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Laichinger Anzeiger 27.01.2021

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Laichinger Anzeiger IMPRESSIONEN VON DER ALB Mittwoch, 27. Januar 2021 „Ruhestand“ trägt das Foto von Konrad Schwarzenbolz aus Berghülen den Namen. Das Betriebsfahrrad sei nun im Ruhestand und werde nicht mehr gebraucht. FOTO: SCHWARZENBOLZ „Anton und die Sperrstunde“, schreibt SZ-Leserin Katja Noack mit einem Augenzwinkern und ergänzt: „Ein Bild als etwas zum Lachen in einer doch schwierigen Zeit.“ FOTO: NOACK SZ-Leserin Rosemarie Richter aus Laichingen übersendet der „Schwäbischen Zeitung“ in Laichingen ihr Foto – eine Kombination aus Schnee mit einem „Coronabaum“ und Filzarbeiten. FOTO: RICHTER Erst werden die Lichterketten abgenommen, dann weicht der Weihnachtsbaum vom Laichinger Marktplatz. FOTOS: STEIDLE/SCHOLZ

Laichinger Anzeiger REGION / LAICHINGER ALB Mittwoch, 27. Januar 2021 REGION - Kontaktbeschränkung, Mehrfachbelastung und Ungewissheit: Die Corona- Pandemie hat suchtkranke Menschen und Berater vor neue Herausforderungen gestellt. Auch im Raum Alb-Donau-Kreis spüren Beratungsstellen, dass Menschen, die sich vom Alkoholkonsum verabschiedet hatten, wieder öfter zum Weinglas greifen. Und nicht nur sie: Auch Gelegenheitstrinker konsumieren während der Pandemie und dem damit einhergehenden Lockdown mehr Alkohol als sonst. Markus Piott-Grimm, Leiter Suchtberatung der Suchtberatungsstelle der Caritas/ Diakonie Ulm-Alb-Donau, stellt auch in seinem Tätigkeitsraum fest, dass sich der Lockdown auf seine Klienten immens ausgewirkt hat. „Diejenigen, mit denen wir während dieser Zeit in Kontakt standen, berichten von vermehrten Rückfälligkeiten innerhalb des Lockdowns und dass sie tiefer ins Trinken hereingekommen sind.“ Laut Piott-Grimm haben zwar auch neue Gesichter die Beratungsstelle aufgesucht, aber die allermeisten seien Menschen, die bereits in Behandlung waren und rückfällig geworden sind. Warum manche Menschen zu einem regelmäßigen und hohen Alkoholkonsum neigen, erklärt der Ehinger Psychologe Andreas Groß im Gespräch mit Erhöhter Alkoholkonsum während der Pandemie Corona-Krise drückt Stimmung – Suchterkrankte Menschen werden rückfällig Laut Caritas Ulm-Alb-Donaus sind Menschen mit einer Suchterkrankung häufiger rückfällig geworden. SYMBOLFOTO: DPA der „Schwäbischen Zeitung“: „Der Alkohol bietet kurzfristig Vorteile: Er entspannt, ist angstlösend, man kommt in eine gute Stimmung und kann für eine Weile Probleme ausblenden.“ Gründe, die der Experte als „gute Gründe“ beschreibt. Vorerst. Denn häufig folgen dieser kurzweiligen „Lösung“ erhebliche Probleme und Schwierigkeiten. Und im Lichte der Pandemie ist die Belastung für die gesamte Gesellschaft noch einmal viel erheblicher geworden. Der Experte weiß aus Erfahrung, dass Krisenzeiten immer Zeiten sind, in denen sein Telefon noch häufiger klingelt. Man dürfe nicht vergessen, dass das Risiko in besonderen Zeiten generell für alle Menschen gilt, aber manche dann eben doch ein höheres Risiko aufweisen. In manchen Fällen habe der Alkoholkonsum aber auch nicht unbedingt zugenommen, erklärt Piott-Grimm, sondern sei auch auffälliger und bemerkbarer geworden, weil es sich in die häusliche Umgebung verlagert habe. „Oft haben uns Angehörige angerufen, die sich über das Trinkverhalten ihrer Partner bisher nicht bewusst waren. Und im Lockdown, wo sie dann überwiegend zu Hause sind, haben sie bemerkt, wie oft und wie viel Alkohol eigentlich konsumiert werde“, so der Leiter. Auch der Munderkinger Weinhändler Philipp Edel sieht, dass die tatsächlichen Privateinkäufe gestiegen, obgleich jegliche Einkäufe für Großveranstaltungen und Feste seit vergangenem Mai komplett weggebrochen sind. Roswitha Denkinger, Geschäftsführerin des Weinhauses Denkinger, kann im Gegensatz zu Philipp Edel keinen erhöhten Alkoholbedarf feststellen: „Es wurde eigentlich dieselbe Menge wie in den vergangenen Jahren gekauft nur höhere Qualität als sonst.“ Für den Suchtberater Piott- Grimm kann auch der Ausfall der öffentlichen Kontrolle als ein Faktor für die Zunahme des Alkoholkonsums gesehen werden: „Im Homeoffice fällt es keinem auf, wenn man morgens schon ein Glas Sekt oder eine Flasche Bier neben der Arbeit trinkt. Es sieht niemand, es riecht niemand. Man sitzt zu Hause und kann arbeiten und nebenbei tiefer ins Trinken verfallen.“ So komme es auch vor, dass der Alkoholkonsum bereits am Morgen oder Vormittag beginne. Piott-Grimm und seine Kollegen hatten bereits zu Beginn der Pandemie mit einer Zuspitzung der Situation gerechnet, weshalb sie eine telefonische Beratung als nützlich erachteten. Obgleich es in keiner Weise eine persönliche Beratung ersetzen kann: „Unsere Klienten haben erwähnt, dass ihnen der persönliche Kontakt zu uns fehlt und dass es ihnen wichtiger wäre, in die Beratungsstelle kommen zu können, um über ihre Probleme zu reden.“ Im Juni nahm schließlich die Caritas Ulm-Alb-Donau ihr Beratungsangebot unter Hygienemaßnahmen wieder auf und wird, weil sie eine therapeutische Einrichtung ist, auch weiterhin vor Ort erreichbar sein. Kirchenbezirk: „Lassen & Tun“ LAICHINGEN/REGION (la) - Online und digital wird sich der evangelische Kirchenbezirk Münsingen im Rahmen des Forums „WEITERHORIZONT“ am 5. Februar mit dem Thema „Lassen & Tun“ beschäftigen. Referent wird Pfarrer Hans- Hermann Pompe sein, Generalsekretär der AMD in Berlin. Die Pandemie zwingt auch Kirchengemeinden seit einem knappen Jahr zum Lassen. Manches gehe online, doch die direkte Begegnung sei unersetzbar. Gemeinsam zu hören und zu beten, für andere da zu sein, ist wesentlich für den Weg des Glaubens, viele wünschen sich das zurück. Gleichzeitig ahnen die Verantwortlichen in den Gemeinden, dass es trotzdem kein „Weiter wie vorher“ geben kann. Doch was kommt dann? Wie könnte das Neue, Andere aussehen? Wie findet eine Gemeinde oder ein Team heraus, was dann vor Ort dran ist? Was möglich ist? Neben den Referaten wird es auch Online-Austauschgruppen und die Möglichkeit für Rückfragen an den Referenten geben. Die Anmeldung und weitere Infos finden sich auf der Homepage ●» www.weiter-horizont.de Pfarrer Karl-Hermann Gruhler aus Laichingen ist der Projektpfarrer, der im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten zum Austausch über die gegenwärtige Situation oder zu Beratungen über das „Lassen & Tun“ konkret vor Ort in die Kirchengemeinden des Bezirks kommt. ANZEIGE