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Isny Aktuell 06.05.2020

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11 Isny

11 Isny aktuell 6. Mai 2020 Isny aktuell Globalisierung ein Traum! - in der Krise ein Fluch... Isny (WS) - Die Coronakrise hat unsere Gesellschaft und die ganze Menschheit im Griff. Sie fordert zum Nachdenken, ganz sicher auch zu nachhaltigen Korrekturen unseres Handelns heraus. Ein weiter so dürfe es nicht geben. „Immer mehr, immer schneller, immer wirtschaftlicher, immer globaler, immer geldgieriger, immer unverantwortlicher gegenüber der Natur – das wird nicht gut gehen“, so die Überzeugung der Gemeinderätin und Ärztin Dorothee Natalis. Wenn eine Mitarbeiterin in einem Supermarkt klagt, weil ein Regal, vom internationalen Transport abhängiger Produkte, leer ist, so deute diese Aussage auf eine dieser notwendigen Korrekturen hin. „Im Moment kann man sich auf die Lebensmittel aus der regionalen Wertschöpfungskette am Sichersten verlassen“, so hätte diese Verkäuferin fast erleichtert gesagt. In der öffentlichen Diskussion ist zur Zeit häufig von den „systemrelevanten Berufen“ die Rede, die besonders geschützt werden müssten: Krankenhaus- und Altenheimpersonal, die Mitarbeiterschaft der Lebensmittelgeschäfte und der Apotheken, Polizei, Müllabfuhr und die Verantwortlichen für die Energieversorgung und das Wasser. Kommen dabei auch unsere Bauern und Gemüsegärtner angemessen und wertschätzend vor? Diejenigen also, die verlässlich dafür sorgen, dass wir gesunde Lebensmittel für die Küche und schließlich auf dem Tisch haben. Es müssen ja nicht unbedingt Erdbeeren zu Weihnachten und Orangen im Juli sein. Sei's drum. Grundnahrungsmittel sind gemeint. Unsere Bauern sagen in diesen Tagen, dass sie einerseits privilegiert seien, dass sie weniger Ansteckungsgefahren ausgesetzt seien als andere, dass sie immer noch in gewohnter Freiheit wirtschaften können, wenngleich sie auch immer mehr an Grenzen stoßen durch die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten und wegbrechenden Absatzmärkten: Futtermittel, zum Beispiel Soja aus Brasilien. Erntehelfer aus Südosteuropa. Manche Bauern liefern die Milch an Molkereien die vorwiegend Milchpulver produzieren für den Markt in Fernost. Dorothee Natalis, Mitglied des Isnyer Stadtrats und Kreistages, im Gespräch mit der SZ. Fotos: Walter Schmid Dieser Absatz ist weggebrochen, genauso der Markt der Großpackungen mit Milchprodukten für die Gastronomie oder die Miniportionen Butter und Käse für die Ferienregionen Europas. Der Rindfleischpreis gehe sukzessive in die Knie, haben die Landwirte zu beklagen. Lieferketten der Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte geraten ins Stocken. Was lernen wir alle aus der Krise, so fragen sich die Obmänner der Ortsbauernverbände, gemeinsam mit Dorothee Natalis. „Schnelles Geld machen ist nicht nachhaltig, schon gar nicht krisensicher“, so das Urteil des Neutrauchburgers Claus Zengerle, „in der Krise ist der Gewinn auch schnell wieder verloren. Biologisch, nachhaltig, regional, naturschonend, das sind jetzt die Lernprozesse, die uns bewusst werden müssen.“ Alois Dieing aus Kleinholzleute meint zur Lage: „Meine Kühe kann ich nicht in die Kurzarbeit oder in die Arbeitslosigkeit schicken. Auch die Ernte kann nicht verschoben werden. Corona-Ansteckung in den Bauernfamilien wäre sehr schlecht.“ Betriebshelfer gäbe es bei zu vielen Erkrankungen zu wenig. „Wenn Lieferketten geschlossen sind und der Regen auch noch fehlt, dann wird’s schlimm“, so gibt Dieing seine Corona-Sorge weiter. Obmann Hans Mösle aus Rohrdorf fügt hinzu: „Weitgehend regionale Kreisläufe bei der Produktion und beim Absatz der Lebensmittel erweisen sich auch in der Krise als stabil.“ Mösles Wunsch: „dass das Bewusstsein für die Wichtigkeit einer gesunden, verlässlichen, regionalen Landwirtschaft jetzt endlich wächst.“ Dorothee Natalis, Mitglied des Gemeinderats Isny und des Kreistags Ravensburg fragt in der Krise sehr eindringlich an: „Können wir es uns weiter leisten, dass durch den Preisdruck auf Lebensmittel kleine Bauernbetriebe zur Aufgabe gezwungen werden und nur noch die Großen überleben? Dadurch aber auch fast zwangsläufig die Pflege der Biodiversität durch immer intensivere Bewirtschaftung auf der Strecke bleibt? Für Streuwiesen, Biotope und Bergwiesen bleibt da keine Zeit.“ Bitter nötig wäre eine extensive Bewirtschaftung der Böden, nicht nur wegen der Biodiversität, sondern damit sich auch eine Humusschicht entwickeln kann, die klimaschädlichen Kohlenstoff zurückhält. „Denn extensiv bewirtschaftetes Grünland bietet mit seiner Vielfalt an Strukturen und zeitlich gestaffelten Blühabfolgen eine große Vielfalt an Tierlebensräumen. Zum andern hat es auch eine bedeutende Rückhaltefunktion für den klimaschädlichen Kohlenstoff.“ Am 9. Mai ist Weltladentag ISNY - Am zweiten Samstag im Mai ist traditionell der Weltladentag, an dem Weltläden bundesweit Kampagnen zu aktuellen politischen Themen durchführen. Seit 2018 steht das Thema eines verbindlichen Lieferkettengesetzes und der Sorgfaltspflicht von Unternehmen für ihre Produzenten im Mittelpunkt. Faire Arbeitsbedingungen für alle können nur erreicht werden, wenn Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden, Menschenrechte entlang ihrer gesamten Lieferkette zu achten. Leider ist dies nach wie vor nicht der Fall. Dabei wurde bereits 2016 ein Nationaler Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte von der Bundesregierung verabschiedet. Dieser setzt allerdings auf freiwillige Maßnahmen. Er sieht vor, dass bis 2020 die Hälfte der in Deutschland ansässigen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in ihren Unternehmensprozessen integriert haben sollten. Ab 2018 wurde dies durch ein Monitoring überprüft. Wie sich dabei herausstellte, halten sich tatsächlich 80 Prozent der befragten Unternehmen nicht an menschenrechtliche Standards. Offensichtlich reicht eine freiwillige Verpflichtung also nicht aus. Im September 2019 ging deshalb die „Initiative Lieferkettengesetz“ zum erstem mal an die Öffentlichkeit. Es ist ein breites Bündnis von Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen. Alle unterstützenden Organisationen können Sie hier kennenlernen: https://lieferkettengesetz.de/ Immer wieder ereigneten sich in den letzten Jahren schreckliche Katastrophen an denen deutsche Unternehmen direkt oder indirekt beteiligt waren. Bislang müssen Unternehmen für solche Schäden in globalen Lieferketten kaum Konsequenzen zu fürchten. Das will das Aktionsbündnis ändern. In der öffentlichen Debatte findet die Initiative breite Unterstützung, allerdings sind wohl nicht alle notwendigen Akteure in der Bundesregierung von der Notwendigkeit eines Lieferkettengesetzes überzeugt. Vor allem das Wirtschaftsministerium, das unter dem Lobbydruck großer Wirtschaftsverbände steht, versucht, Kriterien abzuschwächen. Ein Meilenstein: Ende 2019 haben sich 42 Unternehmen, die beiden Kirchen, sowie Bundesminister Hubertus Heil und Dr. Gerd Müller für eine gesetzliche Regulierung ausgesprochen. Nun ist es wichtig, auch in Zeiten von Corona am Thema zu bleiben, damit hoffnungsvolle Ansätze nicht der Krise zum Opfer fallen. Auch bei uns hat sich die Corona-Krise bemerkbar gemacht: aufgrund der vorübergehenden Schließung gibt es nun verschiedene Produkte, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum in den nächsten Wochen abläuft. Als Angebote im Mai und Juni werden diese Artikel um 25 Prozent reduziert abgegeben. Die Bergkameradschaft Enzian informiert „Liebe Enzianerinnen, liebe Enzianer, auch wir müssen die geforderten Corona-Maßnahmen umsetzen. Dies bedeutet, dass wir leider alle vorgesehenen Veranstaltungen bis mindestens 31. August aussetzen müssen. Wir hoffen auf Euer Verständnis! Das soziale Miteinander ist nur eingeschränkt möglich, das am Beispiel des Geburtstags von unserem ersten einhundertjährigen Mitglied sichtbar wurde. (Bericht auf unserer Homepage, Amtsblatt „Unsere Bergstätten). Die gesamte Vorstandschaft wünscht euch alles Gute und bleibt gesund!“