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BUSINESS today | März 2022 - Ost

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FINANZEN INTERVIEW MIT

FINANZEN INTERVIEW MIT CHRISTIAN VONDER HEYDT „Wir sparen ganz falsch“ Warum sparen die Deutschen so gern? Warum sparen sie noch lieber bei uns im Süden? Macht es überhaupt noch Sinn, bei den niedrigen Zinsen oder gar Minuszinsen zu sparen? Über diese Fragen und mehr haben wir mit dem Leiter des Wirtschaftsmuseums Ravensburg, Christian von der Heydt, gesprochen. VonStefanie Rebhan Herr vonder Heydt, seit wann sparen die Menschen eigentlich? Im 18. Jahrhundert kam das moderne Sparen auf. Die erste deutsche Sparkasse entstand 1778 in Hamburg, doch zuvor schwappte die Idee von Frankreich herüber. Der Ursprungsgedanke war, dass jeder Mensch reich werden könne und es nicht von Gott gewollt ist, arm zu sein. Am Armsein war man ab jetzt selbst schuld. Man ging davon aus, dass die Armen mit Geld nicht umgehen können und bot ihnen an, das Geld für sie zu verwalten. Bald haben dann auch die anderen Bürger ihr Geld in solche Institute gebracht. Wie haben die Menschen reagiert, als ihr Geldnach dem Ersten Weltkrieg nichts mehr wert war? Das war natürlich heftig, sozusagen der große Sündenfall. Alles Gesparte wurde durch die Hyperinflation vernichtet und obwohl das Vertrauen der Sparer dahin war, kam es überraschend schnell zurück. Das Sparen im Nationalsozialismus war dann fast schon nationale Pflicht. Es wareine Tugend, und dieser Gedanke hat sich bis heute erhalten. Balddarauf haben die Deutschen aber wieder nahezu alles verloren. Richtig, es hat die Deutschen offenbar jedoch nicht nachhaltig erschüttert, dass ihr erspartes Geld auch nach dem 2. Weltkrieg wieder nichts mehr wert war. Christian vonder Heydt hatgerade eine Ausstellung zum Thema Sparen entwickelt. Im Wirtschaftsmuseum Ravensburg ist seit wenigen Tagen die Jubiläumsausstellung „Sparen –die Geschichteeiner deutschenTugend“ zu sehen. Als die D-Mark eingeführt wurde, haben die meisten der neuen Währung nämlich vertraut. DieDeutschen haben aktuell die zweitgrößte Sparquote Europas. Warum sind wir solche Super- Sparer? Die Deutschen sind sehr risikoavers. Uns bedrückt immer die Angst, alles zu verlieren. Außerdem haben wir ein sehr klassisches Spar-System mit unseren Banken –esist übersicher.Andere Länder kennen gar keine Sparkassen in dem Sinne. Tatsächlich halten deutsche Banken derzeit Kundeneinlagen in Höhe von rund 2,4 Billionen Euro (StandApril 2020). Zinsen gibtesjanichtgerade viel … Und das ist das Problem. Obwohl wir am meisten sparen, kommt dabei nichts raus. Da liegen wir auf den hinteren Plätzen in Europa. Wir sparen ganz falsch. Auch die Sparkassen wollen nicht, dassdas ganze Geld dort gelagert wird. Nicht nur die Inflation macht das Geld kaputt, die Sparkassen müssen Strafzinsen an die Europäische Zentralbank zahlen, wenn zu viel Geld vorhanden ist. Wie sollten wir denn richtig sparen? Die Bürger sollten in Sachwerte investieren, Immobilien etwa. Oder in Gold. Oder in Aktien, die für einen arbeiten. Werdas Risiko scheut, kann sein Geld in Form von Fonds anlegen und Unternehmen wählen, bei denen es gerade gut läuft –beispielsweise im produzierenden Gewerbe. Wersich nicht damit beschäftigen möchte, kann einen Experten damit beauftragen. 20

Anzeige REKORDERGEBNISIMWERTPAPIERABSATZ HeidenheimerVolksbank mit stabilem Geschäftsverlauf Auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie hat sich die Heidenheimer Volksbank gegenüber allen Widrigkeiten gut behaupten können und ist mit dem Geschäftsverlauf durchaus zufrieden, wie der Vorstandsvorsitzende Oliver Conradi berichtet. „Besonders das Wertpapiergeschäft hat in diesem Jahr sehr viel Freude bereitet“, so Conradi. Allein die Käufe von Anlagezertifikaten, Aktien, Vermögensverwaltungen und Fonds stiegen um 25 Prozent auf über 228 Millionen Euro. Und auch für die Kunden war das Börsenjahr ein Erfreuliches. Denn nur die Zinszahlungen aus den Anlagezertifikaten betrugen über 1,8 Millionen Euro. Ein stolzes Ergebnis, besonders im Vergleich zur Negativzinspolitik durch die EZB und die schleichende Enteignung der Sparer durch die aktuell hohe Inflation. Immer mehr gefragt sind zudem nachhaltige Geldanlagen, die in 2021 bereits einen Bestand von über 145 Millionen Euro ausmachen. Gerade die angesprochene Negativzinspolitik ist aber ein Thema, das dem Vorstandsvorsitzenden Sorgen bereitet. Denn auch die Volksbank hat einen Minuszins von 0,5 Prozent für den Einlagenüberschuss zu leisten. Dies schlug 2021 mit deutlich über einer halben Million Euro Aufwand zuBuche. Im bilanziellen Geschäft kann dieVolksbank sowohl im Anlagen- wie auch im Kreditbereich Steigerungen vermelden. Nicht zuletzt durch den coronaverschuldeten Konsumrückgang stiegen die bilanziellen Kundeneinlagen auf rund 1,1 Milliarden Euro. Zusammen mit den außerbilanziellen Geldanlagen ergibt sich ein gesamtes betreutes Kundenvermögenvon über 2,4Milliarden Euro. 21