Aufrufe
vor 9 Monaten

BUSINESS today | März 2022 - Ost

  • Text
  • Unternehmen
  • Region
  • Menschen
  • Champions
  • Aalen
  • Heidenheim
  • Startups
  • Carolin
  • Zukunft
  • Franke

TITELGESCHICHTE Jeder

TITELGESCHICHTE Jeder berührt diese Produkte So gut wie jeder ist schon einmal mit einem Produkt der Firma Rafi bei Ravensburg inBerührung gekommen –aber kaum einer weiß es. Es handelt sich um einen Hersteller elektromechanischer und elektronischer Bauelemente und Systeme zur Mensch-Maschine-Kommunikation. Rafi-Geschäftsführer Lothar Arnold sagt: „Häufig kommen die Menschen sogar schon vor ihrer Geburt mit einem unserer Produkte in Berührung. Zumindest indirekt, denn die Bedienelemente von fast allen Ultraschallgeräten haben wir hergestellt.“ Wereinen Aufzug bedient, drückt ebenfalls auf die Tasten von Rafi. Das bekannteste Produkt, das komplett von diesem Hidden Champion für eine Berliner Firma hergestellt wird, ist der Router mit der Bezeichnung Fritzbox. Da die Produkte von Rafi nicht direkt an den Endkunden gehen, hält Arnold es für wenig sinnvoll, eben dort Werbung zu machen. So „verbirgt“ sich das Unternehmen, das in seiner kleinen Nische Weltmarktführer geworden ist. Branchenvielfalt istkrisenfest Zum Erfolgsrezept gehört für den Geschäftsführer vor allem die Branchenvielfalt. „Sie macht uns krisenfest. Wenn es im Industriebereich wirtschaftlich nicht so gut läuft, dann vielleicht im Medizinbereich.“ Während der Corona-Pandemie sei beispielsweise die Fritzbox stärker nachgefragt worden, weil das Homeoffice an Bedeutung gewonnen hat. Außerdem hält Rafi Innovationsfähigkeit für ein wichtiges Standbein, um ein Hidden Champion zu werden. Die eigenen Mitarbeiter seien stets mit Neuentwicklungen beschäftigt. Die Fertigungstiefe sei ebenfalls ein Vorteil. „Wir sind für das Produkt verantwortlich, von der Entwicklung bis zur Auslieferung“, sagt Arnold. Das meiste werde selbst erledigt, wie Betriebsmittelbau, Elektronikfertigung, oder Soft- und Hardwareentwicklung. Aufzum Endverbraucher Liqui Moly bewegt sich schon seit einiger Zeit aus dem Bereich der Hidden Champions hinaus, indem das Unternehmen mittlerweile viel Energie in die Öffentlichkeitsarbeit steckt. Das Bild der Marke ist vielen bekannt, doch kaum jemand weiß, dass der Hersteller von Motorenölen seinen Sitz in Ulm hat. „Tatsächlich können wir mit einigen der weltweit größten Ölkonzerne wie Shell oder BP konkurrieren und das, obwohl wir nur 1000 Mitarbeiter haben“, sagt Marco Esser, Leiter der Unternehmenskommunikation von Liqui Moly. Die Übernahme von Hidden Champions durch chinesische Unternehmen betrachtet er nicht als großes Problem. Das Vorgehen sei vielmehr einTeil der Globalisierung, in deren Rahmen andere Märkte versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen. Wenn ein Unternehmen kurz vor der Insolvenz steht, mache ein Aufkaufen durch ausländische Betriebe sogar Sinn. 2018 wurde auch Liqui Moly verkauft –allerdings an die Würth-Gruppe, ihres Zeichens ebenfalls erfolgreiche Unternehmensgruppe aus Deutschland. Es kommtauf den Chorgeistan Den klaren Vorteil eines Hidden Champions sieht Marco Esser darin, dass das Unternehmen durch seine mittlere Größe „unglaublich schnell“ Entscheidungen treffen könne, während die Mühlen bei großen Konzernen eher langsam mahlen.Vorallem aber sei es einfacher,sich Kundenwünschen anzupassen. Esser: „Die Kunden haben bei uns einen persönlichen Ansprechpartner, bei dem der Handschlag noch zählt. Wir können unseren Service individuell anpassen. Wir denken global, handeln aber lokal.“ Ein weiterer Grund für den zunächst „heimlichen“ Erfolg der Firma sieht Marco Esser im Chorgeist. Die Mitarbeiter seien eine eingeschworene Gemeinschaft, stolz auf die Marke und stolz auf das, wassie zusammen erreicht hätten. Dass Baden-Württembergeins der Bundesländer mit den meisten Hidden Champions ist, wundert Marco Esser nicht. Er sagt: „Hier gibt esmehr traditionelle, teilweise uralte Familienunternehmen als anderswo. Das Arbeiten steckt irgendwie inihnen, während sie in eigener Verantwortung stehen.Alle Mitarbeiter stehen oft ineinem persönlichenVerhältnis zueinander.“ Die Menschen hier seien zwar konservativ und bodenständig, aber weltoffen, zudem punkte das Bundesland mit einem sehr guten Bildungssystem. Maschinenbau stark vertreten In der Region Bodensee-Oberschwaben sitzen zahlreiche Hidden Champions in ganz unterschiedlichen Branchen, sagt die IHK Bodensee-Oberschwaben „Business Today“. Bundesweit fänden sich die meisten Hidden Champions im Bereich Maschinenbau –das sei auch die Branche mit dem höchsten Beschäftigtenanteil in der Region Bodensee-Oberschwaben. Genannt seien an dieser Stelle beispielsweise die Unternehmen Winterhalter Gastronom, Rafi, ToxPressotechnik oder Risomat. Dr.SönkeVoss,stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, erzählt: „Hidden Champions tragen in erheblichem Umfang zum regionalen Innovationssystem, zum Erfolg und zur Sichtbarkeit des Standortes für Zulieferer, Kunden und Fachkräfte bei.“ 12

© NDABCREATIVITY -stock.adobe.com 13