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aktiv Magazin - Winter 2021 - Nord/West

Todesursache Fußinfarkt

Todesursache Fußinfarkt Dr. med. Stephan Eder warnt vor der schmerzlosen Fußwunde Wer seinen Fuß nicht mehr fühlt, der misst ihm auch keine Bedeutung zu. Das ist ein Problem, denn Diabetiker können hierdurch Zehen, den Fuß oder das ganze Bein verlieren. Dr. med. Stephan Eder, Leiter des Diabetischen Fußzentrums und Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin am Schwarzwald-Baar Klinikum, erklärt, warum das so ist und wie die Pandemie die Situation verschärft hat. Wer kann vom Diabetischen Fuß betroffen sein? Die acht Millionen Diabetiker, die es in Deutschland mittlerweile gibt. Ein Drittel von ihnen erleidet im Laufe ihres Lebens eine Neuropathie (Nervenzerstörung mit Gefühlsverlust in den Füßen). Diese Komplikation ist der Ausgangspunkt des Diabetischen Fußsyndroms. Von diesen „Risikofüßen“ entwickeln wiederum 20 Prozent eine Fußwunde. Warum braucht diese Erkrankung in Pandemie-Zeiten besondere Aufmerksamkeit? Im vergangenen Jahr mussten wir deutlich mehr Amputationen vornehmen als die Jahre zuvor. Das Problem ist, dass die Patienten zu spät zu uns kommen und schon unter fortgeschrittenen Infekten leiden. Da sie keinen Schmerz im Fuß spüren, haben sie es auch nicht eilig. Vor allem aber hatten gerade ältere Menschen aufgrund der Pandemie Angst, zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen. Doch Achtung: Insgesamt ist das eine sehr ernste und bösartige Erkrankung, die bis zum Tod führen kann. Herzinfarkt, Schlaganfall und Tumorerkrankungen sind nicht gefährlicher als dieser Notfallfuß, der zum Fußinfarkt wird. Warum ist gerade der Fuß betroffen? Das Problem betrifft die Enden der langen Nerven. Der längste ist über 1,5 Meter lang und endet am Fuß, deshalb tritt das Problem hier zuerst auf. Wie kann es zu solchen Infekten kommen? Kleine Fußwunden heilen nicht ab, werden größer, entzünden sich und eitern. Der Fuß kann regelrecht „explodieren“. Manchmal befindet sich die Wunde an schlecht einsehbaren Stellen wie der Fußsohle. Hornhautbildungen sind Zeichen einer Fehlbelastung und können sich zu einer Wunde entwickeln. Ebenso können kleinste Schnitte, wie etwa beim Nägel schneiden, Entzündungen hervorrufen. Und wenn der Fuß bereits entzündet ist? Dann ist Schnelligkeit gefragt! Risikopatienten sollten die Wunden sofort ihrem Hausarzt zeigen. Manchmal ist eine Notfallbehandlung in einer spezialisierten Fußklinik erforderlich. Wir können extrem viel machen, wenn wir Patienten frühzeitig behandeln können. Bei schweren Fußinfektionen müssen wir den Fuß häufig operieren. Wenn zusätzlich noch eine Durchblutungsstörung vorliegt, besteht ein hohes Amputationsrisiko. Im schlimmsten Fall, wenn auch selten, löst die Entzündung eine lebensbedrohliche Blutvergiftung aus. Wichtig ist von Anfang an eine konsequente Druckentlastung – also nicht laufen! Die notwendige Geduld ist zeitweise von den Patienten nur schwer aufzubringen und erfordert von beiden Seiten viel Verständnis. Erst im Verlauf und mit beginnender Wundheilung versuchen wir diesen Fuß wieder vorsichtig zu belasten, unter Mithilfe des orthopädischen Schuhmachers. Während des oft mehrwöchigen stationären Aufenthalts bieten wir Gespräche mit Podologinnen und dem Schuhmacher an, damit Patienten deren wichtige Unterstützung kennenlernen. Wie können Patienten vorbeugen? Diabetiker sollten regelmäßig zur Fußpflege gehen. Die „podologische Komplexbehandlung“ darf vom Hausarzt rezeptiert werden, die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Auch passendes Schuhwerk reduziert das Risiko einer Fußwunde. Die Familie ist genauso wichtig. Sie sollte auf die Füße des Patienten achten, ihm helfen, den Fuß einzucremen und bei den kleinsten Wunden wachsam sein. INFO Nicht nur Diabetiker sind betroffen. Seit diesem Jahr darf allen Menschen mit einer nachgewiesenen peripheren Neuropathie der Füße ein Rezept zur podologischen Komplexbehandlung (zu Lasten der Krankenkasse) ausgestellt werden. Bisher war das nur Diabetikern vorbehalten. Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin Diabetisches Fußzentrum Klinikstr. 11, 78052 Villingen-Schwenningen www.sbk-vs.de Dr. med. Stephan Eder Terminvereinbarung: Tel.: 07721 93-3790 E-Mail: termin.gch@sbk-vs.de ANZEIGE 32 | aktiv Winter 2021

Präzise Behandlung von Tumoren mit dem CyberKnife Diagnose Krebs – wie geht es weiter? Im CyberKnife Centrum Süd am Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwenningen eröffnen sich Patienten dank hochmoderner Geräte wie dem „CyberKnife M6“ ganz neue Perspektiven im Kampf gegen den Krebs. Prof. Dr. med. Stephan Mose, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Schwarzwald-Baar Klinikum, erklärt im Interview, wie die besondere Therapiemethode funktioniert und für wen sie infrage kommt. ANZEIGE Das CyberKnife ist ein robotergestützter 6 MV-Photonen Linearbeschleuniger für die bildgeführte Radiochirurgie. Anders als in der konventionellen Strahlentherapie – wo sich die eingesetzten Linearbeschleuniger bei der Behandlung auf einer fixen Kreisbahn um den Patienten bewegen – ist der Linearbeschleuniger beim CyberKnife auf einem Roboterarm befestigt. Er ist damit maximal beweglich und kann den Tumor aus bis zu 3.000 verschiedenen Richtungen bestrahlen. Die Vorteile: Die Strahlen werden dabei so präzise im Tumor konzentriert, dass umliegendes Gewebe nahezu vollständig geschont bleibt. Das ermöglicht es, den Patienten innerhalb einer kurzen Zeit mit einer hohen Bestrahlungsdosis zu therapieren. Dadurch sind insgesamt nur wenige Behandlungssitzungen notwendig. Wie läuft die Behandlung mit dem CyberKnife ab? Prof. Mose: „Die Therapie erfolgt in einer bis fünf Sitzungen, ambulant und ohne Narkose. Eine Behandlungssitzung dauert etwa 30 bis 45 Minuten und ist für den Patienten schmerzfrei. Der Bestrahlungsplan wird für jeden Patienten individuell berechnet. Negative Begleiterscheinungen sind selten, so dass der Patient während der Therapie seinem gewohnten Alltag nachgehen kann.“ Für welche Tumore eignet sich die Behandlung? Prof. Mose: „Dem CyberKnife sind hinsichtlich der zu bestrahlenden Körperregionen kaum Grenzen gesetzt. Therapiert werden können gut- und bösartige Primärtumore im Bereich des Schädels und des Gehirns, gut- und bösartige Primärtumore an Wirbelsäule und Rückenmark, kleine Lungen- oder Leberkarzinome sowie kleine und zahlenmäßig begrenzte Metastasen, zum Beispiel in Gehirn, Lunge, Leber, Lymphknoten, Skelett, Nebenniere und Nieren. Für ein optimales Behandlungsergebnis sollte der Tumor eine bestimme Größe nicht überschreiten und gut zum umliegenden gesunden Gewebe abgrenzbar sein.“ Wann ist eine CyberKnife-Behandlung sinnvoll? Prof. Mose: „Die Methode stellt häufig eine Alternative zur operativen Therapie und zur konventionellen Strahlentherapie dar. Auch kann sie medikamentöse Therapien ergänzen oder sie sogar zeitweilig ganz ablösen. Darüber hinaus ermöglicht das CyberKnife im Falle einer vorausgegangenen Radiotherapie eine erneute Bestrahlung. So kann eine Therapie erfolgen, die hocheffektiv und mindestens gleichwertig zu anderen Maßnahmen ist – und dabei besteht ein deutlich geringeres Nebenwirkungsrisiko.“ Wer entscheidet über die Therapie? Prof. Mose: „Als Ärzte können wir unsere Patienten in keine Schublade stecken. Für uns steht an erster Stelle, was für den Menschen am besten ist. In sogenannten Tumorboards – also einem Expertengremium bestehend aus Vertretern verschiedener Disziplinen – wird jeder Fall ganzheitlich und fächerübergreifend betrachtet. Nur so kann am Ende die optimale Therapie für den einzelnen Patienten empfohlen werden. Ziel ist es, egal ob durch eine Operation, durch Strahlentherapie oder durch Medikamente, die Heilung des Patienten zu erreichen oder – trotz einer vielleicht fortwährenden Tumorerkrankung – zumindest seine Lebensqualität auf einem stabilen, guten Niveau zu erhalten.“ Prof. Mose Schwarzwald-Baar Klinikum CyberKnife Centrum Süd Klinikstraße 11 78052 Villingen-Schwenningen Telefon: +49 (0) 7721 93-4790 E-Mail: cyberknife@sbk-vs.de Internet: cyberknife.sbk-vs.de aktiv Winter 2021 | 33