Aufrufe
vor 6 Monaten

Biberach kommunal 27.07.2022

  • Text
  • Biberach
  • Juli
  • Telefon
  • August
  • Kinder
  • Kommunal
  • Biberacher
  • Informationen
  • Woche
  • Stadt

10 | 27. Juli 2022

10 | 27. Juli 2022 BIBERACH KOMMUNAL Geistlicher Impuls Anleitung zum Friedenstiften „The Peacemakers“ – dieses Werk von Karl Jenkins, das zu Beginn von Schützen in einem großen Chor- und Orchesterkonzert unter der Leitung von Ralf Klotz aufgeführt wurde, hat mich tief berührt. Für dieses Werk hat sich Jenkins auf die Suche gemacht nach „Botschaftern des Friedens“. Diese „Peacemakers“, also Friedensstifter, hat er weltweit entdeckt, in den verschiedensten Kulturen und Religionen und sich von ihren Worten inspirieren lassen. Zu den Worten, die mich immer noch beschäftigen, gehört auch der folgende Text von Mahatma Gandhi: „Ich biete dir Frieden. Ich biete dir Liebe. Ich biete dir Freundschaft. Ich sehe deine Schönheit. Ich höre deine Bedürfnisse. Ich spüre deine Gefühle. Meine Weisheit fließt aus der höchsten Quelle. Ich verneige mich vor dieser Quelle in dir. Wirken wir gemeinsam für Einheit und Liebe. Auge um Auge lässt die Welt erblinden.“ Welch eine Achtung vor dem anderen Menschen kommt hier zum Ausdruck! Und dabei handelt es sich nicht um eine Liebeserklärung in einer Beziehung, die einfach schön und ungetrübt ist. Der letzte Satz macht dies deutlich. Offensichtlich gibt es Verletzungen und durchaus auch Grund für Vergeltung. Doch zweierlei spricht dagegen. Das eine ist die Erkenntnis, dass die Haltung „Auge um Auge“ die Welt erblinden lässt, also alles zerstört. Das andere ist die Einsicht, dass die „höchste Quelle“ allen Lebens, aller Weisheit und aller Liebe in jedem Menschen zu finden ist. Solches Begreifen wirkt sich aus auf die Haltung gegenüber dem anderen und damit auch auf den Umgang miteinander: „Ich verneige mich vor dieser Quelle in dir.“ Solche Haltung und entsprechendes Verhalten lassen sich lernen und üben. Wer dies tut, kann erleben, dass wir nicht nur ohnmächtig und hilflos sind angesichts von Gewalt, Zerstörung und Unfrieden, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden. Mit unserer Haltung gegenüber anderen Menschen können wir selbst etwas für den Frieden in der Welt beitragen. Gegen Ende des Konzerts wurde ein Satz von Anne Frank zitiert: „Wie wunderbar ist es doch, dass niemand auch nur einen Augenblick warten muss, um die Welt zu verbessern.“ Jeder Augenblick, jede Begegnung ist Chance und Herausforderung, dass auch wir als „Peacemakers“, als Friedensstifter leben und erfahrbar werden. Pastoralreferentin Steffi Brüggemann, katholische Seelsorgeeinheit Biberach Gottesdienste Kath. Seelsorgeeinheit Katholische Kirche St. Martin Do 28.7., 18 Uhr Eucharistiefeier mit Nachprimiz Pfarrer Harald Stehle. Sa 30.7., 13.30 Uhr Trauung. So 31.7., 11 Uhr Eucharistiefeier, 13 Uhr Taufe, 18.30 Uhr Eucharistiefeier. Mi 3.8., 8 Uhr Rosenkranz, 8.30 Uhr Eucharistiefeier. St. Josef So 31.7., 9 Uhr Eucharistiefeier in kroatischer Sprache, 11 Uhr Eucharistiefeier. St. Alban Do 28.7., 19 Uhr Rosenkranz. Fr 29.7., 18 Uhr Rosenkranz, 18.30 Uhr Eucharistiefeier. Sa 30.7., 15 Uhr Trauung, 19 Uhr Rosenkranz. So 31.7., 9.30 Uhr Eucharistiefeier. Mo 1.8., 19 Uhr Rosenkranz. Di 2.8., 19 Uhr Rosenkranz. Mi 3.8., 19 Uhr Rosenkranz. Zur Heiligsten Dreifaltigkeit Do 28.7., 18 Uhr Rosenkranz. Fr 29.7., 18 Uhr Rosenkranz. Sa 30.7., 18.30 Uhr Eucharistiefeier († Gebhard Schach, † Rosa, Simon und Maria Welti, † Joachim Spengler, † Angehörige der Familie Ludescher). So 31.7., 9.30 Uhr Eucharistiefeier, 18 Uhr Rosenkranz. Di 2.8., 18 Uhr Rosenkranz, 18.30 Uhr Eucharistiefeier. Mi 3.8., 18 Uhr Aussetzung des Allerheiligsten, Rosenkranz und Stille eucharistische Anbetung. St. Gallus, Rißegg So 31.7., 9.30 Uhr Wortgottesfeier. Mariä Himmelfahrt, Ringschnait Do 28.7., 19 Uhr Rosenkranz, gestaltet von „Einfach gemeinsam beten“. So 31.7., 10.15 Uhr Familiengottesdienst mit Kirche für Klein und Groß. St. Remigius, Stafflangen Do 28.7., 8.30 Uhr Rosenkranz. Fr 29.7., 8.30 Uhr Rosenkranz. Sa 30.7., 19 Uhr Eucharistiefeier. Mo 1.8., 8.30 Uhr Rosenkranz. Di 2.8., 19 Uhr Eucharistiefeier. Mi 3.8., 8.30 Uhr Rosenkranz. Evangelische Kirche Stadtpfarrkirche So 31.7., 9.30 Uhr Gottesdienst. Bonhoefferkirche So 31.7., 11 Uhr Gottesdienst. Hölzle So 31.7., 11 Uhr Gottesdienst zur Eröffnung des Hölzle 2022. Friedenskirche So 31.7., 9.30 Uhr Gottesdienst mit Taufe. Süddeutsche Gemeinschaft Sonntags um 10.30 Uhr findet ein Gottesdienst in Präsenz in den Räumen des Blauen Kreuz, Rollinstraße 28 statt. Wegen eines beschränkten Platzangebots wird um Anmeldung gebeten unter www.sv-biberach.de. Generell gilt Maskenpflicht im Innenraum sowie die Einhaltung der Abstandsregeln. Der Gottesdienst wird zudem per Live stream via YouTube übertragen. Nach dem Livestream folgt eine Zoom Konferenz, den Zugangscode gibt es bei Gemeinschaftspastor Anatol Lasarew unter Telefon 07357/4483011, E- Mail gemeinschaftspastor@sv-biberach.de. Freie Christengemeinde Die Freie Christengemeinde feiert ihre Gottesdienste jeden Sonntag um 9.30 Uhr im Gemeindesaal, Waldseer Straße 99 mit Lobpreis, Predigt und Gebet. Zeitgleich findet derzeit zweiwöchentlich ein Kindergottesdienst statt. Aktuelle Informationen sind unter www.fcg-biberach.de/gottesdienst/ abrufbar. Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Gottesdienst mit Live-Stream immer sonntags um 10 Uhr im Gemeindehaus, Schönfeldstraße 3. Kindergottesdienst findet parallel statt. Fragen werden telefonisch unter 07351/9310 beantwortet. Aktuelle Informationen und der Link zum Live-Stream finden sich unter www.efg-biberach.de. Neuapostolische Kirche In der Gemeinde finden donnerstags um 20 Uhr und sonntags um 9.30 Uhr Gottesdienste unter Beachtung des Infektionsschutzkonzeptes statt. Weitere Informationen sind unter www.nakbiberach.de abrufbar. Adventgemeinde Biberach Samstags um 9.30 Uhr findet ein Bibelgespräch (für Kinder extra) und um 10.30 Uhr ein Predigt-Gottesdienst statt. Treffpunkt Leben Freie charismatische Gemeinde Während der Coronavirus-Einschränkungen findet bis auf Weiteres kein Gottesdienst statt. Informationen und wöchentlich aktuelle Predigten sind im Internet unter www.treffpunkt-lebenbiberach.de abrufbar. Jehovas Zeugen Es finden Gottesdienste in Präsenz in der Haberhäuslestraße 3 und gleichzeitig per Videokonferenz statt, in Biberach- West samstags um 18 Uhr und mittwochs um 19 Uhr; Biberach-Ost sonntags um 10 Uhr und donnerstags um 19 Uhr; Biberach-Russisch freitags um 19 Uhr und sonntags um 15 Uhr. Weitere Informationen findet man unter www. jw.org. Termine in Kürze Die nächste Wanderung der Männer findet am Dienstag, 2. August, statt. Abfahrt ist um 14 Uhr am Pfarrbüro Dreifaltigkeit, Mittelbergstraße 29. Sommerregelung an den Wochenenden im August bei den Messfeiern: Im August finden in St. Martin sonntags um 8 Uhr Messfeiern statt. Es entfallen sonntags in St. Martin die 11-Uhr-Messen und in Dreifaltigkeit die 9.30-Uhr- Messen. Die Pfarrbüros in der Seelsorgeeinheit Biberach sind in den Sommerferien von Donnerstag, 28. Juli, bis Freitag, 9. September, eingeschränkt geöffnet: Das Pfarrbüro St. Martin hat am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 11 Uhr geöffnet. In der Woche vom 5. bis 9. September bleibt das Pfarrbüro St. Martin geschlossen. Das Pfarrbüro Zur Heiligsten Dreifaltigkeit hat am Dienstag und Donnerstag von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Das Pfarrbüro St. Josef/St. Alban ist vom Montag, 1., bis Dienstag, 23. August, geschlossen. Am 26. August, 2. September und 9. September ist das Pfarrbüro St. Josef von 9 bis 11 Uhr besetzt. Weitere Informationen sind unter www.se-biberach.drs.de abrufbar. ALTERSJUBILÄUM 95. Geburtstag Anna Enderle 26. Juli

BIBERACH KOMMUNAL 27. Juli 2022 | 11 Streiflichter aus der Geschichte Biberachs Christoph Martin Wieland (1733–1813) Christoph Martin Wieland war lange der meistgelesene und bestbezahlte deutsche Dichter und Autor. Bereits 1784–1786 erschien als Raubdruck – ohne Rücksprache mit Wieland – eine erste achtbändige Werksausgabe; 1794–1795 gab der Leipziger Verleger Göschen die zehnbändige „Ausgabe letzter Hand“ heraus, die in vier Formaten – von der großen „Fürstenausgabe“ um 25 Reichstaler bis zur „wohlfeilen“ Taschenausgabe um zwei Reichstaler – gedruckt wurde. Bis 1802 wurden es dann 36 zuzüglich sechs ergänzende Bände. Bereits schon zu seinen Lebzeiten waren Wielands Werke zudem in dreizehn Sprachen übersetzt. Er war ja nicht nur einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Aufklärung, sondern gab auch mit seinen Shakespeare-Übersetzungen dem „Sturm und Drang“ wichtige Impulse. Ebenso kamen unter anderem durch Wielands Reputation und seinen Einsatz Goethe, Schiller und Herder nach Weimar und bildeten mit ihm zusammen das „Viergestirn der Weimarer Klassik“. Christoph Martin Wieland entstammt einer Biberacher Bürgerfamilie. Sein Urgroßvater väterlicherseits war der Evangelische Bürgermeister Dr. jur. Martin Wieland (1624–1685). Wie sein Großvater Mag. Thomas Adam Wieland (1653–1729) war auch Wielands Vater Thomas Adam Wieland d.J. (1704–1772) Pfarrer im evangelischen Spitaldorf Oberholzheim, bevor er am Ende Frühprediger und Senior in Biberach wurde. Der Marktapotheker und kaiserlich gekrönte Dichter Georg Ludwig Rauh (1654–1725) wurde durch seine Töchter Maria Jakobina (1681– 1754) und Maria Christine (1689–1765) der Urgroßvater mütterlicherseits sowohl von Sophie Gutermann-La Roche (1730–1807) wie von Wieland. Christoph Martin Wieland wurde so am 5. September 1733 in Oberholzheim geboren. Nach der Übersiedlung nach Biberach im Jahre 1736 besuchte er 1739–1742 die Biberacher Lateinschule, wo er durch sein Sprachtalent auffiel. Da Biberach dem jungen Christoph Martin keine weitere Ausbildung mehr bieten konnte, schickte ihn der Vater 1747 in die berühmte Schule Kloster Berge bei Magdeburg, wo sein Weltbild eine entscheidende Richtung erhielt. Nach seiner Rückkehr begegnete der Siebzehnjährige im Sommer Bildnis Wieland, 1805, von Ferdinand Jagemann. 1750 Sophie Gutermann von Gutershofen, mit der er sich im August oder September bei einem Spaziergang auf das Lindele verlobte, bevor er im Oktober zum Jurastudium nach Tübingen ging. Unter dem Eindruck seiner Liebe zu Sophie entstand im Frühjahr 1751 Wielands erstes größeres Werk „Die Natur der Dinge“. 1752–1760 hielt er sich dann in Zürich und Bern auf. Sophie Gutermann sollte er erst im Juli 1761 als Gattin Georg Michael Frank La Roches, des natürlichen, 1771 geadelten Sohnes Graf Friedrichs von Stadion wiedersehen, die 1761–1768 beim Grafen auf Schloss Warthausen lebten. 1771 gab Wieland anonym ihren Frauenroman „Das Fräulein von Sternheim“ heraus, der auf dem Buchmarkt ein großer Erfolg wurde. Sophies Enkel Clemens Brentano (+ 1842) und Bettina von Arnim (+ 1855) waren wichtige Vertreter der deutschen Romantik. In Bern erreichte Wieland 1760 die Nachricht von seiner Wahl zum Evangelischen Senator in Biberach, wo er Ende Mai ankam. Am 24. Juli wechselte er auf den Posten des Kanzleiverwalters, der in der Verwaltung der Reichsstadt eine herausgehobene Stellung einnahm. Doch der Katholische Rat verweigerte seine Beeidigung, um so die Gleichstellung des schlechter bezahlten katholischen Ratsadvokaten zu erzwingen. Erst am 15. August 1764 sollten sich die beiden Ratsparteien auf einen Vergleich einigen. Schon bald aber, am 7. Januar 1761, wurde Wieland das Direktorium der Evangelischen Komödiantengesellschaft übertragen, das er aber schon im Dezember wegen der hohen Schulden der Gesellschaft wieder aufgab. Unter ihm und in seiner Übersetzung fand im September 1761 mit dem Stück „Der Sturm oder der erstaunliche Schiffbruch“ von William Shakespeare die berühmt gewordene erste originalgetreue Aufführung eines Shakespeare-Stückes in deutscher Sprache und zugleich die erste unter Shakespeares Namen in Deutschland statt, die den Anstoß zu seiner 1762– 1766 gedruckten Übersetzung von 22 Dramen Shakespeares gab. Im Sommer 1761 lernte Wieland Christine Hogel, seine „Bibi“, kennen und lieben. Dass sowohl der soziale Status als auch die konfessionellen Gegensätze die zunächst geplante Heirat verhinderten, stürzte ihn, wie seine überschwänglichen, erregten, schließlich verzweifelten Briefe ahnen lassen, in eine tiefe seelische Krise. Die wohl im März 1764 geborene Tochter Caecilia Sophie Christine starb schon bald. Nach dem Abbruch seiner Beziehung mit Christine Hogel heiratete er am 21. Oktober 1765 die Augsburger Kaufmannstochter Anna Dorothea von Hillenbrand (1746–1801), die ihm 14 Kinder schenkte. Trotz all dieser Wirren schrieb Wieland in seiner Biberacher Zeit wichtige Werke, die seinen Namen in der deutschen Literatur zu einem Begriff machten. So verfasste er neben der achtbändigen Übertragung der Dramen Shakespeares 1764 den Roman „Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder die Abenteuer des Don Silvio von Rosalva“, 1765 die Verse der „Komischen Erzählungen“, 1766/67 mit den beiden Bänden seines berühmt gewordenen Romans „Die Geschichte des Agathon“ den ersten deutschen Bildungsroman, 1767 das romantische Gedicht „Idris und Zenide“ und 1768 seine wohl vollendetste Versdichtung, „Musarion oder die Philosophie der Grazien“. Ebenso wurzeln die Versepen „Die Grazien“ aus dem Jahre 1770 und „Der neue Amadis“, der 1771 erschien, noch in seiner Biberacher Zeit. Nachweisbar seit 1766 nutzte Wieland das obere Stockwerk des heutigen „Wieland-Museums“ als seine Dichterklause. 1769 wurde Wieland Professor der Philosophie an der mainzischen Universität in Erfurt, 1772 Prinzenerzieher am Weimarer Hof, wo er den Erbprinzen Karl August unterrichtete. Nach dessen Regierungsantritt widmete er sich ganz seiner schriftstellerischen Arbeit. In Weimar gab er 1773–1789 die langlebigste und auflagenstärkste deutsche Literaturzeitung des 18. Jahrhunderts heraus, den „Teutschen Merkur“. 1798–1803 lebte er auf dem von seinen Tantiemen erworbenen Gut Oßmannstedt bei Weimar. Gestorben ist er am 20. Januar 1813 in Weimar, begraben in Oßmannstedt neben seiner Frau und Sophie Brentano, der mit 24 Jahren früh verstorbenen Enkelin Sophies. Leben und Werk Christoph Martin Wielands hält in seiner Heimatstadt die Wieland-Stiftung Biberach mit dem Wieland-Museum und dem Wieland-Archiv lebendig. Dr. Kurt Diemer