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BUSINESS KULTUR

BUSINESS KULTUR KUNSTMUSEUM HEIDENHEIM Picasso und vieles mehr Heidenheim ist – vom Schloss Hellenstein abgesehen – nicht gerade reich gesegnet mit großartigen Baudenkmälern. Aber das 1904 nach einem Entwurf des berühmten Stuttgarter Architekten Philipp Jakob Manz erbaute Volksbad ist ein Jugendstil-Juwel, wie nur wenige auf der Ostalb zu finden sind. Und es ist zum Glück auch erhalten geblieben, als es für seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr geeignet war. Als Kunstmuseum Heidenheim bietet das einstige Volksbad seit 1989 den schönen und stilvollen Rahmen für Ausstellungen von meist überregionaler Bedeutung. xxx Von Rolf Dieterich Von oben: Das Gemälde „Gelbe Figur Blau 1972/73“ von Horst Antes hatte der Münchner Galerist Alfred Gunzenhauser 2009 dem Kunstmuseum seiner Heimatstadt geschenkt. Bild: Kunstmuseum Heidenheim/VG Bild Kunst, Bonn 2020 Das Kunstmuseum Heidenheim ist seit 1989 in dem schönen Jugendstil-Gebäude des ehemaligen Volksbads untergebracht. Bild: Beate Lutz-Weber Diese Installation des Stuttgarter Künstlers Camill Leberer wurde 2007 im großen Wechselausstellungssaal des Museums gezeigt. Bild: Kunstmuseum Heidenheim 42

Mit der modernen Kunst hatte die Industriestadt Heidenheim früher nicht allzu viel zu tun. So gab es auch heftige Diskussionen in der Kommunalpolitik und der Öffentlichkeit, als 1979 der damalige Erste Bürgermeister Roland Riegger mit dem Vorschlag an den Gemeinderat herangetreten war, die Picasso-Plakate-Sammlung des Pariser Kunsthändlers Christoph Czwiklitzer zu erwerben. Dass es Riegger in geduldigem Bemühen schließlich gelang, die Stadträte zur Zustimmung zu bewegen, hatte über den Ankauf dieser außergewöhnlichen Kollektion hinaus weitreichende Folgen. Denn schon bald entstand die Idee, nicht nur, aber vor allem auch für die Picasso-Plakate-Sammlung, mit mehr als 500 Exemplaren immerhin weltweit die größte ihrer Art, ein Museum zu schaffen. Das in die Jahre gekommene Volksbad bot sich dafür bestens an. Es musste nur den neuen Anforderungen entsprechend renoviert und umgestaltet werden. Dass aus der Idee auch Wirklichkeit werden konnte, ist vor allem der großzügigen Unterstützung durch eine Stiftung des ehemaligen Geschäftsführers der Heidenheimer Firma Voith, Hugo Rupf, und – bei der Erweiterung der Ausstellungsräume – der Förderung durch die Hermann-Voith-Stiftung zu verdanken. Damit setzte sich eine Tradition unternehmerischen Mäzenatentums fort, das schon vor fast 120 Jahren den Bau des Volksbads erst ermöglicht hatte. Für die Gründung des Museums war aber auch das politische und finanzielle Engagement eines Förderkreises von großer Wichtigkeit. Dieser unterstützt auch heute noch unter dem Vorsitz von Gabriele Rogowski, der Ehefrau des früheren Voith-Konzernchefs Michael Rogowski, das Museum regelmäßig. Das gilt ebenso für die beiden Stiftungen. Die Picasso-Plakate – darunter 80 Originale – sind nach wie vor ein wesentlicher Teil des Museumsbestands. Durch die Ergänzung um viele herausragende druckgrafische Werke des spanischen Jahrhundertgenies hat die Heidenheimer Picasso-Sammlung aber noch erheblich an Bedeutung gewonnen. Seit 2001 zeigt das Museum im Erdgeschoss des Gebäudes dauerhaft Arbeiten aus dieser Kollektion. Auch weitere Plakatsammlungen (von HAP Grieshaber, Joan Miró und Horst Antes) kamen im Laufe der Zeit hinzu. Zudem wurde das Ein Meisterwerk aus der Druckgrafik-Sammlung des Museums: Die Aquatinta-Radierung „Minotaure aveugle guidé par une fillette dans la nuit“ von Pablo Picasso. Bild: Kunstmuseum Heidenheim Museum immer wieder mit Schenkungen bedacht, so etwa von dem Münchner Galeristen und Kunstsammler Alfred Gunzenhauser, der aus Heidenheim stammte und auf dem dortigen Friedhof 2015 auch seine letzte Ruhestätte fand. Weitere Schwerpunkte der Sammlung des Kunstmuseums neben den Plakaten und der Druckgrafik von Pablo Picasso Der Stierkampf ist eines der großen Themen Picassos auch in seinem Plakat-Werk. Bild: Katalog Kunstmuseum Heidenheim und den anderen Künstlerplakaten sind, wie Museumsleiter René Hirner im Gespräch mit BUSINESS today ausführte, Arbeiten von Künstlern aus der Region und Werke der Fotokunst. In den Wechselausstellungen – etwa sechs pro Jahr – möchte der promovierte Kunsthistoriker „möglichst vielfältige Formen der zeitgenössischen Kunst zeigen“. Dazu gehören aber auch Werke von Klassikern der Moderne, wie Otto Dix, George Grosz oder Marc Chagall. Auch Themenausstellungen finden sich immer wieder im Programm. Solche waren beispielsweise die Präsentationen „Drehen, Kreisen, Rotieren“ (kinetische Kunst) oder „Vom Holzschnitt zum Internet – Die Geschichte der Bildmedien von 1450 bis heute“ und „Flowers – Blumen in der zeitgenössischen Kunst“ anlässlich der Landesgartenschau, die 2006 in Heidenheim stattgefunden hatte. Der enorm hohe und lichte Wechselausstellungssaal des Museums (die ehemalige Schwimmhalle des Volksbads) gestattet es René Hirner auch, raumfüllende Installationen bedeutender Künstler zu zeigen. Einmal im Jahr macht er von dieser besonderen Möglichkeit Gebrauch. KONTAKT KUNSTMUSEUM HEIDENHEIM Marienstraße 4 89518 Heidenheim Telefon 07321 3274810 kunstmuseum@heidenheim.de www.kunstmuseum-heidenheim.de 43