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Biberach kommunal 08.06.2022

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12 | 8. Juni 2022

12 | 8. Juni 2022 BIBERACH KOMMUNAL Streiflichter aus der Geschichte Biberachs Der Gigelberg Aufnahme 1933 datiert: Blick von den Bühläckern nach Westen über die Stadt auf den Gigelberg. Fotograf: Josef Bendel Zu Reichsstadtzeiten wurde der Gigelberg, dessen Name 1423 erstmals belegt ist, für landwirtschaftliche Zwecke – Gemeindeteile, von der Stadt an Bürger ausgegebene kleine Parzellen zum Anbau von Kraut und Kartoffeln – und die Anlage von Gärten genutzt. Im 16. Jahrhundert ließ der Oberbaumeister Michel Eggelsbach auf dem Berg Obstbäume setzen; 1632 wurden Bäume und Linden von den Schweden niedergehauen. 1804–1806 verloste die Stadt Gemeindeteile, von denen einige über dem Wildmannwirtskeller (Biberkeller) und dem Schwanenkeller lagen – mit der Auflage, jeweils sechs Obstbäume zu pflanzen. Der Platz für das Schützenfest lag lange beim Schützenhaus. Die Stadt verkaufte es 1811 an den Stadtwirt Konrad Guter unter der Bedingung, da in diesem Haus, Keller und Plätzen bisher das jährliche beiderseitige Kinder- Schützenfest drei Tage über gefeiert worden sei und auch künftig gefeiert werden solle, so habe der Käufer und künftige Besitzer dieses Hauses die Kinder und Gäste wie bisher unklagbar zu bedienen oder wenn er die Wirtschaft aufgeben oder die künftigen Besitzer nicht selbst Wirte sein sollten, ersagtes Haus, Keller und Plätze einem anderen Wirt zu ersagtem Zweck zu überlassen. Die Stadt verpflichtete sich dagegen, dass jene Feste, solange sie gefeiert würden, an keinem anderen Ort gefeiert werden sollten. Für die Verteilung der Preise wurde dort 1830 ein Zelt aufgebaut, 1905 aus Spenden eine neue Festhalle. 1911 hatte der Besitzer der Brauerei zum Storchen eine neue Halle erstellt; 1920 kaufte die Stadt das Schützenhaus und den Schützenkeller. Einen ersten Spazierweg über den Gigelberg ließen 1787 von der heutigen Wielandstraße aus die beiden Stadtrechner – der Evangelische Bürgermeister von Zell und der katholische Geheime von Klockh – anlegen und mit Terrassen, steinernen Treppen und einem Geländer versehen. 1827 sorgte dann der Tragantwarenfabrikant Friedrich Goll (1776-1871) als Planer, Bauaufseher und Bauleiter für die Gestaltung von Anlagen auf dem Gigelberg. Die Stadt ließ zuerst einen mit Kies beschütteten breiten Spazierweg „von der Straße unterhalb des Schützenberges über denselben bis zum Weißen Turm“ anlegen, im folgenden Jahr auf dem Berg schöne Anlagen errichten und die mit jungen Bäumen und Gebüsch bewachsenen sogenannten Gigelhalden roden; damals wurden auch die zerfallenen Mauern im Hirschgraben, dem letzten erhaltenen Rest der ehemaligen Stadtbefestigung, untermauert. Diese Goll’schen Anlagen waren ursprünglich wesentlich größer als heute und erstreckten sich auch auf den Bereich des 1939 eingeführten Lagerlebens. Ein erster hölzerner Aussichtspavillon in der Nähe des Gigelturms wurde bereits 1828 errichtet; dreimal erneuert, steht seit 1989/90 dort ein stählerner. Die Anlagen erweiterte Goll 1840 gegen den Grünen Weg; 1844 legte er im südlichen Bereich des Gigelbergs seinen Garten mit einem Gartenhäuschen an, der größtenteils noch erhalten ist. An Goll erinnert der 1872 vor dem „Gugelhupf“ errichtete Gedenkstein und der Friedrich- Goll-Weg, der als Spazierweg von der Hirschbergstraße über den Gigelberg zur Turnhalle führt. Noch heute ist ein großer Teil der Lindenallee, die sich ursprünglich vom Schützenkeller über den Gigelberg entlang der Goll’schen Anlage bis zum Stadtgarten erstreckte, deutlich sichtbar; im Bereich des Schlecht’schen Gartenhauses wurde die Lindenreihe im Frühjahr 2012 zur Gänze neu gepflanzt. Was noch ausstand, war die Verbindung des Inneren Gigelbergs, der dem Gigelmann zur Nutzung überlassen war, mit dem eigentlichen Berg. Im Frühjahr 1861 wollte eine Gesellschaft Biberacher Bürger durch eine Lotterie die Mittel zur Überbrückung des Hirschgrabens und die Durchbrechung der Stadtmauer unter der Hochwacht aufbringen. Die Durchführung der Baumaßnahmen nahm dann die Stadt in die Hand. Zimmermeister Dollinger baute vom sogenannten Meerfräulesloch aus eine Brücke aus Eichenholz, die 1881 durch eine eiserne ersetzt wurde; die Hälfte der Kosten der ersten Brücke konnte mit den bereits gesammelten Geldern bestritten werden. Aus Anlass des 100. Geburtstags Friedrich Schillers war bereits am 10. November 1859 eine Schillerlinde gesetzt worden; „um 1860 wurde das Erdgeschoss der Hochwacht durch Backsteinarchitektur zu einer Schillerhalle verunstaltet“. (Preiser). Motor der Gestaltung der „Schillerhöhe“ war der Schwiegersohn Friedrich Golls, der Kaufmann Eduard Enderlin. 1890 setzte ihm der Verkehrs- und Verschönerungsverein als seinem früheren Vorstand und eifrigem Pfleger der Gigelberganlagen an der Schillerhöhe eine Gedenktafel. Erst 1897 versetzte man die Hochwächter auf den Gigelturm. Endgültiger Mittelpunkt des Festgeschehens wurde, wenn auch die Festhalle bis um 1930 noch beim Schützenkeller stand, nach 1895 – dem Baujahr der Gigelbergturnhalle, die 1907 einen Anbau erhielt, und der Stadtbierhalle – die Hochfläche. 1910 erwarb die Stadt den angrenzenden Schutz’schen Garten und 1912 den Tennisplatz und die nördlich gelegene Wiese. Im Stadtplan von 1925 ist dieser nördlich der Turnhalle gelegene Platz als Festplatz eingetragen. 1921 berichtet Kuhn: „Auf dem Festplatz laden zwei Karusselle zur Rundfahrt ein; ein Schießstand lockt zur Erprobung der Treffsicherheit; Schiffschaukel, Photographie, Kasperltheater gewähren ihre Ergötzlichkeiten; Luftballons, Kinderspielwaren werden angeboten sowie Eßwaren die Menge, hauptsächlich Kirschen. Abends flirtet die ledige Jugend auf dem Festplatz und lässt sich vom Karussell in die Lüfte tragen.“ Dr. Kurt Diemer

BIBERACH KOMMUNAL 8. Juni 2022 | 13 Die Woche im Überblick DATUM ZEIT ORT, TREFFPUNKT VERANSTALTUNG Do, 9. Juni 18 Uhr Museum Sonderausstellung „Ankommen 1945–1960“, Führung mit Hannah Zenker Sa, 11. Juni 9 Uhr Weberberg Rosenfest Sa, 11. Juni 10, 11, 12 Uhr Spitalhof und Schadenhof Tritonal und Thunderflowers, Spaß am Samstag Sa, 11. Juni 14 Uhr Spitalhof, Museum Historischer Stadtrundgang, Stadtführung mit Gerda Fuchs So, 12. Juni 10.30 Uhr Sportplatz Mettenberg Wirdkräuterwanderung, Städte Partner Biberach So, 12. Juni 11 Uhr Museum Sonderausstellung „Ankommen 1945–1960“, Führung mit Edeltraut Garlin So, 12. Juni 14 Uhr Wieland-Park Wieland-Café, Freiluftcafé von „Bürger für Bürger“, nur bei trockener Witterung So, 12. Juni 15 Uhr Museum Sonderausstellung „Ankommen 1945–1960“, Führung mit Joachim Guderlei Mi, 15. Juni 14 Uhr TG-Heim Wanderung nach Baltringen, TG-Senioren Mi, 15. Juni 14 Uhr Spitalhof, Museum Historischer Stadtrundgang, Stadtführung mit Karin Ilg Mi, 15. Juni 19 Uhr Liliengarten, Abdera „Kinda like“, Open-Air-Konzert Stadtführungen in Biberach Tierische Stadtgeschichte(n) Tourismus Biberach bietet eine vielzahl an Stadtführungen an. Am Sonntag, 12. Juni, steht die Stadtführung „Tierische Stadtgeschichte(n)“ auf dem Programm. Zusätzlich zu den regulären Führungen findet an Fronleichnam, 16. Juni, ein Historischer Stadtrundgang statt. Historischer Stadtrundgang Was hat es mit dem Esel auf dem Marktplatz auf sich, wo steht das älteste Haus Biberachs und gibt es eigentlich noch Biber in der Stadt? Antworten auf diese Fragen und noch viele weitere spannende Informationen gibt es am Samstag, 11., und Mittwoch, 15. Juni, auf dem Historischen Stadtrundgang, der zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Biberach führt. Zusätzlich findet an Fronleichnam, Donnerstag, 16. Juni, ebenfalls ein Historischer Stadtrundgang statt. Neben dem Marktplatz und dem Rathaus stehen bei dem Stadtspaziergang durch die Altstadt die simultane Stadtpfarrkirche St. Martin wie auch der Hospital zum Heiligen Geist, das Komödienhaus und der Weberberg auf dem Programm. Bei der zweistündigen Stadtführung am Samstagnachmittag mit Stadtführerin Gerda Fuchs wird außerdem der Weiße Turm besichtigt. Erwachsene zahlen 8 Euro. Der Historische Stadtrundgang am Mittwochnachmittag mit Stadtführerin Karin Ilg und an Fronleichnam mit Stadtführer Markus Pflug dauert eineinhalb Stunden und kostet 6 Euro. Beginn ist jeweils um 14 Uhr. Beim Historischen Stadtrundgang wird durch die Altstadt spaziert. Tierische Stadtgeschichte(n) Bei diesem tierischen Stadtrundgang am Sonntag, 12. Juni, zeigt Stadtführer Axel Griessmann, wo in der Stadt Biber, Löwen und Adler zu finden sind. Aber auch viele weitere Tiere haben über Jahrhunderte Spuren in der Stadt hinterlassen. Manche erkennt man erst auf den zweiten Blick. Sie berichten über ihre und unsere (Stadt-)Geschichte, sei es eine Muschel oder ein Esel, der auch über Hausdächer geht. Man erfährt, wo Reisende ihre Pferde „geparkt“ und einen Bärenhunger gestillt haben. Und am Ende wissen alle, was ein Karpfen im Vogelkäfig gemacht hat und ob es tatsächlich einen Wal in Biberach gibt. Die zweistündige Führung beginnt um 14 Uhr, Erwachsene zahlen 8 Euro. Foto: BIKO Treffpunkt der Führungen ist der Spitalhof, Museum Biberach. Karten sind direkt beim Stadtführer erhältlich. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt sechs Personen. Kinder bis zehn Jahre gehen kostenlos mit. Schüler ab elf Jahre und Studenten bekommen auf den regulären Preis 50 Prozent Ermäßigung. Wer eine Biberacher Kulturkarte besitzt, kann an den öffentlichen Führungen kostenlos teilnehmen. Weitere Informationen zu den Stadtführungen sind unter www. biberach-tourismus.de oder unter Telefon 07351/51-165 erhältlich. Dort sind auch individuelle Führungen buchbar. Open-Air-Konzert „Kinda like“ rocken den Liliengarten Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, wird es Zeit, dass auch die Dezibel-Zahlen wieder steigen. Das zweite traditionelle Konzert von „Kinda like“ findet am Mittwoch, 15. Juni, im Liliengarten statt. Getreu dem Motto „Darf dein Blues etwas härter sein?“ heizt die Band mit Perlen der Rockgeschichte ein, die nur nach einem Kriterium ausgesucht sind: Sie müssen rocken, rocken und nochmals rocken. Die Songs werden dargeboten von Otto Hehl, Andy Köhler (beides Mitglieder der AC/DC-Tribute Band Powerage) und dem High-Energy-Drummer Phil Posmyk. Bei schlechtem Wetter findet das Konzert in der Abdera-Halle statt. Tickets gibt es im Vorverkauf für 14 Euro, ermäßigt für 11 Euro unter https://abdera-bc.reservix.de oder an der Abendkasse für 15 Euro, ermäßigt für 11 Euro. Einlass ist um 19 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr. Kinda like tritt am 15. Juni im Liliengarten auf. Foto: privat