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Amtsblätter 14.05.2021

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Dieses Foto entstand vor

Dieses Foto entstand vor Corona. Der Optimismus ist ungebrochen Mit vielen Ideen und viel Geduld arbeiten sich die Fußballer des SV Kerkingen durch die Pandemie 26 Text: Ansgar König / Fotos: Ansgar König, Archiv Im Spätsommer 2020, da waren sie ganz nah dran: Lockerungen, zunächst 100, später sogar 500 Menschen wären auf dem Sportgelände des SV Kerkingen zwischen der Edelmühle und Kerkingen erlaubt gewesen. Da blühte der Verein wieder richtig auf. Wie eine Blume ohne Wasser. Wir haben Freundschaftsspiele gemacht, das Beachvolleyballfeld wurde genutzt“, sagt Vorsitzender Peter Kaiserauer. Und Abteilungsleiter Andreas Wohlfrom fügt an: „Da war das Training fast Nebensache. Die Spieler waren einfach froh, dass sie sich wieder treffen konnten, zum Schwätza. Wer hat geheiratet? Wer ist Vater geworden?“ Der zweite Vorsitzende Markus Jakob erstellte ein Hygienekonzept, das von Ordnern bei Heim- und Auswärtsspielen vorbildlich umgesetzt wurde. Und dann stiegen im Oktober die Inzidenzzahlen wieder und alles kam ganz anders. Mittlerweile ruht der Sportbetrieb wieder rund ums Vereinsheim an der L 1070. Der SV Kerkingen – 420 Mitglieder bei einer Einwohnerzahl von knapp 1000 – ist ein gesunder Verein, der vor allem stolz auf seine Sie versuchen, den SV Kerkingen so gut wie möglich durch die Pandemie zu bringen (von links): Vorsitzender Peter Kaiserauer, Jugendleiter Christoph Leib und Abteilungsleiter Andreas Wohlfrom. Jugendarbeit ist – gut 80 Jugendspieler, von den Bambini bis zur A-Jugend, werden von zwölf Trainern betreut. Gespielt wird in der SG Sechta-Ries gemeinsam mit Nachwuchskickern aus Tannhausen, Zöbingen, Nordhausen-Zipplingen und Unterschneidheim. Die Finanzen stimmen, das Vereinsheim, voller Wimpel und Pokale, wurde im ersten Lockdown in Eigenleistung renoviert. Alles wäre bestens. „Aber“, so fasst Kaiserauer zusammen, „zurzeit ist eben alles ein bisschen anders.“ Eigentlich sei das Ziel eines Sportvereins ja, Kinder und Jugendliche weg von Play Station und Computer raus an die frische Luft zu bringen. Das geht eben momentan nicht. „Es tut mir in der Seele weh“, sagt der Vorsitzende, und Abteilungsleiter Wohlfrom und Jugendleiter Christoph Leib nicken nachdenklich. „Die Jungs wollen, Jugendliche wie Aktive, wir hätten auch genügend Nachwuchs –

aber wir dürfen nicht“, so Kaiserauer. Alle drei wissen, dass der WFV und auch die Stadt Bopfingen alles tun, damit Fußball möglich ist. „Was Daniel Bäuerle vom Hauptamt und Bürgermeister Gunter Bühler leisten ist phänomenal“, lobt Wohlfrom, „und wir wissen auch, dass wir uns bei einem eventuellen Wiederbeginn voll und ganz auf die Stadt verlassen können.“ Verein, das kommt ja schließlich von vereint. „Das Treffen, das Miteinander, das fehlt uns allen“, sagt Leib, „das Reden oder auch nur das gemeinsame Rumblödeln.“ Der SV Kerkingen ist sich trotz der schwierigen Lage seiner Verantwortung bewusst. „Wir wollen ja nichts falsch machen“, so Kaiserauer, „und schließlich ist Fußball bei uns ja auch nur ein Hobby.“ Aber es schmerzt eben trotzdem. Neun A-Jugendliche wären in diesem Jahr zu den Aktiven gestoßen. „Lauter charakterlich tolle Jungs. Darauf hatten wir uns gefreut. Schließlich ist das der Lohn für jahrelange, engagierte Jugendarbeit.“ Alle hoffen sie, dass nach der Pandemie alles wieder so wird wie vorher. „Im Jugendbereich auf jeden Fall“, da ist sich Wohlfrom sicher, „aber bei den Aktiven? Da fehlt halt ein komplettes Jahr.“ Was wäre, wenn es uns als Verein nicht mehr gäbe? Darüber wollen sie gar nicht nachdenken. Hier in Kerkingen spielt der Sportverein eine wichtige Rolle, auch eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Das ist den drei Vereinsverantwortlichen klar. Dieses Foto entstand vor Corona. Optimismus und auch Humor, die sind aber auch in schwierigen Zeiten ungebrochen. Vorsitzender Peter Kaiserauer erzählt lächelnd von Gesprächen aus der jüngeren Vergangenheit: „Früher war’s den Müttern nicht immer recht, wenn so viele Hallenturniere waren. Heute wären sie froh.“ Und Abteilungsleiter Andreas Wohlfrom bemerkt mit einem fast sarkastischen Unterton: „Den einzigen, den’s freut, ist der Platzwart. Der Rasen sah selten so schön aus wie jetzt.“ Gut 80 Jugendspieler, von den Bambini bis zur A-Jugend, werden von zwölf Trainern betreut. Doch wie hält man bis dahin Mitglieder, Fußballer und Ehrenamtliche bei Laune? Das sei in der Tat ein großes Problem, gesteht der Vorsitzende: „Es leiden ja alle: vom fünfjährigen Kicker bis zum 75-jährigen Stammtischbesucher. Wir haben Gottseidank keine Austritte zu vermelden. Aber das Ungewisse, das plagt einen schon“, fährt Kaiserauer fort. „Anfang März, da waren Lockerungen in Aussicht“, fügt Jugendleiter Christoph Leib an, „wir hatten Training angesetzt. Die Jugendtrainer waren heiß, jeder war heiß, ein Großteil der Spieler hatte zugesagt, Hygienekonzepte standen – und dann mussten wir alles wieder absagen.“ Das Trainerteam der Aktiven, Antonio Zimmer und Florian Hollndonner, hat sich auf jeden Fall für Pandemiezeiten so einiges einfallen lassen. „Die beiden sprühen vor Ideen“, freut sich Wohlfrom. Die Aktiven haben zum Beispiel am virtuellen „Lauf nach Istanbul“ teilgenommen – alle zusammen mussten innerhalb von vier Wochen 2500 Kilometer zusammenbringen. Momentan steht ein – teils humoriger – Zehnkampf auf dem Plan, Bälle jonglieren etwa, Videos dokumentieren die Leistungen. 27