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KUR|land 01.05.2020

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4 | Kurort „Wir werden

4 | Kurort „Wir werden das meistern!“ Interview mit dem neuen Waldseer Bürgermeister und „Corona-Krisenmanager” Matthias Henne Bad Waldsee - Seinen Dienstbeginn als neuer Bürgermeister von Bad Waldsee dürfte sich Matthias Henne anders vorgestellt haben. Während der Corona-Krise ist das Stadtoberhaupt nämlich vor allem als kommunaler Krisenmanager gefragt, der den Laden trotz sich überschlagender Ereignisse zusammenhalten und den Bürgern Sicherheit und Zuversicht geben muss. Im Interview mit KURLAND-Redakteurin Sabine Ziegler erklärt der 37-Jährige, wie er seine ersten Arbeitstage ab 6. April im Rathaus erlebt hat. Ihr neues Amt haben Sie in einer der schwierigsten Zeiten seit dem zweiten Weltkrieg angetreten. Wie war das? Mit der Corona-Krise und ihren Herausforderungen habe ich mich bereits in meiner bisherigen Gemeinde Zwiefalten auseinandergesetzt. Zudem war ich schon mehrere Wochen vor meinem Dienstantritt in Bad Waldsee intensiv mit Bürgermeister Roland Weinschenk in Kontakt und daher auch über die Arbeit des Krisenstabs informiert. Natürlich wäre ein „normaler“ Start einfacher gewesen, aber das kann niemand ändern. Jetzt gilt es zusammenzuhalten und an einem Strang zu ziehen! Wo brennt’s denn während der Corona-Krise in der Kurstadt - Stand Ostern 2020 - am meisten? Auch viele städtische Einrichtungen mit Publikumsverkehr mussten zur Vermeidung der Virusausbreitung schließen. Bürgermeister Matthias Henne (rechts) kann bei der Bewältigung der Corona-Krise in der Kurstadt Bad Waldsee auch auf den erfahrenen Klinikdirektor Peter Blank vertrauen. Wir sind in allen Bereichen gefordert und müssen versuchen, die Krise nachhaltig zu meistern. Das gilt bei Schule und Betreuung, bei Gastronomie sowie bei den Unternehmen und natürlich auch für unseren Rehabereich. Wichtig ist bei allen Entscheidungen, dass der Schutz der Menschen und deren Gesundheit - egal welchen Alters - im Vordergrund steht. Deshalb müssen wir uns alle weiterhin an die Schutzmaßnahmen halten und vielleicht sogar noch mehr tun als gefordert. Dennoch gilt es auch nach vorne zu schauen, denn diese schwierige Zeit geht auch vorbei. Wir werden das zusammen meistern! Können Sie absehen, welche geplanten Investitionen 2020 aufgrund der Corona-Krise warten müssen, weil es dringendere Probleme gibt? Aus heutiger Sicht kann diese Frage nicht beantwortet werden. Die größte Herausforderung ist es zunächst, einigermaßen glimpflich durch diese Krise zu kommen. Und dann werden wir prüfen, welche Konsequenzen dies auf den städtischen Haushalt hat. Wir werden gemeinsam mit dem Gemeinderat und den Fachbereichen sämtliche Projekte und Aufgaben auf den Prüfstand stellen und die Lage genau analysieren - erst dann werden Entscheidungen gefällt. Man muss dabei genau abwägen, denn werden Vorhaben gestrichen, dann hat das auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Jetzt heißt es einen kühlen Kopf zu bewahren. Grundsätzlich ist mir ein gutes Miteinander sehr wichtig und ich möchte das „Wir-Gefühl“ in Bad Waldsee stärken. Das kostet nichts! Als Sie sich um das Waldseer Bürgermeisteramt beworben haben, war die Stadt geprägt von einem prosperierenden Reha- und Gesundheitswesen. Können Sie einschätzen, wie schnell sich Kliniken und Tourismus von diesem „Virus-Crash“ erholen werden? Auch dies kann ich zum heutigen Zeitpunkt nicht verlässlich beantworten. Zunächst möchte ich hervorheben, dass die Umsetzung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen trotz des hohen Tempos der Veränderungen in Bad Waldsee gut funktioniert hat. Innerstädtisch hat die

Kurort | 5 Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Behörden und Partnern sehr gut geklappt, als wir die Leistungen innerhalb kürzester Zeit kontinuierlich herunterfahren mussten. Das zeigt, dass hier die Strukturen stimmig sind. Für uns als Stadt ist die Kooperation mit den Oberschwaben-Kliniken (OSK) zur Bereitstellung von Corona-Bedarfsbetten eine Selbstverständlichkeit. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass keine beziehungsweise so wenige wie möglich benötigt werden. Noch ist allerdings offen, wann das Rehazentrum Therme wieder regulär in Betrieb genommen werden kann... Ist die „Corona-Zeit“ gemeistert, werden auch die Kurorte als gesundheitliche Kompetenz- und Versorgungszentren mit bestehender Infrastruktur von Kur- und Rehabilitationsärzten wieder eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Menschen spielen. Sie sind unverzichtbar! Und der Fokus vieler Menschen wird sich über diese Krise hinaus sogar noch viel mehr darauf richten als früher. Gesundheit ist und bleibt unser Kernthema in Bad Waldsee! Auch der innerstädtische Einzelhandel und die Gastronomie erleiden seit Mitte März schwere Umsatzeinbußen - die Altstadt gleicht einer Geisterstadt. Haben Sie Ideen, wie den Geschäftsleuten geholfen werden könnte? Wir haben die „Bad Waldseer-Gutscheine.de“-Aktion ins Leben gerufen. Mit dieser Plattform wollen wir allen Händlern, Gastronomen, Dienstleistern und Betrieben, Der gut frequentierte Waldseer Wohnmobilstellplatz musste aufgrund der Corona-Krise für Touristen gesperrt werden. Die Städtischen Rehakliniken betreiben derzeit nur das Maximilianbad, weil das Rehazentrum Therme für die mögliche Notversorgung der Bevölkerung reserviert ist. Fotos (4): Rolf Schultes die von den Einschränkungen betroffen sind, die Möglichkeit geben, trotz Schließung ihrer Geschäfte am Markt zu agieren. Mit einem Gutschein können weiterhin kleine Umsätze generiert werden. Selbstverständlich kann dies die frühere Einnahmensituation nicht ersetzen, aber diese Aktion gibt den Gewerbetreibenden doch die Möglichkeit, zu zeigen, dass sie weiterhin aktiv sind. So bleiben sie auch im Bewusstsein ihrer Kunden. Jeder Bürger und Gast der Stadt hat die Möglichkeit mit einem Gutschein sein Lieblingslokal oder -geschäft zu unterstützen. Und es macht den einzelnen Stadt-Akteuren Mut und gibt ihnen Kraft, weiterhin durchzuhalten. Haben Sie trotz vieler Stressmomente auch schon positive Erfahrungen machen dürfen am neuen Dienstsitz? Ja! Ich bin mit offenen Armen im Rathaus empfangen worden und habe hier ein motiviertes Team angetroffen, das hervorragend zusammenarbeitet. Auch von den Bürgern habe ich schon sehr viele positive Rückmeldungen erhalten - über die sozialen Medien, aber auch direkt auf der Straße. Überall wurde ich herzlich willkommen geheißen - da haben mir die Bad Waldseer innen und Bad Waldseer wirklich eine sehr große Freude gemacht. Vielen Dank an dieser Stelle! Die Städtischen Rehakliniken in Bad Waldsee befinden sich aufgrund der Corona-Pandemie im Krisenmodus. Seit Anfang April ist das Rehazentrum Therme mit den Häusern Elisabethen- und Mayenbad geschlossen. Diese Betten werden vorerst für eine Notfallversorgung der Bevölkerung freigehalten. Im Maximilianbad läuft der Rehabetrieb unterdessen jedoch weiter. Nach Angaben von Direktor Peter Blank reichen diese 183 Betten für die Aufnahme frisch operierter AHB-Patienten aus, zumal planbare Operationen in Akutkliniken während der Corona-Krise verschoben werden müssen. Auch Heilverfahren wurden zunächst ausgesetzt. (saz)