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Kliniken magazin 2020/2021

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Klinikum Landkreis

Klinikum Landkreis Tuttlingen Anzeige Gegen den Schmerz arbeiten alle zusammen Seit fünf Jahren gibt es die Klinik für konservative Orthopädie und orthopädische Schmerztherapie am Klinikum Landkreis Tuttlingen, Standort Gesundheitszentrum Spaichingen 20 Hinter diesem langen und abstrakten Namen verbirgt sich ein Fachgebiet, das vor allem chronische Schmerzen des Bewegungsapparates behandelt. Hier arbeiten Ärzte aus verschiedenen Fachbereichen, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Pflegepersonal, medizinische Fachangestellte und Schmerzexperten eng zusammen. Gemeinsames Ziel ist es, durch konservative Methoden und ohne Operation die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern. Die Schmerzexperten aus dem Landkreis Tuttlingen antworten nachfolgend auf die wichtigsten Fragen zu diesem vielleicht nicht ganz so bekannten Fachgebiet. Bei diesem Fachgebiet steht die multimodale Schmerztherapie im Fokus. Was ist das? Chefarzt Dr. Frank Schuler: Es handelt sich um eine intensive, zwischen den verschiedenen Fachbereichen gemeinsam abgestimmte Behandlung über einen definierten Zeitraum. Ziel der Schmerzbehandlung ist die Wiedererlangung der Funktionen, die durch die Chronifizierung des Schmerzgeschehens verlorengegangen sind. Deshalb wird viel Wert auf körperlich aktivierende Verfahren und das Erlernen von Selbstbewältigungsstrategien gelegt. Die angestrebte Schmerzreduktion darf auf keinen Fall von relevanten Nebenwirkungen begleitet sein. Welche Arten von Schmerzen behandeln Sie? Leitender Oberarzt Daniel Nikolaev: Unser Schwerpunkt sind chronische Schmerzen des Bewegungsapparates. Wir behandeln jedoch auch andere körperbezogene chronische Schmerzen, wie zum Beispiel das chronische regionale Schmerzsyndrom, Kopfschmerzen und weichteilbezogene Schmerzen wie die Fibromyalgie. Warum werden manche Schmerzen zu chronischen Schmerzen? Facharzt Dr. André Glod: Ob aus einem „harmlosen“ Schmerz ein chronisches Schmerzgeschehen wird, hängt von individuellen Faktoren ab, wie zum Beispiel psychosomatischen Belastungsstörungen, vorangegangenen körperlichen oder seelischen Verletzungen oder Mobbing. Die Ursachen einer Schmerzchronifizierung sind immer individuell und oft schwierig zu rekonstruieren. Bedeutung und Intensität des Schmerzempfindens variieren von Mensch zu Mensch. Ein Schmerzreiz, der von einer Person als harmlos angesehen wird und schnell vergessen ist, kann bei einer anderen Person zu einem gesteigerten Dauerschmerz führen. Dies hängt von der individuellen Schmerzverarbeitung und dem Schmerzgedächtnis ab. Diese Prozesse laufen weitgehend unbewusst ab und sind durch Erlebnisse der Vergangenheit und psychosoziale Belastungsfaktoren getriggert. Bei der Klinik für konservative Orthopädie und orthopädische Schmerztherapie arbeiten, rund um Chefarzt Dr. Frank Schuler (hinten rechts), Ärzte aus verschiedenen Fachbereichen, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Pflegepersonal, medizinische Fachangestellte und Schmerzexperten gegen den Schmerz eng zusammen. Wann spricht man von chronischen Kopfschmerzen? Facharzt Dr. André Glod: Bei Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen im Monat über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten spricht man von chronischen Kopfschmerzen. Es gibt eine Viel-

Am Klinikum Landkreis Tuttlingen wenden die Experten die vielfältigen Möglichkeiten der konservativen Orthopädie an: Medikamente oder Infiltrationen, Neuraltherapie, Psychotherapie, Physiotherapie, teilweise mit manuellen oder osteopathischen Techniken, Bewegungstherapie, Entspannungstechniken, Stoßwellentherapie, Kinesiotape oder Akupunktur. Bilder: Klinikum Landkreis Tuttlingen zahl verschiedener Kopfschmerzarten, hier stehen die diagnostische Abklärung und die frühzeitige, individuell angepasste Therapie im Vordergrund. Die Eigendynamik chronischer Kopfschmerzen ist bedeutend und führt zu massiven Einschnitten in der Alltagsbewältigung und Lebensqualität. Welchen Stellenwert haben Schmerzmittel in der Therapie chronischer Schmerzen? Chefarzt Dr. Frank Schuler: Wir sehen Medikamente vor allem als eine zeitlich begrenzte Therapiemöglichkeit oder gelegentlich als kurzfristige Behandlungsalternative. Durch alternative Therapiemöglichkeiten, die individuell auf den Patienten abgestimmt sind, versuchen wir, den langfristigen Gebrauch von Medikamenten zu vermeiden. Wie hängen Schmerzen und Psyche zusammen? Diplom-Psychologin Antje Harder: Wie bereits erwähnt, spielen insbesondere beim chronischen Schmerz neben den körperlichen Problemen oftmals auch psychosoziale Belastungen eine große Rolle. Daher ist es bei langanhaltenden beziehungsweise bei chronischen Schmerzen unerlässlich, sich ein umfassendes Bild jedes einzelnen Patienten zu machen. Chronische Schmerzen und Psyche können sich auch wechselseitig beeinflussen. So sind einerseits der Leidensdruck und die Wahrscheinlichkeit einer Entwicklung einer Depression bei chronischen Schmerzen häufig sehr hoch, andererseits können psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Depression oder eine Angsterkrankung, die Entstehung von chronischen Schmerzen begünstigen beziehungsweise bestehende chronische Schmerzen noch weiter verstärken. Wie behandelt die Psychotherapie chronische Schmerzen? Diplom-Psychologin Antje Harder: Letztlich gibt es in der Psychotherapie keine Grenzen. Einige Patienten tun sich zunächst schwer, sich auf eine psychotherapeutische Behandlung einzulassen, beispielsweise sind sie davon überzeugt, dass ihre Beschwerden rein körperliche Ursachen haben. In der psychotherapeutischen Schmerzbehandlung geht es insbesondere darum, den Betroffenen die Zusammenhänge zwischen Schmerz und psycho-sozialen Faktoren im Rahmen einer Psychoedukation bewusst beziehungsweise bewusster zu machen und die psychischen Ursachen, die Schmerzwahrnehmung, die psychischen, sowie die sozialen Folgen von chronischen Schmerzen zu vermindern. Dabei spielen neue Formen der Schmerzverarbeitung und die Entwicklung von gezielten individuellen Schmerzbewältigungsstrategien eine große Rolle. Wie kann Bewegung (Physiotherapie) bei Schmerzen helfen? Leitender Oberarzt Daniel Nikolaev: Bewegung ist langfristig die entscheidende Komponente. Die Kunst besteht darin, einen Menschen, der sich schmerzbedingt wenig bewegt (Vermeidungsstrategie), so zu unterstützen, dass Bewegung wieder Teil seines Lebens werden kann. Wie sieht ein typischer Therapietag eines Schmerz-Patienten aus? Und wie lange dauert der Aufenthalt? Ute Weniger, Algesiologische Fachassistenz/Schmerzexpertin: 14 Tage dauert ein stationärer Regelaufenthalt. Der Ablauf eines Behandlungstages besteht, nach der morgendlichen Visite, aus der ärztlichen Behandlung (u. a. Akupunktur, Manuelle Therapie, Stoßwellentherapie, Infiltrationen), Einzel-Krankengymnastik, Gerätetraining, psychotherapeutische Gesprächstherapie, Entspannungsübungen, TENS (eine Form der Elektrotherapie) und Schmerzölanwendungen. Die tagesspezifische Therapieauswahl variiert entsprechend der individuellen Bedürfnisse. ■ Kontakt Klinikum Landkreis Tuttlingen Gesundheitszentrum Spaichingen Robert-Koch-Straße 31 78532 Tuttlingen Telefon 07461 97-0 info@klinikum-tut.de www.klinikum-tut.de 21