Aufrufe
vor 11 Monaten

BT_01-2021_OST_epaper

  • Text
  • Zukunft
  • Produkte
  • Digitalisierung
  • Welt
  • Heidenheim
  • Menschen
  • Digitale
  • Mitarbeiter
  • Homeoffice
  • Unternehmen

NEUE ARBEITSWELT

NEUE ARBEITSWELT INTERVIEW MIT ZWEI EXPERTEN ZUM THEMA NEUE ARBEITSWELTEN „Es gibt nicht mehr den einen Arbeitsplatz“ NEUE ARBEITS- WELT Die Arbeitswelt von gestern wird nicht mehr dieselbe sein wie die von heute oder morgen. Hier hat die Corona-Pandemie einen entscheidenden Beitrag geleistet. Wie stark wird sich das Homeoffice etablieren und wie sehr werden sich in diesem Zusammenhang Büroräume verändern? Diesen und mehr Fragen haben sich Walter Meinlschmidt, CEO der Meinlschmidt Unternehmensgruppe, sowie Stephan Derr, Vorstand der Steelcase AG, in einem Doppelinterview gestellt. » Wird Homeoffice die Lösung der Zukunft sein? Walter Meinlschmidt: Nein, Büros wird es weiterhin geben, aber es gibt nicht mehr den einen Arbeitsplatz. Das Büro wird ein Ort des persönlichen Kontakts, ein Treffpunkt der Mitarbeitenden, Geschäftspartnern und Kunden; ein Ort der menschlichen Nähe. Gerade da haben viele Unternehmen Nachholbedarf. Schließlich konkurriert das Büro zukünftig mit dem Homeoffice – und muss entsprechend attraktiv sein, damit die Arbeitnehmer das Arbeiten dort der Heimarbeit vorziehen. Stephan Derr: Das Bedürfnis nach mehr Flexibilität und einer verbesserten Work-Life-Balance bei Arbeitnehmern ist groß, aber fast alle deutschen Arbeitnehmer, 98 Prozent, wünschen sich zumindest ab und zu wieder vom Büro aus zu arbeiten. Welche Fragen beschäftigen Unternehmen noch zu diesem Thema? Derr: Natürlich weiterhin die allgemeine Zufriedenheit, das Engagement und die Produktivität der Mitarbeiter. Unternehmen sehen in einem hybriden Ansatz vor allem die Chance, die Vorteile des Homeowffice zu integrieren. Denn neben der verbesserten Work-Life-Balance arbeiten viele Arbeitnehmer auch konzentrierter und haben weniger Stress durch den Wegfall des Arbeitsweges. Viele Unternehmen denken auch über die Einrichtung sogenannter Satellitenarbeitsplätze oder Co-Working Spaces nach, die es den Mitarbeitern erlauben würden, in einem Büro zu arbeiten, das nicht weit entfernt von ihrem Zuhause liegt. Meinlschmidt: Unternehmen müssen vor allem die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz im Homeoffice beachten. Zudem gelten auch für die Heimarbeit arbeitsrechtliche Regelungen. Außerdem sollten sich Unternehmen fragen, ob sie mit ihren Mitarbeitern Zusatzvereinbarungen und einen Telearbeitsvertrag abschließen sollten. Was gilt es für Unternehmen zu beachten, wenn ein gewisser Prozentsatz an Mitarbeitern dauerhaft im Homeoffice bleibt? Meinlschmidt: Der Führungsstil eines Arbeitgebers muss sich weiterentwickeln. Vertrauen statt Kontrolle – das ist die Devise. Auch im Homeoffice darf kein Kollege sozial vernachlässigt werden. Dafür sind sogenannte Touchdown-Arbeitsplätze zuträglich. Mit ihnen haben Mitarbeiter die Möglichkeit, gelegentlich 16 Stephan Derr Walter Meinlschmidt

ins Unternehmen zu kommen und von dort aus zu arbeiten. Außerdem können Firmen dadurch flächeneffizienter planen und die Bürolandschaft gestalten. Derr: Für Arbeitnehmer, die dauerhaft von zu Hause arbeiten, sollte eine entsprechende Arbeitsausstattung ebenso dazugehören wie die regelmäßige, virtuelle Einbindung in alle wichtigen Aspekte des Arbeitsalltags. Dem Technik-Aspekt, also bspw. Videokonferenzsystemen, kommt eine bedeutendere Rolle zu. Welchen Einfluss hat das Homeoffice auf die Bürogestaltung? Derr: Mitarbeiter wünschen sich eine sichere, komfortable, inspirierende und produktive Arbeitsumgebung – egal, ob zu Hause oder im Büro. Sie möchten außerdem mehr Kontrolle darüber, wie und wo sie arbeiten. In Zukunft werden verschiedene Designansätze nötig sein, um Räume zu gestalten, die es den Angestellten ermöglichen, neue Arbeitsweisen zu nutzen und die flexibel sowie resilient sind. Meinlschmidt: Das Office braucht ein klares Profil als zentrale Anlaufstelle. Es muss idealerweise das stärkste Netzwerk haben, eine smarte Kombination von analogen und virtuellen Treffen bieten und Echtzeitdaten müssen einen Überblick über verfügbare Arbeitsplätze geben. Das Büro der Zukunft muss all das bieten, was das Homeoffice häufig nicht oder zumindest nicht immer leisten kann: Konzentration, Kommunikation und Kooperation. Somit müssen alte Büroflächen komplett neu gedacht und ideal genutzt werden. Wie sollte Ergonomie im Homeoffice aussehen? Meinlschmidt: Grundsätzlich ist der Arbeitgeber dafür zuständig, dass die Mitarbeiter einen Arbeitsplatz haben, an dem sie ihre Aufgabe ohne Gesundheitsschäden erfüllen können. Die ergonomischen Anforderungen an einen Büroarbeitsplatz sind gesetzlich geregelt, und diese sollten auch wenigstens annähernd erfüllt sein. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch und ein ergonomischer Stuhl sind fast schon ein Muss – sonst folgen ernsthafte gesundheitliche Folgen. Derr: Ein geeigneter Arbeitstisch in einer angemessenen Höhe sowie ein bequemer Bürostuhl sollten zur Grundausstattung im Homeoffice gehören, um eine aufrechte Körperhaltung und bequeme Arbeitsweise zu fördern. Viele Mitarbeiter haben kein eigenes Arbeitszimmer und scheuen sich davor, auch die übrigen Räume mit Büromöbeln auszustatten. Heute bieten Designer wie Arik Levy aber einen hybriden Ansatz zwischen Büro- und Lifestyle Möbel. 17