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KUR|land 01.04.2020

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12 | Städtische

12 | Städtische Rehakliniken Hoffen auf schnelle Anerkennung Gynäkologin Bilana Todorovic-Zrnic aus Serbien arbeitet bei den Städtischen Rehakliniken Bad Waldsee Bad Waldsee - Die Städtischen Rehakliniken Bad Waldsee beschäftigen vermehrt ärztliches Personal aus dem Ausland, weil der Markt für Fachärzte, die in der Rehabilitationsmedizin tätig sein möchten, leergefegt ist. Bei der Integration von Auslandsärzten müssen jedoch viele bürokratische Hürden überwunden werden. Betroffen davon ist Frauenärztin Bilana Todorovic-Zrnic aus Serbien, die zum Team von Gynäkologie-Chefärztin Dr. Maria-Elisabeth Rabanus gehört. KURLAND-Redakteurin Sabine Ziegler zeigt, wie sich berufliche Anerkennung und Einbürgerung hinziehen. An diesem Vormittag geht es für die serbische Stationsärztin im Rehazentrum bei der Therme Schlag auf Schlag: Eine Patientin nach der anderen kommt zum Aufnahmegespräch ins Sprechzimmer von Bilana Todorovic-Zrnic. Hier erfahren die Frauen alles medizinisch Notwendige für ihre dreiwöchige Rehabilitation. Insbesondere über frauenheilkundliche Fragestellungen kann die Fachärztin qualifiziert Auskunft geben. „Schauen Sie, damit kann ich Ihnen gut erklären, was genau bei der Operation entfernt wurde.“ Chefärztin Dr. Maria-Elisabeth Rabanus (links) ist überzeugt von der fachlichen und menschlichen Kompetenz ihrer Ärztin. Frauenärztin Bilana Todorovic-Zrnic stammt gebürtig aus Serbien. Sie ist begeistert von der modernen Ausstattung der Abteilung Gynäkologie bei den Städtischen Rehakliniken. Die 44-Jährige nimmt für ihre Erläuterungen in fließendem Deutsch mit slawischem Akzent ein Unterleibsmodell zu Hilfe. „Hier ist die Blasensenkung, die durch die Operation behoben wurde und nun muss der Beckenboden trainiert werden. Während Ihrer Rehabilitation hier im Haus wird sich Ihre körperliche Konstitution durch die Anwendungen stark verbessern, sodass Sie wieder Ihren Alltag meistern können“, spricht die Ärztin der frisch Operierten Mut zu. Für Frauen nach Krebs ist neben fachlicher Kompetenz auch ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen wichtig, weiß Chefärztin Dr. Maria-Elisabeth Rabanus und lobt die Arbeit ihrer Kollegin aus Serbien. „98 Prozent unserer Patientinnen haben Krebserkrankungen: Die Mehrheit leidet an Brustkrebs, gefolgt von Unterleibskrebs und an dritter Stelle kommen junge Frauen mit metastasierenden Krebsarten, was besonders belastend ist“, zeigt die Medizinerin die Bandbreite in der Anschlussheilbehandlung (AHB) auf. „In den Gesprächen mit den Betroffenen sind unsere Ärztinnen und Ärzte stark gefordert, weil sie einerseits für einen medizinisch guten Rehabilitationsverlauf sorgen müssen, die Betroffenen andererseits aber in einer schwierigen Lebensphase bereits auf die Wiedereingliederung ins Erwerbsleben vorbereiten sollen, weil dies der Anspruch der Rentenversicherung ist“, weiß Rabanus. Nachdem die Rehamedizin für viele deutsche Ärzte mangels Karrierechancen nicht in Frage kommt, greifen die Städtischen Rehakliniken auf Arbeitskräfte aus Osteuropa zurück. „Unterm Strich machen wir mit unseren Aus lands ärztinnen und -ärzten gute Erfahrungen und die allermeisten integrieren sich gut“, berichtet Rabanus und verweist auf das Beispiel von Bilana Todorovic-Zrnic, die seit Anfang 2019 in der Kurstadt arbeitet. Sie Team der Gynäkologie Zum ärztlichen Team von Chefärztin Dr. Maria-Elisabeth Rabanus gehören 17 Mediziner: vier Oberärzte und 13 Stationsärzte. Davon sind sieben Personen aus dem osteuropäischen Ausland nach Bad Waldsee übersiedelt und haben hier eine zweite Heimat gefunden. Ergänzt wird das ärztliche Personal von 50 Pflegekräften und 110 Therapeuten. (saz)

Städtische Rehakliniken | 13 mache einen hervorragenden Job als Stationsärztin, bilde sich fachlich engagiert weiter und habe in kurzer Zeit die sprachliche Integrationsprüfung für Ärzte bestanden. Rabanus: „Trotzdem wäre es für uns als Arbeitgeber wichtig, dass die Facharztanerkennung seitens der Ärztekammer und die notwendige Einbürgerung schneller vonstatten gingen. Erschwerend kommt die fehlende Kooperation der einzelnen Behörden hinzu.“ Serbien gilt bekanntlich noch als EU-„Beitrittskandidat“. Entsprechend zäh gestaltet sich die Einbürgerung dieser Auswanderer, was in den Rehakliniken für wenig Begeisterung bei den Verantwortlichen sorgt. „Wenn unser monatelanger Einsatz für diese Kollegen an der nicht verlängerten Aufenthaltsgenehmigung scheitert, weil das Regierungspräsidium die Arzterlaubnis zu spät ausstellt und die Kollegin erst wieder zurück nach Serbien muss, um neue Anträge zu stellen, dann kommen wir nicht voran mit der beruflichen Integration“, beklagt Rabanus. Bange zwei Wochen, ob die Genehmigung erteilt wird und ob die Kollegin wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkommt, waren das auch für die Fachärztin für Allgemeinmedizin Irina Moos. Als Mentorin hat sie viel Zeit investiert und stand der Kollegin aus Serbien während ihrer Einarbeitungszeit bei. Moos kam 1995 aus Kasachstan nach Bad Waldsee und ist begeistert von ihrer Arbeit als Ärztin in den Rehakliniken, wie sie erzählt. So wie Bilana Todorovic- Zrnic, die in Belgrad sechs Fachärztin Irina Moos (rechts) hat ihre neue Kollegin nach der Ankunft in Bad Waldsee betreut und eingearbeitet. Für Frauen nach Krebs ist neben fachlicher Kompetenz auch Einfühlungsvermögen seitens des ärztlichen Personals in der Rehabilitationsmedizin notwendig. Fotos (4): Rolf Schultes Jahre Medizin studierte und sich dort vier weitere Jahre einer Weiterbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe unterzog „Das Gesundheitssystem in meiner Heimat ist leider sehr schlecht ausgestattet - die großen Kliniken haben modernste Geräte, in den kleinen Häusern aber sieht es schlecht aus mit der Versorgung der Patienten“, berichtet die Mutter zweier Schulkinder aus Vrsac, die sehr erfreut ist über die moderne Ausstattung der Rehakliniken mit medizinischen Geräten. Weil berufliche Aufstiegsmöglichkeiten nach Einschätzung von Todorovic-Zrnic in ihrer Heimat nur bestimmten „Kadern“ vorbehalten seien, habe sie sich für eine Umsiedlung nach Deutschland entschieden. „Deutsch habe ich schon in der Schule gelernt und am Goethe-Institut Mannheim noch intensiviert. Mein Mann lebte bis zum Alter von zwölf Jahren in Ulm und ist von Beruf Busfahrer, so dass wir uns als Familie hier leicht einleben könnten, wenn er und meine Töchter eine Aufenthaltserlaubnis bekommen“, ist die Ärztin überzeugt. Zuletzt hatten sie dafür Ende Januar einen entsprechenden Termin bei der Deutschen Botschaft. „Ich hoffe, es klappt jetzt bald mit dem Familiennachzug - eine Wohnung für uns alle habe ich schon gefunden“, erzählt die Medizinerin, die sich vom Team der Kliniken gut aufgenommen fühlt. Inzwischen hat die Frauenheilkundlerin zwar ihre Approbation - die staatliche Zulassung, den Arztberuf selbstständig und eigenverantwortlich ausüben zu dürfen – erhalten. Die Facharztanerkennung lässt jedoch weiter auf sich warten. „Die ist aber notwendig, damit sie in den Rehakliniken als Frauenärztin selbständig arbeiten kann und wir dem Rentenversicherungsträger als Kostenträger die geforderte Anzahl an Fachärzten nachweisen können“, unterstreicht Rabanus. Sie schließt sich deshalb dem Wunsch der Betroffenen an, dass endlich alle bürokratischen Hürden im Fall „Bilana Todorovic-Zrnic“ überwunden sind.