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BUSINESS today | September 2019 - Ost

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TITELGESCHICHTE fehlende

TITELGESCHICHTE fehlende Einbindung in die Organisation des Unternehmens und die Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Wichtig, so das Fazit der Experten, seien deshalb „Digitalisierungsspielregeln“, die sowohl das Kommunikationsverhalten und die Erreichbarkeit der Mitarbeiter wie auch den Rahmen der Flexibilisierung klar definieren. Neben der körperlichen Gefährdungsbeurteilung wird in Zukunft auch die Beurteilung hinsichtlich psychischer und sozialer Belange eine tragende Rolle im Arbeitsschutz spielen. Wo Entgrenzung droht, muss Abgrenzung gelernt „Die Beschäftigten sollten einen gesunden Umgang mit der Digitalisierung erlernen.“ Professor Dr. med. Christoph Straub, Barmer und gelebt werden. „Die Beschäftigten sollten daher einen gesunden Umgang mit der Digitalisierung erlernen. Hier sind die Betriebe, Führungskräfte, aber auch die Beschäftigten selbst gefragt. Viele von ihnen setzen sich bereits selbst Grenzen, und das ist auch richtig. Rund 39 Prozent der Beschäftigten geben an, die Zeit, in denen sie ihre beruflichen Smartphones und Tablets in ihrer Freizeit nutzen, aktiv zu begrenzen“, sagte Professor Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer anlässlich der Pressekonferenz zur Vorstellung der Studie „Digital arbeiten und gesund leben“, welche die Barmer in Kooperation mit der Universität St. Gallen ebenfalls 2018 durchgeführt hat. Demnach fühlen sich Arbeitnehmer, die digitale Arbeitsmittel auch in der Freizeit nutzen, emotional etwas erschöpfter (25 Prozent) als diejenigen, die es nicht tun (23 Prozent). 26 Prozent der Beschäftigten geben an, sich nervös oder gestresst zu fühlen. Überraschen mag das Ergebnis, dass junge Beschäftigte die digitale Überlastung stärker wahrnehmen als ältere. So fühlen sich 17 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, 19 Prozent der 30- bis 39-Jährigen und 16 Prozent der 40- bis 50- Jährigen von den täglich zu verarbeitenden Informationen überwältigt. Bei den über 60-Jährigen sind es dagegen nur noch fünf Prozent. Immerhin ein Viertel der Berufstätigen fühlt sich emotional erschöpft – ein Anzeichen dafür, dass deren Gesundheitskompetenz geschult werden sollte. Christoph Straub: „Zu einem gesunden Umgang mit der Digitalisierung gehört, dass Beschäftigte in ihrer Freizeit die beruflich assoziierte Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnik aktiv begrenzen können. Unternehmen, die dafür die Rahmenbedingungen schaffen, haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die weniger Konflikte zwischen Beruf und Privatleben austarieren müssen und sich über die Zeit emotional weniger erschöpft zeigen.“ Soziale Kompetenzen fördern Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wurde bereits 2017 die Studie „Ressource „Es gibt gewisse Fähigkeiten, die gelernt werden müssen, damit man sich den sich verändernden Anforderungen anpassen kann.“ Weiterbildung“ vorgestellt, für die weltweit rund 18.000 Arbeitnehmer befragt wurden. Die Teilnehmer gehen davon aus, dass 65 Prozent der Jobs, welche die Generation Z, also die zwischen 1995 und 2010 Geborenen, einmal ausführen wird, noch gar nicht existieren. Dr. Ludger Schuknecht, stellvertretender Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), sagte Ende April im Deutschlandfunk dazu: „Es gibt gewisse Fähigkeiten, die einfach gelernt werden müssen, damit man später sich auch besser den sich verändernden Bedingungen anpassen kann. Dazu gehören vor allen Dingen die kognitiven Fähigkeiten. [...] Darüber hinaus müssen wir uns vielleicht in Zukunft noch mehr Gedanken darüber machen, wie wir bei uns bestimmte Fähigkeiten stärker fördern wie Kreativität und soziale Kompetenz. Da sind wir nicht schlecht, aber da steckt auch die Forschung erst am Anfang, weil diese Fähigkeiten nicht so gut wegrationalisiert werden können, weil sie nicht Digitalisierung und Automatisierung zum Opfer fallen können und entsprechend wird die Nachfrage nach diesen Fähigkeiten weiter steigen.“ 12

Technologie Der Mensch im Mittelpunkt neuer Technologie Die Telekom-Innovationseinheit Shareground und die Universität St. Gallen haben aus 60 Experteninterviews die 25 Megatrends für die Arbeit 4.0 abgeleitet. Sie halten fest, dass nicht-lineares Denken eine menschliche Domäne bleiben wird und sich kreative Tätigkeiten weiterhin nicht durch künstliche Intelligenz ersetzen lassen. Personenbezogene Dienstleistungen mit unmittelbarer menschlicher Interaktion werden voraussichtlich aufgewertet. Und der „Latte Macciato Arbeitsplatz“ ist verstärkt im Kommen – will heißen, dass sich der Arbeitsplatz auch in den öffentlichen Raum hinein verlagert und nicht nur auf Büros oder ein Home Office beschränkt bleibt. Soziale Kompetenzen sind also wichtig, oder werden sogar noch wichtiger. Das spiegelt sich auch im Trend „Führen auf Distanz“ – hier müssen Führungskräfte fit werden, um persönliche Bindungen auch über technische Kanäle aufzubauen und in Zukunft mehr zu motivieren als zu kontrollieren. Der Arbeitsschutz 4.0 hat ein breites Aufgabenfeld – es wird wohl nicht damit getan sein, den Mailserver über Nacht herunterzufahren. Die technologische Entwicklung schreitet rasch voran: So werden schon jetzt Büroräume oder Fabrikhallen über ambiente Technologien oder die sogenannte Umgebungsintelligenz geregelt. Lüftung, Heizung oder Beleuchtung – die Systeme reagieren auf Personen- oder Umgebungsparameter und steuern diese selbständig nach vordefinierten Kriterien. Dazu können auch Maßnahmen zur Leistungssteigerung der Mitarbeiter gehören, wie regulierte Helligkeit, die Zusammensetzung des Lichts, Temperatur oder Düfte. Als Wearables bezeichnet man Mini-Computer, die am Handgelenk getragen werden können. Endverbraucher nutzen die Geräte bereits als Fitness-Tracker – im Arbeitsleben können sie dem Nutzer Informationen aus der Augmented Reality liefern, aber auch Auskunft darüber geben, wo im Unternehmen sich ein Mitarbeiter aktuell aufhält. Augmented Realtity ist die computergestützte Erweiterung der Wirklichkeit: Vom Menschen visuell gewonnene Informationen werden durch Daten aus dem Computer ergänzt. So gibt es beispielsweise Datenbrillen, die Monteure bei der Reparatur von Maschinen unterstützen, selbst wenn die Monteure die Maschine vorher noch nie gesehen haben. 13