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daheim am Ipf - Mai 2022

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20 Sein neues Leben als

20 Sein neues Leben als Kämpfer tut Christian Jungwirth gut. Sport sei seine Medizin, er habe einen besseren Menschen aus ihm gemacht, so der 35-Jährige, der mindestens zweimal pro Tag trainiert. Ganz vom MMA leben kann er allerdings noch nicht. Bis vor Kurzem hatte er einen Hauptsponsor, der während der Corona-Zeit absprang. Aktuell arbeitet Jungwirth halbtags bei Re-Bo in Bopfingen. Die Firma bietet ihm die Möglichkeit, seine Zeit einzuteilen, weiterhin zweimal pro Tag zu trainieren und sich dazu noch seiner Familie zu widmen. Den Wegfall seines Hauptsponsors möchte Jungwirth nicht als Rückschritt verstehen. „Ich lebe im Hier und Jetzt. Und im Moment brauche ich eben einen Arbeitgeber. Dafür bin ich Re-Bo sehr dankbar. Schließlich habe ich eine Frau und eine Tochter. Und es muss jeden Tag etwas zu essen auf dem Tisch stehen.“ Seine heutige Ehefrau hat der Kämpfer übrigens kennengelernt, bevor er mit dem Kampfsport begonnen hat. Sie wisse, dass er ein „Verrückter“ sei. Aber es sei auch nicht immer einfach, da er wegen des Trainings und der Kämpfe häufig von zu Hause weg ist. Viele bringen MMA mit Brutalität und blutüberströmten Körpern in Verbindung. Für Christian Jungwirth ein Irrglauben. Klar bekomme man etwas ab und bei einem blöden Treffer fließe schon einmal Blut. Das sei aber nicht die Regel. „Beim American Football gibt es weitaus mehr und vor allem schlimmere Verletzungen.“ Zudem sei der Kampf beim MMA auf den ganzen Körper verteilt und nicht so kopfzentriert wie beim Boxen. „Aber es ist kein Sport für Weicheier. Mein Gegner will mir wehtun, aber vorher tue ich ihm weh“, erklärt Jungwirth und grinst. Beim Mixed Martial Arts kann ein Kämpfer durch Knockout (Ko), technischen Knockout, über Punkte und durch Haltegriffe gewinnen. Für Jungwirth aber gibt es nur eine Möglichkeit: „Du musst mich umhauen, das ist die einzige Möglichkeit, um mich zu stoppen, denn ich werde niemals abklopfen und aufgeben.“ Ähnlich beschreibt er auch seinen Kampfstil: „Ich gehe immer nach vorne und lasse dem Gegner keinen Platz, um zu atmen.“ Christian Jungwirth muss sich nicht lange auf einen Kampf vorbereiten. Er ist immer vorbereitet. Normalerweise bleiben einem MMA-Kämpfer rund sechs bis acht Wochen Zeit, um sich auf einen bevorstehenden Wettbewerb einzustellen. Wenn dann einer ausfällt, muss Ersatz gefunden werden. Jungwirth ist auf diese Weise an fast die Hälfte seiner Kämpfe gekommen. „Ich bin immer fit, immer im Training und kann morgen kämpfen“, betont er. Abseits von Blut, Schweiß und Metall ist Jungwirth Familienmensch, verbringt so viel Zeit wie möglich mit Familie und Freunden. Er trinkt sehr wenig Alkohol. Zudem achtet er streng auf seine Ernährung. Das jedoch fällt dem Bopfinger manchmal schwer. Er mag es eigentlich gerne deftig, muss aber meistens drauf verzichten, ebenso wie auf Süßigkeiten und das gute Essen seiner Mutter, die das „Bürgerstüble“ in Bopfingen betreibt. Aber wenn er weiß, dass kein Kampf bevorsteht, gönnt sich Jungwirth auch hin und wieder ein Stück Pizza oder Kuchen. Ansonsten sieht der Speiseplan des Kämpfers hauptsächlich Haferflocken, Nüsse, Leinsamen, Hirse und Datteln vor – garniert mit einem Löffel Honig. Dazu gibt es Salat, Reis und Kartoffeln, aber wenig Fleisch. Brutal wird es für ihn auf der Ipfmesse. Dort hat seine Mutter einen Stand und Jungwirth hilft gerne am Grill aus. Dann ist er umgeben von Würstchen, Ćevapčići und allerhand Süßigkeiten. Und ausgerechnet kurz nach dem größten Volksfest der Region steht häufig ein Kampf an. Also: verzichten. Apropos essen: Steht ein Wettbewerb bevor, beginnt für den Kämpfer ein ganz spezielles Programm mit verändertem Ernährungsplan. Zudem trinkt er tageweise sehr viel und dann wieder sehr wenig Wasser. Zum Ende hin folgt noch eine Prozedur aus Saunagängen, Cremes und Schwitzanzügen. Das Ziel ist dann, das Körpergewicht von normalerweise rund 86 Kilogramm auf 77 zu reduzieren. 77 Kilogramm sind Jungwirths Kampfklasse. Jungwirth erinnert sich noch gut an seinen ersten Kampf in der Amateurklasse. Die Knie hätten ihm gezittert. Der zweite Kampf war schon semiprofessionell, danach folgte gleich sein erster als Profi. Gerne würde er in die amerikanischen Ligen aufsteigen, in denen die Besten der Welt kämpfen. Daran arbeitet er hart, will sich zeittechnisch aber keinen Druck machen. Sollte es irgendwann funktionieren, würden er und seine Familie auch in die USA umziehen. Mit 30 Grad Celsius in Florida könnte er sich schon anfreunden, erzählt der 35-Jährige, dem es dennoch schwerfallen würde, seine geliebte Heimat Bopfingen zu verlassen. Der Bopfinger weiß, was er erreicht hat und möchte ein gutes Vorbild für die Jugend sein. „Das, was ich geschafft habe, ist in diesem Alter fast unmöglich. Ich möchte jungen Menschen zeigen, dass man alles erreichen kann, wenn man nur genügend Disziplin und Ehrgeiz hat.“ Sei Kampfname ist übrigens „The Kelt“, passend zu Bopfingen. Die Stadt verfügt bekanntlich über ein reiches keltisches Kulturerbe. Die Kriegskunst der Kelten sei zudem sehr faszinierend, sagt Jungwirth, der vor jedem Kampf auf den Ipf steigt, um dort oben Kraft zu tanken. Sein Ritual. „Ich hole mir Inspiration von den Keltenkriegern.“ Aktuell arbeiten Jungwirth und der Gewerbe- und Handelsverein Bopfingen (GHV) an einer Kooperation. Der 35-Jährige soll in einer multimedialen Werbekampagne zum Aushängeschild der Geschäftstreibenden am Ipf werden und als starker Kämpfer eine starke Region repräsentieren.

Die kleine engagierte Mannschaft vom Autoservice Salenbauch. Die moderne Werkstatt von Firma Salenbauch. Seit der Eröffnung des Autohauses Plöchl 1976 galt der Bopfinger Ortsteil Oberdorf als bekannter Anlaufpunkt für alles rund um das Auto – egal ob Neuwagen oder zuverlässige Reparatur der alten Familienkutsche. 2019 war dann aber Schluss. Das Autohaus Mulfinger, das die Pacht 2013 übernommen hatte, zog um. Das Firmengebäude blieb zunächst leer. Bis im September 2021 ein alter Bekannter zurückkehrte. Der neue Inhaber Markus Salenbauch hat selbst 30 Jahre lang für die Autohäuser Plöchl und später Mulfinger gearbeitet. Ein Anfänger ist er also gewiss nicht. Auch wenn die Selbständigkeit durchaus einige Neuerungen mit sich bringt. „Jetzt bin ich vom Inhaber, über den Geschäftsführer bis hin zum Hausmeister alles hier“, fasst der frischgebackene Chef der Firma Autoservice Salenbauch scherzend zusammen. An den Autos muss Salenbauch aber glücklicherweise nicht allein Hand anlegen. Mit Jonas Funk und Lars Zellinger stehen ihm zwei erfahrene Mechaniker zur Seite, die er einst selbst ausgebildet hat. „Da weiß man, was man hat“, zeigt sich der Chef zufrieden. „Wir haben hier wirklich bei null angefangen. Außer dem Gebäude war nichts an Werkstatt- und Bürotechnik mehr vorhanden“, erzählt Markus Salenbauch. Inzwischen hat das Geschäft aber wieder Fahrt aufgenommen. Sogar die frühere Stammkundschaft kehrt nach und nach wieder nach Bopfingen zurück. Salenbauchs Auto & Service bietet wieder den bekannten Kfz-Rundum-Service für Fahrzeuge aller Hersteller. Neben den üblichen Reparaturen, Services und der TÜV-Prüfung, bietet die Werkstatt sogar die Restauration von Oldtimern an – alles schnell und flexibel. Es dürften sich allerdings ohnehin die wenigsten Kunden daran stören, ein paar Minuten auf ihr Fahrzeug zu war- Markus Salenbauch inspiziert nochmal alle Fahrzeuge selbst. ten. Denn bei Salenbauch wird der gratis Kaffee während der kleinen Reparatur zum besonderen Erlebnis: „Café Ipfblick“ ist der inoffizielle Name, den ein Kunde dem Schauraum verliehen hat. Der Name verrät viel: Durch die große Fensterfront kann man den Blick wunderbar über den Zeugenberg und den Ipf wandern lassen. Der besagte Kunde komme hin und wieder auch vorbei, wenn es nichts am Auto zu machen gebe. „Und das finde ich einfach gut, denn bei uns ist jeder herzlich willkommen“, freut sich Salenbauch. Text: Christoph Knauthe Fotos: Privat 21