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BUSINESS today | September 2019 - Ost

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MENSCHEN BUSINESS LEBENSLÄUFE DOROTHEE HESS-MAIER Verlegerin aus Passion Sie zeichnete sich immer durch eine besondere Zurückhaltung und Bescheidenheit aus. Umso bemerkenswerter ist der Lebens- und Berufsweg von Dorothee Hess-Maier. In ihrer langjährigen Tätigkeit für die Ravensburger AG (früher Otto Maier Verlag) hat sie das traditionsreiche Verlagshaus und vor allem dessen Wertvorstellungen maßgeblich mitgeprägt. Von Rolf Dieterich Die Verlegerin Dorothee Hess-Maier. Bild: Ravensburger AG Die bisher einzigen Vorsteherinnen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: Dorothee Hess-Maier (1989-1992, links) und Karin Schmidt Friderichs (ab Oktober 2019, rechts). Bild: Tobias Bohm Die Pädagogische Hochschule Weingarten verlieh 2014 Dorothee Hess-Maier die Würde einer Ehrensenatorin. Dazu gab es einen Blumenstrauß vom damaligen Rektor Werner Knapp. Bild: PH 64

Es war typisch für Dorothee Hess-Maier, als sie 1995 ihre Berufung zur Sprecherin des Vorstands der Ravensburger AG als eine „nur leichte Heraushebung“ bezeichnete. Na ja, so ganz leicht war die Heraushebung vielleicht doch nicht, immerhin ist sie Mitglied der Eigentümerfamilie. Im Unternehmen hatte es auch nie Zweifel gegeben, wer die Chefin war. Dazu brauchte es keiner lauten Worte, dafür sorgte schon ihre natürliche Autorität. Vor allem aber verkörperte Dorothee Hess-Maier die besondere Kultur von Ravensburger in hervorragender Weise. Sie war nie einfach Unternehmerin, sondern in erster Linie Verlegerin aus Passion und Wächterin der Werte des alten Familienunternehmens. Diese Werte, die mit den Leitbegriffen „Unterhaltung“ und „Bildung“ zu beschreiben sind, bestimmten (und bestimmen) nicht nur, aber vor allem das Produktprogramm der Ravensburger AG. Bei aller Aufgeschlossenheit auch fürs Neue wurden (und werden) die selbst gesetzten Grenzen hinsichtlich Ethik und Geschmack immer beachtet. Dorothee Hess-Maier, Enkelin des Firmengründers Otto Maier, hatte sich mit einem Studium der Kunstgeschichte und einer Lehre als Verlagsbuchhändlerin auf ihren Beruf im familieneigenen Unternehmen vorbereitet. Ihre erste verantwortliche Position war die Leitung des Buchverlags. Ab 1978 führte sie gemeinsam mit ihrem Cousin Otto Julius Maier den Buch- und den Spieleverlag, und als sich Otto Julius Maier 1995 aus dem operativen Geschäft zurückzog, übernahm sie bis 2000 die Rolle der Sprecherin des Vorstands der Ravensburger AG. Anschließend wechselte sie in den Aufsichtsrat als stellvertretende Vorsitzende. Im Unternehmen selbst hat die inzwischen 82-Jährige keine offizielle Funktion mehr. Sie ist zwar nach wie vor Gesellschafterin der Ravensburger Holding GmbH & Co. KG, in der Geschäftsführung hat sie aber ihr Sohn, Rechtsanwalt Albert Hess, abgelöst. Den Vorsitz im Stiftungsrat der gemeinnützigen Stiftung Ravensburger Verlag hat Dorothee Hess-Maier jedoch weiterhin inne. Diese Aufgabe ist ihr wohl auch ein Herzensanliegen. Die Stiftung kümmert sich vor allem um die Themen Kinder und Familien sowie Bildung und Erziehung. In ihrem Büro in der Ravensburger Marktstraße ist Dorothee Hess-Maier auch heute noch regelmäßig anzutreffen. Neben ihren beruflichen Verpflichtungen im Familienunternehmen hat sich die Verlegerin auch vielfach ehrenamtlich betätigt. Eine Aufgabe, die bundesweite Beachtung fand, war das Amt der Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels von 1989 bis 1992. In der damals 164-jährigen Geschichte des Börsenvereins war sie die erste Frau in dieser Spitzenposition und bis jetzt auch die einzige. Im Oktober 2019 wird Karin Schmidt-Friderichs als zweite Frau dieses wichtige Amt antreten. Dorothee Hess-Maiers Rat war aber auch in anderen namhaften kulturellen Institutionen gefragt, so als Mitglied des Bildungsrats Baden-Württemberg, als Mitglied des Aufsichtsrats des Landesinstituts für Schulentwicklung und als Mitglied des Hochschulrats der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Dass bei so viel Engagement auch die entsprechenden Ehrungen nicht ausblieben, versteht sich fast von selbst. 1997 erhielt Dorothee Hess-Maier die Friedrich-Perthes-Medaille des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, 1999 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, 2006 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2007 die Ehrenmedaille der Stadt Ravensburg und 2014 die Würde einer Ehrensenatorin der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Im Sommer 1999 hatte die „Wirtschaftswoche“ Dorothee Hess-Maier in ihre Liste der „Powerfrauen“, also der 100 angeblich einflussreichsten Frauen Deutschlands, aufgenommen. Über diese „Auszeichnung“, sagte die Verlegerin damals, habe sie sich nur amüsiert, denn als eine Powerfrau fühle sie sich keineswegs. Über diesen Begriff kann man sicher auch diskutieren. Aber dass Dorothee Hess-Maier in ihrem langen und erfolgreichen Berufsleben außergewöhnlich viel Kraft bewiesen hat, ist wahrlich nicht zu bestreiten. Kinder und Familien stehen im Fokus sowohl der Ravensburger AG als auch der Stiftung Ravensburger Verlag, deren Stiftungsrat Dorothee Hess-Maier als Vorsitzende leitet. Bild: Ravensburger AG Im Traditionsgebäude des Verlags in der Ravensburger Marktstraße hat Dorothee Hess-Maier bis heute ihr Büro. Bild: Ravensburger AG 65