Aufrufe
vor 4 Monaten

Kliniken magazin 2020/2021

  • Text
  • Klinik
  • Patienten
  • Chefarzt
  • Kliniken
  • Klinikum
  • Medizin
  • Behandlung
  • Telefon
  • Erkrankungen
  • Biberach
  • Magazin

Offen und auf Augenhöhe

Offen und auf Augenhöhe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gab Ende vergangenen Jahres den Startschuss, um gezielt Pflegekräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu vermitteln. Vielfältige Kontakte gab es auch vorher schon im Gesundheitswesen und damit wertvolle Chancen und Zündstoff für Konflikte gleichermaßen. Von Meike Winter 38 N eu im Team zu sein ist aufregend, schließlich geht es darum, sich zügig zu integrieren, nicht anzuecken und möglichst rasch anstehende Aufgaben zu erfassen. Wenn alle dieselbe Sprache sprechen und vor dem gleichen gesellschaftlichen Hintergrund agieren, ist das ohne große Schwierigkeiten zu bewältigen. Anders sieht es aus, wenn Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen. Natalie Braun, Stationsleitung im Klinikum Tuttlingen: „Das Wichtigste ist die Kommunikation. Wenn man Kulturunterschieden und Traditionen offen gegenübersteht und offen damit umgeht, werden Missverständnisse vermieden. Ein multikulturelles Team ist immer Natalie Braun Bild: Klinikum Tuttlingen Stefanie Günther Bild: WZ-Kliniken ein Gewinn: Mehr Erfahrung, Inspiration, gegenseitiges Interesse und Respekt, aber auch Wertschätzung und die Miteinbeziehung verschiedener Kulturen sind ein Pluspunkt.“ Positiv sieht die Zusammenarbeit auch Dr. Ulrich Mohl, Ärztlicher Direktor der Sana Kliniken im Landkreis Biberach: „Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter bringt unterschiedliche Erfahrungen, Werte und Talente in den Arbeitsalltag ein. Diese Vielfalt an Perspektiven bereichert unser Tun.“ Bei den Waldburg-Zeil Kliniken wird ein besonderer Fokus auf die positiven Aspekte der interkulturellen Zusammenarbeit gelegt, sei es in der Pflege, im ärztlichen Bereich oder im Service: „An den Klinikstandor- ten wurden die Einarbeitungskonzepte erweitert und auf die besonderen Bedürfnisse unserer internationalen Mitarbeiter angepasst“, erklärt Stefanie Günther, Leitung Personal. „Dabei legen wir neben der inhaltlichen Einarbeitung einen Fokus auf die Sprache, die kulturellen Unterschiede und auch auf eine soziale Integration.“ Eingliederung erleichtern Um ausländische Mitarbeitende zu unterstützen, setzen viele Kliniken auf gezielte Angebote. „Wir bieten unseren Beschäftigten einen mehrwöchigen Sprachkurs an und unterstützen diese bei der Wohnungssuche“, sagt Boris Ebenthal, Geschäftsführer Asklepios Klinik Lindau. Vor allem der Kampf mit Anträgen und Formularen könne eine große Hürde darstellen, bestätigt Dr. Dieter Grupp, Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg. „Wir beschäftigen Menschen aus vielen Gruppen und Nationen. Oft ist die Anerkennung der ausländischen Berufsabschlüsse ein Hindernis für eine gelungene Integration. Deshalb unterstützen wir Mitarbeitende bei den Formalitäten.“

Themenbilder: Waldburg-Zeil Kliniken Auch die Sana Kliniken setzen sich bei Behördengängen oder der Wohnungssuche ein und bieten zudem kostenlose Sprachkurse an, denn die Sprachbarriere ist einer der wichtigsten Punkte für die Zusammenarbeit in interkulturellen Teams. Der Medizin Campus Bodensee beschäftigt eine eigene Deutschlehrerin, die ebenfalls über eine pflegerische Grundausbildung verfügt und die pflegerisch-medizinische Fachsprache unterrichtet. „Viele Abteilungen haben Vokalbelhefte mit den wichtigsten grundlegenden Bezeichnungen für den Berufsalltag“, ergänzt Maximilian Bosch, Mitarbeiter der Pflegedirektion des Medizin Campus Bodensee und zuständig für ausländische Fachkräfte. Im Schwarzwald-Baar Klinikum arbeiten rund 3.100 Mitarbeitende aus teilweise unterschiedlichen Nationen und Kulturen zusammen: „Eine Schlüsselrolle in Sachen Integration spielen Sprachkenntnisse und die Kommunikationsfähigkeit der Menschen. Davon abgesehen unterstützt das Klinikum die Einarbeitungsprozesse bei Bedarf beispielsweise mit modernen E-Learning-Modulen zu Themen wie Sprachtraining oder Leben und Arbeiten in Deutschland“, beschreibt Personaldirektor Karsten Seidel. kann das Gefühl entstehen, sich beweisen zu müssen. Einerseits treten bereits integrierte Mitarbeitende neuen Kollegen sehr empathisch und kultursensibel entgegen. Zum anderen kann aber auch ein Hierarchiedenken entstehen. Abgrenzung ist oft mit einer Minderbewertung der fremden Kultur verbunden.“ Nach den ersten Schritten am neuen Arbeitsplatz liegt das Augenmerk der Verantwortlichen darauf, die Teams zu stabilisieren und einen wertschätzenden Umgang miteinander zu fördern. Boris Ebenthal: „Entscheidend für eine gute Integration ist die Unterstützung aus dem Team und die Zeit, die dem Team zur Einarbeitung der neuen Kolleginnen und Kollegen gegeben wird. Die Beschäftigten sind bei uns jeweils einem festen Bereich zugeordnet. Damit wird ein regelmäßiger Wechsel vermieden und der Zusammenhalt gestärkt.“ Für die Wertschätzung entscheidend ist auch, das Wissen der neuen Teammitglieder anzuerkennen und offen für Unbekanntes zu sein. „Gerade im Gesundheitswesen sind Innovationen wichtig. Mitarbeitende aus anderen Kulturen können hier einen wichtigen Beitrag leisten, neue Ideen einbringen und unerwartete Perspektiven aufzeigen“, bestätigt Dr. Dieter Grupp. Genauso sieht auch Dr. Ulrich Mohl die interkulturelle Zusammenarbeit als Bereicherung: „Diese Vielfalt erweitert den Horizont eines jeden und wir können davon letztendlich nur profitieren, indem wir voneinander lernen, neue Einflüsse und Ansichten annehmen und gegebenenfalls in bestehende Abläufe integrieren und uns dadurch insgesamt weiterentwickeln.“ 39 Boris Ebenthal Bild: Asklepios Klinik Lindau Wertschätzung fördern Doch Maximilian Bosch weiß auch, dass der Einstieg schwierig sein kann: „Neue Kollegen stoßen zu Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit auf Fronten und es