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Die Burg, die niemand

Die Burg, die niemand sieht Sie führt ein Schattendasein in einer langen Reihe bekannter Burgen, Schlösser, Ruinen und Kulturdenkmäler im Ostalbkreis: Die Burgruine Schenkenstein bei Aufhausen Text und Fotos: Martin Bauch „Burg Schenkenstein - Die B 29 geht von Bopfingen in Richtung Aalen und Lauchheim direkt durch Aufhausen. Im Ort zweigt eine Straße Richtung Michelfeld/Oberriffingen ab. Nach etwa einem halben Kilometer gelangt man auf der südlich einmündenden ,Schenkensteinstraße‘ unter dem Bahndamm hindurch zum Parkplatz beim Friedhof. Parkmöglichkeiten gibt es unterhalb der Burg am Friedhof.“ So heißt es in einem Reiseführer, der durch die Burgenwelt Deutschlands führt, kurz und knapp. Und doch thront sie immer noch imposant auf 573 Metern Höhe über dem Egertal in Aufhausen: Die Burgruine Schenkenstein. Außer einem zylinderförmigen Turm und einigen noch erhaltenen Mauerresten ist nicht mehr viel übrig von der ehemaligen Höhenburg oberhalb des Bahnhofs von Aufhausen, der selbst schon ein historisches Bauwerk ist. Obwohl man die Ruine von der B 29 aus nicht sieht und sie sich auch sonst den Blicken des Betrachters entzieht, hat es die Burgruine Schenkenstein zusammen mit dem Bahnhöfle von Aufhausen zu einer späten Berühmtheit gebracht – als Modellbausatz für Modelleisenbahner sowie Sammler und Liebhaber im Maßstab N – 9mm, 1:160. Die Burgruine Schenkenstein hat schon etwas Wildes, ja beinahe Unheimliches an sich. Das Bauwerk übt einen besonderen Zauber aus. Wer die Ruine erklimmt, folgt den Spuren verwünschter Mundschenken, die hier einst hausten, und denen kein Glück beschieden war. Der Mundschenk war ein Hofamt, das von Mitgliedern aus Niederadelsgeschlechtern, sogenannten Ministerialen, ausgeübt wurde. Die Schenken waren in dem großen Apparat der vielen Bediensteten der hoheitlichen Herrschaft eigentlich für die herrschaftliche Küche und den Weinkeller zuständig. Auf der Burg Schenkenstein, war dieser aber nicht besonders groß, entsprechend arm waren die dortigen Schenken. Überhaupt soll es wenig edel auf der Burg zugegangen sein: „Ein finsterer Geist beherrschte die letzten Generationen; Mord, Not- 20

zucht und andere Frevel wurden begangen“, heißt es in der Neresheimer Oberamtsbeschreibung aus dem 19. Jahrhundert. 1565 soll Schenk Hans V. sogar seinen Vogt in Aufhausen erschlagen haben, 1572 ermordete Schenk Hans VI. auch noch seine eigene Gattin. So entstehen Gruselgeschichten von ruhelosen Geistern und unheimlichen Erscheinungen. Aufständische Bauern gaben der Burg 1525 dann noch den Rest und zerstörten diese teilweise. Die Reste der Burg, die nach dem Gattinnenmord von 1572 noch mehrfach die Besitzer wechselte, trugen Bauern aus der Umgebung ab. Die romantische Ruine, die Heimatmaler wie Friedrich Wilhelm Doppelmayr und Johannes Müller auf Zeichnungen und Gemälden verewigten, schenkte der letzte Besitzer, das Haus Oettingen, 1931 der Gemeinde Aufhausen. schon einen Besuch wert ist. Oben angekommen, hat der Besucher einen einmalig schönen Blick ins Egertal und einen Teil von Aufhausen. Der Blick Richtung Ipf ist durch hohen Baumbewuchs leider verstellt. Das dort errichtete Ruhebänkchen macht einen eher deplatzierten Eindruck. Trotzdem kann man sich dem wilden Charme dieser besonderen Stelle in Bopfingen nicht erwehren. Einen Besuch ist die Burgruine Schenkenstein allemal wert - schon wegen der Gänsehaut, die einem an diesem Ort widerfährt. Die Kernburg hatte in früheren Zeiten eine Abmessung von 30 auf 28 Metern. Dazu gehörten eine Ring-, Wall- und Toranlage, ein Zwinger (eine Verteidigungsanlage zwischen zwei Wehrmauern), der Palas (ein repräsentativer Saalbau und Lebens- und Aufenthaltsraum der Burgherren) sowie eine Unterburg. In der Unterburg waren vermutlich Wirtschaftsgebäuden wie Werkstätten, Backhäuser, Ställe oder Lagerräume sowie Wohnräume der Bediensteten untergebracht. Eine durchaus stattliche Burganlage. Das markanteste Überbleibsel heute ist der immer noch 16 Meter hohe Bergfried, der aber nicht betreten werden kann. Allein der Aufstieg zur Burgruine Schenkenstein hat etwas wild-romantisches an sich da er durch einen fast naturbelassenen Wald führt, vorbei am alten jüdischen Friedhof von Aufhausen, der für sich Schuh Kauffmann ✆ (0 73 62) 96 24 24 Von der Ruine der Burg Schenkenstein hat man einen guten Blick ins malerische Egertal (Bild oben). Auch der jüdische Friedhof (Bild unten) bietet Einblicke. Shoes for every day www.schuh-kauffmann.de 21