möchte, hat die Verwaltung mit Rückhalt des Ortschaftsrats Untersulmetingen dem Angebot eine Absage erteilt.“ Der Grunderwerb soll nun im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens erwirkt werden. Mit einer Genehmigung durch die Behörden wird noch im Mai gerechnet. Der weitere Fortgang hänge dann von der Reaktion der Eigentümer ab, heißt es im Sachstandsbericht. Drei Szenarien seien denkbar: ● Die Eigentümer verkaufen. Dann soll das Rückhaltebecken ab Frühjahr 2022 gebaut werden. ● Die Eigentümer erheben keine Klage und die Stadt erwirkt eine vorzeitige Besitzeinweisung durch das Regierungspräsidium. ● Die Eigentümer klagen vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim. Prozessdauer: „vermutlich ein bis zwei Jahre“. Starkregenrisiko- Management Eine Untersuchung der Risiken durch Starkregen für Baustetten ist abgeschlossen; es gibt Überflutungskarten und ein erstes Handlungskonzept, wie mögliche Gefährdungen durch wild abfließendes Oberflächenwasser gebannt werden können. Das Konzept bestätige im Wesentlichen die bisherigen Planungsergebnisse, etwa am Hardter Weg, heißt es im Sachstandsbericht. Die Bevölkerung soll in einer Ortschaftsratssitzung über die Ergebnisse informiert werden. Um Zuschüsse zu erlangen, braucht es noch eine Kosten-Nutzen-Analyse. Für die Kernstadt laufen derzeit die Überflutungsberechnungen.

Laupheimer Anzeiger ILLERTAL Mittwoch, 19. Mai 2021 Ein Reiterhof wird digital Wie eine Familie mit Reiterhof durch die Krise kommt – und was sie Positives darin sieht ROT AN DER ROT (hb) - Eine Landwirtschaft betreiben, Pferde ausbilden, online Reitunterricht geben und drei kleine Kinder im Homeschooling betreuen: Was sich anstrengend anhört, ist für Familie Kutter inzwischen der neue Alltag. Die Pandemie hat bei ihnen für einige Veränderungen gesorgt – aber nicht nur zum Schlechten. Für die fünfköpfige Familie hat die Krise auch Positives gebracht. „Der erste Lockdown war für uns finanziell echt übel“, sagt Sonja Kutter. Der Fokus der Familie sind Reitkurse und die Ausbildung von fremden Pferden. Ihr Einzugsgebiet reicht dabei bis nach Österreich und in die Schweiz – was dann zum Problem wurde. „Die Pferdebesitzer kamen nicht mehr über die Grenze und mussten ihre Pferde deshalb abholen“, erzählt sie. Für die Kurse war sie bis dahin jedes Wochenende in ganz Süddeutschland unterwegs. Von heute auf Morgen fiel das Einkommen der Familie drastisch. „Wir haben dann von Reserven gelebt. Aber Existenzängste hatten wir natürlich auch, das ist ja klar.“ Dabei lebt die Familie noch gar nicht so lange ihren Traum auf einem eigenen Reiterhof mitten im Grünen. 2013 haben Sonja und Oliver Kutter den Josenhof in Haslach bei Rot an der Rot erworben – und standen vor einem gewaltigen Umbau. „In den ersten zwei Jahren haben wir wahnsinnig viel investiert“, erzählt Sonja Kutter. Der Stall musste umgebaut werden, die Reithalle wurde verkleidet, Offenställe gebaut und Zäune aufgestellt. Oliver Kutter, der gelernter Schreiner ist, hat das meiste selbst umgebaut. „Das war eine stressige Zeit. Da lagen Traum und Albtraum nah beieinander“, erzählt Sonja Kutter und schmunzelt. „Aber die Freude über unsere Selbständigkeit hat eindeutig überwogen.“ Und die Freude hielt an, denn 2014 wurde Sohn Maximilian geboren. 2017 und 2019 folgten die Töchter Amalia und Felice. Nach und nach baute die kleine Familie mehr Boxen, um noch mehr Pferde unterstellen zu können. „Irgendwann mussten wir uns dann entscheiden: Werden wir richtig groß oder gehen wir einen Schritt zurück und konzentrieren uns auf das, was wir eigentlich machen Sonja und Oliver Kutter leben mit ihren Kindern Maximilian (6 Jahre), Amalia (3 Jahre) und Felice (1 Jahr) auf dem Josenhof bei Rot an der Rot. Sie haben die Pandemie genutzt, um zu entschleunigen – und ihren Hof digital aufzustellen. FOTO: HELEN BELZ wollen?“ Baugenehmigungen für insgesamt 90 Boxen lagen vor, als sie sich entschieden: Sie konzentrieren sich auf die Ausbildung von jungen Pferden und geben Kurse auf anderen Höfen. „Das ganzheitliche Reiten, bei dem Mensch und Pferd harmonieren und die Tiere eine pferdegerechte Ausbildung erhalten, steht bei uns im Vordergrund“, erklärt Sonja Kutter. Die Trainingseinheiten, die sie unterrichtet, reichen von Sitzschulungen über Muskelaufbauprogramme fürs Pferd bis hin zur Bodenarbeit. Diese Ausrichtung lief so gut, dass sie schon bald nur noch wenige freie Tage im Jahr hatten. Als die Pandemie begonnen hat, merkten sie plötzlich, wie sehr die freie Zeit mit der Familie fehlte. „Irgendwann war der erste Stress vorbei, über den Sommer war wieder mehr möglich“, erzählt die Pferdetherapeutin. „Dann haben wir uns gefragt, was wir ändern müssen.“ Während die drei kleinen Kinder also im Homeschooling von Mama und Papa betreut werden mussten, arbeiteten sie daran, digitaler zu werden. Ein Schweizer Unternehmen hat die Website neu gemacht und einen Social-Media-Auftritt auf Facebook und Instagram eingerichtet. Oliver Kutter macht eine Online-Weiterbildung, um seine Qualifikationen weiter auszubauen. Und der Reitunterricht ist jetzt sogar online möglich: Dabei stellen die Reitschüler in ihrer Reithalle eine Kamera auf, während Sonja Kutter zuhause am Schreibtisch sitzt und ihnen Unterricht gibt. „Ab und zu haben wir das schon vor der Pandemie gemacht, um Kontakt zu weit entfernten Kunden zu halten“, erklärt die 31-Jährige. „Aber die Nachfrage nach Online-Unterricht ist deutlich gestiegen.“ Natürlich gibt es auch weiterhin Herausforderungen, die gemeistert werden müssen. „Es ist definitiv nicht leicht, drei kleine Kinder zu betreuen, parallel Online-Reitunterricht zu geben und den Hof zu führen“, sagt Sonja Kutter. Zumal die Internetverbindung auf einem außerhalb liegenden Hof zu wünschen übrig lasse. Während Oliver Kutter morgens und abends Pferde ausbildet und dafür auch auf anderen Höfen unterwegs ist, konzentriert Sonja Kutter sich auf ihre Kurse, die sie nun auch wieder vor Ort geben darf. Dazwischen wird fleißig am Hof gewerkelt, denn nach einem Wasserschaden im Wohnhaus stehen weitere Reparaturen an. „Damit wird man gefühlt nie fertig“, sagt Sonja Kutter. Auch das Angebot für die Pferde auf dem Hof hat die Familie ausgebaut: Durch einen Anhänger mit Solekammer, ein Laufband für Pferde, eine Vibrationsplatte und ein Solarium kommen nun auch Reha-Pferde auf den Hof, die sich beispielsweise nach einer OP erholen müssen. Für diese speziellen Fälle erarbeitet Sonja Kutter, die Pferdetherapeutin ist, eine individuelle Therapie. Trotz der vielen neuen Aufgaben gehen sie ihren weiteren Weg entspannt an. „Die Pandemie haben wir zur Entschleunigung genutzt“, sagt Sonja Kutter. Das erste halbe Jahr, in dem die sonst so mobile Familie gar nicht unterwegs war, habe sie zusammengeschweißt. „Ohne Corona hätten wir uns auch nicht so sehr darauf konzentriert, digitaler zu sein“, sagt sie. Jetzt habe es aber dazu geführt, dass viele Neukunden auf sie aufmerksam wurden. „Und wir haben dadurch die Sicherheit: Es geht immer weiter. Auch wenn die Pandemie noch ein weiteres Jahr dauern sollte.“ Mehr Infos über den Reiterhof und Familie Kutter gibt es online unter ●» www.josenhof-kutter.de