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10 | Städtische Rehakliniken Trotz Arthrose schmerzfrei leben Orthopädie-Chefarzt Dr. Otto Matt über konservative und operative Therapiemöglichkeiten bei Arthrose Otto Matt, Orthopädie- Chefarzt der Städtischen Rehakliniken Bad Waldsee Bad Waldsee - Die Arthrose ist zwar eine Erkrankung des Alters, aber auch immer mehr junge Menschen sind davon betroffen. Durch Fehlund Überbelastung steigt das Risiko, daran zu erkranken. Ist die sportliche oder berufliche Gelenkbelastung nicht altersangepasst und überdosiert oder ist nach einer Verletzung die Regenerationsdauer zu kurz, mündet dies in einem verstärkten Gelenkverschleiß. Mittlerweile steht bei den Behandlungsmethoden eine ganze Palette an konservativen und operativen Möglichkeiten zur Verfügung. Für KUR- LAND berichtetet Dr. Otto Matt, Orthopädie-Chefarzt der Städtischen Rehakliniken, über die Therapiemöglichkeiten bei Arthrose. Radfahren im warmen Thermalwasser kräftigt die kniegelenkstabilisierende Muskulatur und fördert den Lymphabfluss. Fotos (4): Städtische Rehakliniken/Rolf Schultes/adobestockfoto Arthrose ist das Resultat biologischer und mechanischer Veränderungen, die das Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau des Knorpelgewebes beeinflussen. Sie beginnt mit der Verletzung der Knorpel oberfläche und endet damit, dass geringe bis gar keine Knorpelreste mehr vorhanden sind. Nach der Verletzung werden Stoffe freigesetzt, die eine Entzündungsreaktion im Gelenkinnenraum auslösen Auch eine gesunde, ausgewogene Ernährung hemmt die Gelenkentzündung und erhöht die Lebensqualität der Betroffenen. und knorpelauflösende Prozesse einleiten. Im Knorpel finden sich weder Blut- und Lymphgefäße noch Nervenfasern. Die Ernährung erfolgt über die Gelenkflüssigkeit, die bei Bewegung durch die Gelenkschleimhaut gebildet wird. Schmerzen werden erst durch die Funktionsstörung der gelenkumgreifenden Strukturen wie Schleimhaut, Kapsel, Bänder und Muskeln wahrgenommen. Am Anfang kommt es zu Anlaufschmerzen, die nach wenigen Schritten verschwinden. Später tritt nach längerem Gehen ein Belastungsund Ermüdungsschmerz auf. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Ruhe-, Nachtund Dauerschmerzen mit Bewegungseinschränkung. Dafür sind mehrere Risikofaktoren mitverantwortlich: 1. Das Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer. 2. Arthrose ist vererbbar. 3. Inaktivität oder Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus und erhöhter Harnsäurespiegel. 4. Sportarten mit Überbelastung und Mikroverletzungen, die man sich in der Kindheit zuzieht, bestimmen den Verlauf einer Arthrose. Weitere Faktoren sind berufliche Belastungen mit Zwangshaltung sowie das stundenlange Sitzen am Computer. Die Erkrankung verläuft meist schleichend. Die Gelenke werden mit unterschiedlicher Intensität befallen - am häufigsten treten Beschwerden an Hüft- und Kniegelenken und bei Frauen an den Händen auf. Es entstehen typische Gelenkveränderungen mit Schwellung der Gelenke, Überwärmung, Steifheit, Bewegungseinschränkung und Formveränderungen. Therapieziele sind Schmerzreduktion, Verbesserung der Gelenkfunktion sowie Verhinderung von Folgeschäden und damit letztlich eine Verbesserung der Lebensqualität. Die Therapie hängt ab von Alter, Erwartung und Anspruch, zusätzlichen Erkrankungen, dem Ausmaß der Arthrose und dem Leidensdruck. Der Arzt klärt die Ziele mit dem Patienten individuell ab und dabei werden die Lebensumstände sowie die häusliche und berufliche Situa-

Städtische Rehakliniken | 11 tion berücksichtigt. Die körperliche Belastung und Bewegung werden abgestimmt.Bei konsequenter Umsetzung des Bewegungsprogrammes reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, einen künstlichen Gelenkersatz zu benötigen, um bis zu 44 Prozent. Zu den gelenkschonenden Sportarten zählen Schwimmen, Radfahren, Gehen, Skilanglauf, Gymnastik und Aqua-Cycling. Die Trainingsintensität sollte regelmäßig und moderat statt selten und intensiv sein. Die Therapie im Wasser führt über eine Entspannung der Muskulatur und Förderung des Lymphabflusses zu einer Verbesserung der Versorgungssituation. Das Durchbewegen der Gelenke ist mit deutlich reduzierter axialer Belastung möglich. Das Herzkreislaufsystem wird trainiert und die gelenkstabilisierende Muskulatur gestärkt. Im Rahmen einer Physiotherapie verbessern mobilisierende Übungen die Beweglichkeit der Gelenke und die Muskelführung. Vor allem rasches Gehen führt zu einer Steigerung der Muskelkraft und zur Verbesserung der Koordination. Bei der aktivierten Arthrose bildet sich ein entzündlicher Erguss und das Gelenk schwillt an. Hier wirkt Kältetherapie schmerzhemmend und bildet die Entzündung zurück. Bei der chronischen Arthrose ist Wärmetherapie mit Moorbädern oder -packungen elementar, da die Schmerzschwelle angehoben wird und sich die Muskeln entspannen. Auch eine ausgewogene Ernährung trägt zur Besserung bei. Tierische Produkte sollten reduziert und dafür sollten vermehrt Lebensmittel aus heimischem Anbau, die ausgereift geerntet wurden, gegessen werden. Empfohlen wird auch der Verzehr von Fisch und ungesättigten Ölen. Als weitere Therapieverfahren stehen Elektrotherapie, Ultraschall sowie Magnetfeldtherapie zur Verfügung. Aktive Krankengymnastik mit Koordinationstraining führt nach der Operation in der Regel zu einer schnellen Funktionsverbesserung und fördert das Vertrauen in den Gelenkersatz. Auch die Akupunktur gewinnt an Bedeutung, da sie bei Kniearthrose, Arthrose an der Wirbelsäule und Migräne Beschwerden reduziert. Auch Rheuma-Medikamente können den Knorpelstoffwechsel günstig beeinflussen. Daneben werden Wirkstoffe aus der Naturheilkunde wie Extrakte von Weidenrinde, Brennnessel, Zitterpappel und Weihrauch bei leichteren und mittleren Schmerzen eingesetzt und hemmen die Gelenkentzündung. Lässt sich mit konservativen Maßnahmen keine Besserung erreichen und bestätigt sich im Röntgenbild eine fortgeschrittene Arthrose, besteht die Indikation für einen Gelenkersatz (Endoprothese). Der moderne Hüft- und Kniegelenkersatz zählt heute zu den erfolgreichsten Operationen. Eine Anschlussheilbehandlung (AHB) nach operativen Eingriffen ist dabei eine wichtige Voraussetzung, um mit verbesserter Mobilität und schmerzfreier in den Alltag zurückkehren zu können. Von Arthrose kann beim Menschen im Grunde jedes Gelenk in unterschiedlichem Ausmaß betroffen sein.