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KUR|land 01.06.2020

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4 | Städtische Rehakliniken „Die Talsohle haben wir gesehen“ Interview mit Direktor Peter Blank sowie den Chefärzten Dr. Elisabeth-Maria Rabanus und Dr. Otto Matt Bad Waldsee - Das Coronavirus hat auch die Städtischen Rehakliniken Bad Waldsee durcheinandergewirbelt. Heilverfahren mussten ausgesetzt und das Rehazentrum Therme freigehalten werden für die Corona-Notfallversorgung, die Therme wurde geschlossen und Beschäftigte sind in Kurzarbeit. Seit Mitte Mai ist aber wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen, wie das Interview von KURLAND-Redakteurin Sabine Ziegler mit Klinkdirektor Peter Blank sowie den Chefärzten Dr. Maria-Elisabeth Rabanus (Gynäkologie) und Dr. Otto Matt (Orthopädie) zeigt. Wo lagen zu Beginn der Corona-Pandemie die größten Herausforderungen für Betriebsleitung und Beschäftigte Ihrer Kliniken? Die Dynamik der Ereignisse und die Geschwindigkeit des Belegungsrückgangs waren nicht vorhersehbar und stellten erhebliche Herausforderungen dar für unser Krisenmanagement. Große Erleichterung herrschte, als der Bundestag zeitnah ein Regelungspaket zur finanziellen Entlastung der Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen verabschiedet hat. Damit wurden ab März Ausgleichszahlungen für freie Rehabetten möglich. Mit der behördlichen Aufforderung, Gruppentherapie - wie hier in Vor-Corona-Zeiten - ist auch künftig möglich, die Teilnehmerzahlen werden zugunsten der Abstandsregelungen aber reduziert. Fotos (6): Rolf Schultes innerhalb von wenigen Tagen Therme, Sauna und Cafeteria zur Unterbrechung von Infektionsketten zu schließen, ergaben sich neue Probleme. Auch hier waren schnelle, sozialverträgliche Entscheidungen und Lösungsansätze für die Mitarbeiter gefragt. Sie meinen Kurzarbeit? Durch diese Möglichkeit konnten wir glücklicherweise Arbeitsplätze sichern. Dank gebührt an dieser Stelle dem Gemeinderat und unserem Personalrat - beide Gremien haben sofort und vollumfänglich unserem Krisenmanagement zugestimmt. Und natürlich den Mitarbeitern der Rehakliniken, die trotz aller Unwägbarkeiten immer die nötige Ruhe bewahrt haben. Wie hat sich die tägliche Arbeit von Ärzten, Pflegern und Therapeuten durch die neuen Abstands- und Hygienestandards verändert? Bereits vor Corona war die tägliche Arbeit durch einen hohen hygienischen, einrichtungsspezifischen Standard geprägt - schon aufgrund der Versorgung von frisch operierten und onkologischen Patienten. Die Kommunikation mit Mund-Nasen-Schutz ist durch die fehlende Gesichtsmimik und den fehlenden emotionalen Ausdruck erschwert. Das gegenseitige Verstehen wird dadurch eben nicht leichter, was in manchen Fällen zu Beeinträchtigungen im rehabilitativen Ablauf führen kann. Reha in Krisenzeiten: Wie haben Ihre Patienten die veränderten Bedingungen in den Kliniken aufgenommen? Peter Blank, Maria Elisabeth Rabanus und Otto Matt (von links) über Corona: „Die Dynamik der Ereignisse und die Geschwindigkeit des Belegungsrückgangs waren nicht vorhersehbar.“ Prinzipiell sind unsere Patienten froh, bei uns sein zu können, und sie sind auch zufrieden mit der therapeutischen Versorgung. Einige Rehabilitanden tun sich jedoch schwer mit den Vorgaben der Maskenpflicht und des gebotenen Abstandes. Durch

Städtische Rehakliniken | 5 das Tragen der Mund-Nasen- Bedeckung ist die körperliche Belastbarkeit eingeschränkt und damit für den einen oder anderen Klinikgast medizinisch sogar nicht sinnvoll. In den Erholungsphasen zwischen den Therapien vergessen manche Patienten auch noch manchmal die Abstandsregelung. Positiv wird uns zurückgemeldet, dass durch die kleineren Therapiegruppen und die hohe Frequenz an Einzeltherapie der Austausch mit den Therapeuten intensiver geworden ist. Gelten die Besuchsregelungen für Ihre Gäste weiterhin und wann könnte das Veranstaltungsprogramm in den Kliniken wieder starten? Die Besuchsregeln und das Hausverbot bestehen weiterhin, um Infektionsketten möglichst zu unterbrechen. Bundesregierung und Bundesländer haben Anfang Mai ihre Kontakt- und Ausgehbeschränkungen zwar gelockert. Wir gehen aber davon aus, dass der Gesundheitsbereich noch lange nach Corona mit Einschränkungen wird leben müssen. Wichtig aus Sicht der Rehakliniken wäre, dass bisher zurückgestellte Heilverfahren wieder einberufen werden können. Dies würde zu einer deutlichen Belegungssteigerung führen und wäre ein klares Signal des „Wiederanfahrens“ der Rehakliniken, auf das alle sehnsüchtig warten. Viele Beschäftigte der Städtischen Rehakliniken sind noch in Kurzarbeit - welche Perspektive tut sich für die Betroffenen auf? Auf eine entspannende Unterwassermusik in der Waldsee- Therme müssen Bürger und Gäste noch eine Weile warten. Dank der hohen Frequenz an Einzeltherapie wurde der Austausch der Patienten in der Coronakrise mit den Therapeuten enger - unser Foto ohne Mundschutz entstand vor der Pandemie. Sobald die Klinikbelegung wieder ansteigt, wird die Kurzarbeit für Mitarbeiter anteilig zurückgenommen. Wann und in welchem Umfang dies der Fall sein kann, hängt von der weiteren Belegung ab. Dies ist schwierig zu beurteilen. Wir gehen aber davon aus, dass zeitlich versetzt bestimmte Bereiche für Patienten und für die Öffentlichkeit wieder geöffnet werden können. Gemeinsam mit den Abteilungsleitern haben wir uns schon auf diese Zeit nach Corona vorbereitet. Wir alle haben die Hoffnung, dass wir die Talsohle der Einschränkungen bereits gesehen haben. Seit Anfang April wird nur noch das Maximilianbad betrieben. Wann können auch im Rehazentrum wieder Patienten für Heilverfahren und AHB aufgenommen werden? Wir haben der Oberschwabenklinik und dem Landkreis unsere Unterstützung und Hilfe angeboten, ein gewisse Anzahl an freien Betten für die Notfallversorgung der Bevölkerung in der Coronakrise zur Verfügung zu stellen. Glücklicherweise reichen die bundesweit zur Verfügung stehenden Beatmungsplätze aus, um diese Notfallversorgung sicherzustellen. Nachdem das Sozialministerium Baden-Württemberg uns mit Schreiben von Anfang Mai empfohlen hat, sukzessive auch wieder Heilverfahren aufzunehmen, haben wir uns nach Umsetzung eines entsprechenden Hygienekonzeptes entschlossen, diese Patientengruppe ab 18. Mai wieder einzuladen. Wann steht die Wiedereröffnung von Therme und Saunawelt auf der Agenda? Hier warten wir sehnsüchtig auf entsprechende Freigaben und Erleichterungen seitens der Politik. Wir sind startklar, stellen uns zunächst aber auf einen eingeschränkten Thermen-/Saunabetrieb mit eingeschränkter Besucherzahl ein. Dabei werden dann ebenfalls hygienische Vorgaben und Abstandsregeln zu beachten sein.