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daheim am Ipf - Mai 2022

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Ein Altar feiert

Ein Altar feiert Geburtstag Der Herlin-Altar in der evangelischen Stadtkirche Bopfingen wird in diesem Jahr 550 Jahre alt. Ein besonderes Jubiläum eines ganz besonderen Altars. Die Bopfinger Stadtkirche Sankt Blasius birgt ein Juwel sakraler Kunst, denn im Chorraum der Kirche steht ein prunkvoller spätgotischer Flügelaltar. Gefertigt wurde dieser von dem bekannten Nördlinger Maler und Altarbauer Friedrich Herlin (1430 bis 1500). In diesem Jahr wird der von Herlin 1472 vollendete Altar 550 Jahre alt. Der Herlin-Altar wirft viele kunsthistorische und theologische Fragen auf, denen im Jubiläumsjahr nachgegangen werden soll. 4 Im Chorraum der evangelischen Stadtkirche sticht der prunkvolle Herlin-Altar hervor. Für Pfarrer Steffen Schmid ist besonders bemerkenswert, dass der eigentlich katholische Marien-Altar bis heute in einer evangelischen Kirche stehen geblieben ist. Es gäbe nur ganz wenige

Eine weitere kleine Rarität an der Außenmauer der Kirche: Dieser Stein stammt vermutlich aus einem römischen Pferdestall und ist fast 2000 Jahre alt. katholische Altäre, die im Zuge der Reformation nicht aus evangelischen Kirchen entfernt worden sind. Dies zeige auch, dass die Reformation in Bopfingen vergleichsweise behutsam vollzogen wurde. Es sei mehr als erstaunlich, dass sich ein spätmittelalterlicher Altar 550 Jahre an seinem ursprünglichen Platz halten konnte und nun nicht etwa in einem Museum steht. Der Herlin-Altar stammt aus der Zeit, als Bopfingen katholische Reichsstadt war. Im Jahr 1465 schenkte der Domdekan und Generalvikar zu Straßburg, Graf Johann von Helfenstein, der Kirche eine Reliquie des Heiligen Blasius. Zur Verwahrung dieser Reliquie, bei der es sich vermutlich um einen Oberarmknochen handelte, gab der Stadtrat die Schaffung des Flügelaltars bei Friedrich Herlin in Auftrag. Herlin übernahm die künstlerische Gesamtverantwortung für den Altar, die einzelnen Schreiner- und Schnitzarbeiten und eventuell auch einige Malerarbeiten wurden an weitere Spezialisten vergeben. Um sich den Altar leisten zu können, musste sich die Stadt hoch verschulden. Der Herlin-Altar blieb in der Kirche stehen, auch nachdem diese evangelisch wurde. Zwar gab es Mitte des 20. Jahrhunderts Bestrebungen, den katholischen Altar aus der evangelischen Kirche zu entfernen, die Gemeinde wehrte sich dagegen aber erfolgreich. So steht der Herlin-Altar bis heute in der evangelischen Stadtkirche. Das Herzstück des Herlin-Altars bildet ein Schrein mit drei Holzskulpturen von hoher künstlerischer Qualität. In der Mitte findet sich eine Marienfigur mit Christuskind. Flankiert wird diese von Blasius und Christopherus. Um den katholischen Altar evangelischer zu machen, habe man Ende des 19. Jahrhunderts dem dreispitzigen Zieraufsatz über dem Schrein Figuren von Jesus und zwei Begleitern hinzugefügt, erläutert Pfarrer Steffen Schmid. Jesus steht seitdem erhöht in der Mitte, direkt über der Marienfigur. Die Rückwand des Schreins zeigt die Leidensgeschichte Jesu. Auf den Innenseiten der zwei Altarflügel sind Szenen aus der Geburtsgeschichte des Christuskindes dargestellt. Auffällig ist hier der goldene Himmel, der die Herrlichkeit Gottes darstellen soll. Im Kontrast dazu stehen die Außenseiten der Flügel. Hier werden Folter-Szenen aus dem Martyrium des Blasius unter einem nüchternen blauen Himmel dargestellt. Die Innenseite bekamen Kirchgänger früher nur an Sonn- und Feiertagen zu Gesicht, an normalen Werktagen waren die Flügel des Altars geschlossen. Heute belasse man die Flügel zum Schutz des Altars meistens in geöffnetem Zustand, erklärt Schmid. Der Herlin-Altar in Bopfingens evangelischer Stadtkirche ist überregional bekannt und aus kunsthistorischer Perspektive von immenser Bedeutung. Im Zuge des Jubiläums haben Experten des Landesamtes für Denkmalpflege und der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart den Altar restauriert und untersucht. Auf dem eigentlichen, steinernen Altar ist die sogenannte Predella aufgesetzt. In dieser wurde früher die Reliquie des Blasius aufbewahrt. Heute stehen hinter dem Eisengitter der Predella Schnitzfiguren aus dem 15. Jahrhundert, die Jesus und die Zwölf Apostel darstellen. Über den Verbleib der Reliquie ist nichts bekannt. In der Bopfinger Stadtkirche Sankt Blasius findet sich mit dem Herlin-Altar ein besonderes Juwel sakraler Kunst. 5